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STADTPRÄSIDIUM: Der mächtigste Gossauer kommt aus Chur

Die Hälfte der Stimmbürger hat gewählt: Wolfgang Giella (parteilos) wird neuer Stadtpräsident. Er überflügelte seinen Konkurrenten Daniel Lehmann (CVP) mit 1000 Stimmen Vorsprung. Nach einem erbitterten Wahlkampf sind die Fronten verhärtet.
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Wolfgang Giella ist zum zweiten Mal ein Coup gelungen: Nach einem Überraschungssieg im ersten Wahlgang konnte er auch den zweiten für sich entscheiden. Giella (parteilos) liess seinen Konkurrenten diesmal klar hinter sich: Der Kandidat aus Chur erreichte 58 Prozent oder 3487 der Stimmen – 1050 mehr als Daniel Lehmann (CVP). Damit tritt Giella im Juni die Nachfolge von Alex Brühwiler an, der das Amt des Stadtpräsidenten von Gossau nach 17 Jahren abgibt. Auch die Wahlbeteiligung hat sich vom ersten ­auf den zweiten Wahlgang erhöht. Reichten im November noch 42 Prozent der Stimmbürger ihre Wahlkuverts ein, waren es diesmal satte 50 Prozent.

Das ist nicht zuletzt auf einen erbitterten Wahlkampf zurückzuführen, der in den letzten Wochen immer wieder in den Schlagzeilen stand. Er war geprägt von Grabenkämpfen und persönlichen Angriffen. Sie gipfelten darin, dass sich beide Lager illegale Methoden im Wahlkampf vorwarfen. Das wurde Daniel Lehmann zum Verhängnis, der sich ohnehin in einer Negativspirale drehte. Gerüchte um seine Person und den Verkauf seiner Firma kurz vor seiner Kandidatur begleiteten den Unternehmer von Beginn weg. Mit teils grenzwertiger Wahlwerbung schaffte es der Unternehmer nicht, sich in ein besseres Licht zu rücken. Lehmann spricht denn auch von einer «persönlichen Niederlage».

Seine Partei hingegen möchte er nicht in die Verantwortung ziehen. Mit der Niederlage von Daniel Lehmann verliert die CVP auch einen Sitz im Gossauer Stadtrat. Im November wurde Claudia Martin (SVP) in die Exekutive gewählt. Sie tritt die Nachfolge von Stefan Lenherr (CVP) an. Die CVP stellte keinen eigenen Kandidaten auf; sie setzte ihre Hoffnungen auf das Stadtpräsidium.

Der «frische Wind» gegen den «Gossauer Filz»

Wolfgang Giella wurde von einer Findungsgruppe – bestehend aus SVP, FDP, Flig und SP – aufgestellt. Die Parteien taten sich zusammen, um gemeinsam gegen den Alleingang der CVP anzutreten, die bereits im Juli die Kandidatur von Daniel Lehmann bekannt gab. Auf den Aufruf «Stadtpräsident gesucht» meldete sich unter anderen Wolfgang Giella aus Chur. Der Leiter einer Hochschulbibliothek versprach den Gossauerinnen und Gossauern nicht weniger als einen Aufbruch. Der «frische Wind» von auswärts konnte damit Anhänger aus allen politischen Lagern gewinnen. Sie wollten den «Gossauer Filz» durchbrechen. Ihnen standen all jene gegenüber, die sich gegen den Auswärtigen und für Daniel Lehmann einsetzten. Er ist als ehemaliger Präsident des Gewerbevereins, Präsident der Pallottinerstiftung, Lions-Club-Mitglied oder als Vorstandsmitglied des Trägervereins des Jung-Unternehmer-Zentrums in Gossau bestens vernetzt.

Die Aufspaltung der Stadt Gossau, in zwei Lager, deren Fronten sich zusehends verhärteten, griff Wolfgang Giella in einer kurzen Ansprache nach dem Wahlsieg auf. «Ich will der Stadtpräsident für alle sein», versicherte er im gefüllten Fürstenlandsaal. Und: Beide Gruppen sollten nun einen Schritt aufeinander zugehen. Zuerst aber müsse er den Wahlsieg verdauen. Denn Wolfgang Giella hat gestern nicht nur Gossau überrascht. «Diesmal hat Gossau mich überrascht», sagte er nach der Verkündigung des überraschend deutlichen Resultats.

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