«Stadtmagazin» reagiert auf Kritik

Das «Stadtmagazin», das sich als Vertreter der regionalen Wirtschaft sieht, wurde bis anhin in Stuttgart gedruckt. Nach Kritik von Wirtschaftsverbänden wechselt der Auftrag nach Romanshorn.

Urs-Peter Zwingli
Drucken

Das Gratisheft «Stadtmagazin», das alle zwei Monate in die Haushalte der Stadt St. Gallen verteilt wird, musste im November Kritik einstecken: Damals war bekannt geworden, dass das Heft in einer Druckerei in Stuttgart produziert wird. Für regionale Wirtschaftsverbände und Leserbriefschreiber ein Widerspruch zur Aussage der «Stadtmagazin»-Macher, man sei «bürger- und gewerbefreundlich».

Zurück in der Schweiz

Die Firma Metrocomm, die das «Stadtmagazin» redaktionell und verlagstechnisch betreut, hat reagiert: Wie sie gestern mitteilte, wird das Heft ab der Ausgabe vom Januar 2012 in der Druckerei des Vereins Brüggli in Romanshorn gedruckt. Das Brüggli beschäftigt in seinen Werkstätten und Büros rund 700 Mitarbeiter, die ein körperliches oder psychisches Handicap haben.

«Eine Anschubfinanzierung»

Laut Stephan Ziegler, «Stadtmagazin»-Chefredaktor und Geschäftsleitungsmitglied von Metrocomm, «war für uns immer klar, dass wir beim Erreichen der schwarzen Null wieder in der Ostschweiz drucken lassen». In der Jahresabrechnung sei diese «schwarze Null» erreicht worden; Aufwand und Ertrag halten sich also die Waage. Ziegler hatte im November gesagt, der im Vergleich zu lokalen Anbietern um 30 Prozent günstigere Druck in Deutschland sei eine «Anschubfinanzierung» für das Heft. Dieses wird durch Inserate finanziert und hätte sonst laut Ziegler «nicht realisiert werden können».

Druck in Deutschland «störend»

Dass Metrocomm nicht mehr in Stuttgart drucken lassen will, begrüsst die Detailhandelsorganisation «Pro Stadt». Deren Logo prangt gemeinsam mit jenem der Interessengemeinschaft «Wirtschaft Region St. Gallen» (WISG) auf der Titelseite des «Stadtmagazins». Die Verbände stellen sich als Imageträger zur Verfügung und erhalten im Gegenzug eine Gratisseite im Heft. Josef Huber, Präsident von «Pro Stadt», sagt: «Jeder Auftrag, der ins Ausland geht, schadet unserer Wirtschaft.» Obwohl er das Argument der Anschubfinanzierung grundsätzlich verstehe, wäre es für «Pro Stadt» «störend» gewesen, wenn das Heft weiterhin in Deutschland gedruckt worden wäre.

Als Boulevard etablieren

Chefredaktor Ziegler hat derweil grosse Pläne mit dem «Stadtmagazin»: Die Auflage wurde von 36 000 auf 40 000 Exemplare erhöht. Man wolle sich als «boulevardeskes Produkt» etablieren.