Stadtrat befürchtet Überangebot

GOSSAU. Der Kanton hat für Gossau 32 neue Pflegebetten bewilligt. Gegen den Willen des Stadtrats, der jetzt schon ein Überangebot sieht. Dieses drücke auf die Auslastung der Heime der Sana Fürstenland, die in die Jahre gekommen sind.

Johannes Wey
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Die Pflegeheime der Sana Fürstenland AG, hier das «Espel», könnten gegenüber moderneren privaten Angeboten an Attraktivität verlieren. (Bild: Urs Jaudas)

Die Pflegeheime der Sana Fürstenland AG, hier das «Espel», könnten gegenüber moderneren privaten Angeboten an Attraktivität verlieren. (Bild: Urs Jaudas)

Wie viele Pflegeplätze braucht Gossau? Der Kanton und die Stadt sind sich in dieser Frage uneinig. So wird der Kanton im Februar gegen den Willen der Stadt 32 Pflegebetten des privaten Anbieters Casa Solaris auf die Pflegeheimliste aufnehmen (siehe Kasten). Demgegenüber sieht Stadtrat Bruno Damann, Vorsteher Jugend, Alter, Soziales, bereits heute ein Überangebot. Bewilligte Plätze sind für Pflegebedürftige attraktiv, da Krankenkassen und die öffentliche Hand einen Grossteil der Pflegekosten tragen.

Bundesgericht rechnet tiefer

Die Uneinigkeit gründet in verschiedenen Berechnungsgrundlagen für den Bedarf an Pflegeplätzen. Während der Kanton davon ausgeht, dass rund 30 Prozent der über 80-Jährigen auf Pflege angewiesen sind, hält Damann diese Zahl für veraltet. Er beruft sich auf ein Bundesgerichtsurteil vom März 2014. Die Richter hätten festgehalten, dass lediglich von einer Pflegebedürftigkeit von rund 25 Prozent in dieser Altersgruppe ausgegangen werden müsse. Dazu zählen auch Menschen, welche nur Leistungen der Pflegestufen eins und zwei benötigen. Diese gehörten laut Damann aber nicht in ein Heim, sondern könnten zu Hause von der Spitex oder in einem Angebot für Betreutes Wohnen besser gepflegt werden. Erst ab der Pflegestufe drei sollten Senioren in ein Altersheim umziehen. «Meiner Meinung nach liegt dieser Anteil bei den über 80-Jährigen in Gossau bei lediglich 10 bis 15 Prozent», sagt Damann.

Private Heime sind moderner

Das grosse Angebot bewilligter Pflegeheimplätze stellt die Sana Fürstenland AG vor Probleme, sagt Damann, der für Gossau im Verwaltungsrat sitzt. Nebst Gossau sind vier weitere Gemeinden am Unternehmen beteiligt. Um deren Altersbetreuung sicherzustellen, ist ein Neubau auf dem heutigen Areal des Andreaszentrums geplant. Doch bis dieser bezugsbereit ist, können noch Jahre verstreichen, während derer die Sana Fürstenland weiterhin auf die veralteten Heime «Schwalbe» und «Espel» angewiesen ist. Die modernen Heime von Anbietern wie Vita Tertia oder Casa Solaris sind da deutlich attraktiver. «In der Gossauer Altersbetreuung sind die Spiesse derzeit nicht gleich lang», sagt Damann.

Weniger Betten im Neubau?

Dies habe sich im vergangenen Jahr bereits in Zahlen niedergeschlagen. Das Haus Schwalbe sei Ende 2014 nicht voll ausgelastet gewesen, obwohl zahlreiche Bewohner eigentlich gar nicht in ein Pflegeheim gehören würden. Das schmälert die Einnahmen. Auch im «Espel» sei die Warteliste im Vergleich zu anderen Jahren stark geschrumpft. «Wir müssen uns überlegen, wie wir die Zeit bis zum Bezug des Pflegeheimneubaus überbrücken können», sagt Damann. Auf dessen Planung hatte die veränderte Situation bereits Auswirkungen. Während vom Kanton ursprünglich 119 Plätze bewilligt wurde, verlangt die Ausschreibung für den Projektwettbewerb derzeit noch 100. Für Damann wäre es auch denkbar, die Zahl der Pflegebetten weiter zu reduzieren, beispielsweise auf 80. Dafür stünde mehr Platz für Betreutes Wohnen zur Verfügung. «Hier gibt es derzeit eine grosse Nachfrage», sagt er.