Stadtrat favorisiert Moosburg

GOSSAU. Der Gossauer Stadtrat hat in der Bauland-Erschliessung für Industrie und Gewerbe einen Entscheid getroffen: Das Gebiet Moosburg soll wachsen. Die Sommerau ist demnach für den Stadtrat kein Thema mehr. Für andere schon.

Rita Bolt
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Das Gebiet Moosburg soll wachsen: In einer ersten Etappe sollen 40 000 Quadratmeter erschlossen werden. (Bild: Coralie Wenger)

Das Gebiet Moosburg soll wachsen: In einer ersten Etappe sollen 40 000 Quadratmeter erschlossen werden. (Bild: Coralie Wenger)

«Moosburg» – schon fast ein Reizwort in Gossau. Die IG Niederdorf wird gegen die Erschliessung Moosburg opponieren, das hat sie bereits angekündet. Und wenn nötig sogar das Referendum ergreifen. Die IG Sommerau hat anfangs Woche das Initiativkomitee «Ja zur Erschliessung des Gebietes Sommerau Nord» gegründet und wird Unterschriften sammeln, um eine Volksabstimmung zugunsten des Gebietes Sommerau zu erwirken (Ausgabe vom 16. März).

Gemäss Stadtpräsident Alex Brühwiler könnte eine Urnenabstimmung im Februar/März 2011 durchgeführt werden. «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass sich im Gebiet Sommerau schneller Bauland realisieren lässt als in der Moosburg», sagt Victor Ledergerber, Mitglied des Initiativkomitees.

Vorerst 40 000 Quadratmeter

Der Stadtrat will aber in der Moosburg vorwärts machen.

Vorerst will er in einer ersten Etappe 40 000 Quadratmeter zwischen Wiler- und Flawilerstrasse sowie westlich des Bahndamms der Sulgener-Linie mit einer 20 Meter breiten Freihaltefläche vom Isenringquartier erschliessen; in einer zweiten Etappe weitere etwa 30 000 Quadratmeter. Der Stadtrat habe für 76 000 Quadratmeter Kaufrechte, sagt Stadtpräsident Alex Brühwiler. Das heisse, die Stadt habe mit drei Grundeigentümern Verträge. Zuerst müsse das Bauland aber rechtskräftig eingezont sein.

Und das kann sich noch etwas hinziehen. Das weiss auch der Stadtrat. Er geht davon aus, dass es Einsprachen geben wird. «Entscheidend ist der Inhalt der Einsprachen und nicht die Anzahl», sagt Brühwiler. Allfällige Einsprachen sollten bis zu den Sommerferien erledigt werden können, so dass die Einzonung Ende Jahr dem Parlament unterbreitet werden kann.

Ein weiteres Argument der Gegner, warum das Gebiet Sommerau favorisiert werden müsste und nicht die Moosburg: Ein Grossteil des Gebietes Moosburg ist Fruchtfolgefläche – mit diesem Kulturland wird die Versorgung der Bevölkerung in Notzeiten gesichert. Das Amt für Raumentwicklung habe signalisiert, dass die Fruchtfolgefläche aufgehoben werden könnte, beantwortet der Stadtpräsident eine entsprechende Frage. Jährlich gebe der Kanton zwölf Hektaren Fruchtfolgefläche frei. In Gossau müsste er vorerst vier Hektaren bewilligen.

Zusätzlicher Verkehr

Mit der Erschliessung von Bauland für Industrie und Gewerbe wird auch der Verkehr zunehmen: in der Moosburg wie in der Sommerau. Der Mehrverkehr in der Sommerau werde niemanden tangieren, weil es unattraktives Wohngebiet sei, sagt das Initiativkomitee Sommerau. Im kantonalen Strassenbauprogramm und in der Mehrjahresplanung des Gossauer Stadtrates ist im Gebiet Moosburg eine Verbindungsstrasse Flawiler–Wilerstrasse geplant. Sie wird das Gebiet Moosburg erschliessen.

Zudem verkürze sie die Wege für Verkehr aus dem Untertoggenburg zum Gewerbegebiet Eichen und zum Autobahnanschluss Gossau-West massgeblich, schreibt der Stadtrat. Und: «Die neue Verbindungsstrasse würde verschiedene Gebiete von unnötigem Durchgangsverkehr entlasten: die östlichen Abschnitte der Wiler- und der Flawilerstrasse, das Isenringquartier sowie das Zentrum.» Dieser Meinung sei auch der Kanton.

Die IG Niederdorf teilt die Meinung der Stadt Gossau und des Kantons nicht: Sie vermutet vielmehr, dass es im Niederdorf zu beträchtlichem Mehrverkehr kommen wird.

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