Die Veranda mit dem Nachbarn teilen

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen hat entschieden: Im Areal Waldacker soll eine Überbauung mit 113 Wohnungen entstehen. Der Holzbau kostet rund 40 Millionen Franken. Der Beitrag «Holts» hat sich gegen 24 andere Vorschläge durchgesetzt.

Christoph Renn
Drucken
Teilen
Das Zentrum des neuen Quartiers im Waldacker soll dank viel Grünfläche zum Begegnungsort werden. So zumindest sehen es die Architekten und Investoren der Überbauung Holts vor. Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen hat sich gestern für die Variante aus Holz mit 113 Wohnungen entschieden. Baubeginn ist Mitte 2019 geplant. (Bild: Illustration: PD)

Das Zentrum des neuen Quartiers im Waldacker soll dank viel Grünfläche zum Begegnungsort werden. So zumindest sehen es die Architekten und Investoren der Überbauung Holts vor. Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen hat sich gestern für die Variante aus Holz mit 113 Wohnungen entschieden. Baubeginn ist Mitte 2019 geplant. (Bild: Illustration: PD)

Das Projekt «Holts» hat die Jury überzeugt. Es hat 24 andere Vorschläge zur Überbauung im Areal Waldacker ausgestochen. Und der Name Holts – altsanktgallerisch für Holz – verrät sogleich eine Besonderheit des Beitrages: Die gesamte Anlage ist aus diesem Material konzipiert. Gewinner des Studienauftrages, den die Ortsbürgergemeinde St. Gallen ausgeschrieben hat, sind die Investoren Previs Vorsorge mit Sitz in Bern, zusammen mit Burkhalter Sumi Architekten aus Zürich. Die Überbauung, die aus zwei langen geknickten Gebäuden besteht, soll Platz für 113 Wohnungen bieten. Die Kosten belaufen sich auf rund 40 Millionen Franken.

Mit der Überbauung «Holts» im Westen der Stadt will die Ortsbürger­gemeinde etwas in St. Gallen bisher Einmaliges schaffen. «Der Beitrag hat uns unter anderem wegen seiner innovativen Ideen zum Zusammenleben im neuen Quartier überzeugt», sagt Arno Noger, Bürgerratspräsident. Das Neuartige ist die Veranda, die zwischen den einzelnen Wohneinheiten nicht abgetrennt ist. «So soll das Miteinander der Nachbarn gefördert werden.» Auf einem Stock sind dadurch jeweils vier Wohnungen mit­einander verbunden. «Beispiele in anderen Städten haben gezeigt, dass dieses Konzept gut funktioniert», sagt Noger.

Miteinander statt nebeneinander wohnen

Die Gebäude laufen parallel zueinander und werden nicht hintereinander stehen, sondern zueinander gerichtet. Sie verlaufen entlang des Hangs von Osten nach Westen. Mit der geknickten Form werden die beiden Baukörper optisch in jeweils drei Abschnitte mit verschiedenen Höhen unterteilt – von drei- bis fünfstöckig. Zwischen den Komplexen soll laut Yves Schihin, Mitarbeiter von Burkhalter Sumi Architekten, ein belebter Binnenraum entstehen: «Die begrünte Fläche wird zur Begegnungszone innerhalb des Quartiers.» Angedacht sind eine Wiese und ein Spielplatz. Die Wohnungen bieten den Mietern jedoch trotz offener Veranda und gemeinsamem ­Lebensraum zwischen den schlangen­artigen Baukörpern laut Schihin genügend Rückzugsmöglichkeiten. «Auf den Aussenseiten, also einmal bergwärts und einmal talwärts, verfügt jede Wohnung über einen eigenen Wintergarten.» Oberirdische Parkplätze wird es keine geben. «In der Tiefgarage gibt es 85 Parkplätze, und auch die Besucher können ihre Fahrzeuge dort abstellen», sagt Schihin. Dafür soll es im Quartier umso mehr Platz für Velos geben. Die Zufahrt zur Tiefgarage ist vom Eingang zur Siedlung getrennt.

Bei der Wohnungsgrösse haben die Planer auf eine gute Durchmischung geachtet. So sind 2?- bis 5?-Zimmer-Wohnungen geplant. «Die Preise werden sich im unteren Niveau bewegen. Sie sind für Leute mit tiefem und mittlerem Einkommen gedacht», sagt Roger Müller, Leiter Immobilienanlagen bei der Previs Vorsorge. So sollen im neuen Quartier im Waldacker junge Familien neben Alleinstehenden und Junge neben Alten leben.

Nicht nur auf den Profit geschaut

Neben den «sozial überraschenden Aspekten von Holts», wie Arno Noger sagt, überzeugte das Projekt das 13-köpfige Beurteilungsgremium mit der Materialwahl. «Der Holzbau ist nachhaltig.» Hinzu kommt, dass die beiden Gebäude aus einzelnen Elementen gebaut werden. «So können wir die Bauzeit erheblich verkürzen.» Dies sei deshalb wichtig, damit die Anwohner der südlich angrenzenden, älteren Wohnsiedlung an der Ahornstrasse nicht zu lange von Baulärm geplagt seien. Sowieso hätten die Architekten Rücksicht auf diese Siedlung genommen. «Dank der Ausrichtung und der Positionierung der langen Gebäude wird den bestehenden Wohnungen die Aussicht nicht verbaut.» Deshalb rechnet Noger damit, dass das Projekt nicht durch Einsprachen gebremst wird. Bereits Mitte 2019 sollen die ersten Bagger auffahren.

Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen wird das Land nicht an die Bietergemeinschaft aus Architekten und Investoren verkaufen, sondern gibt das Land nur im Baurecht ab. Somit profitiert sie vom Baurechtszins, der sich beim Siegerprojekt auf über 250000 Franken im Jahr belaufen wird. «Wir haben bei der Wahl nicht nur auf diesen Wert geachtet», versichert Arno Noger. Bei anderen Projekten würde der Baurechtzins bei rund einer halben Millionen Franken pro Jahr liegen. «Wir haben uns wegen der Qualität für dieses Projekt entschieden.»