STADTENTWICKLUNG: Der Stadtrat will verdichten

Damit St. Gallen auch nach innen wachsen kann, beantragt der Stadtrat dem Stadtparlament die Umzonung von fünf Arealen oder Teilen davon. Verdichten ist angesagt.

Daniel Wirth
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Zwischen Stall und Fernwärmezentrale Waldau will die Stadt umzonen, damit ein Näherbaurecht eingeräumt werden kann. (Bild: Urs Bucher)

Zwischen Stall und Fernwärmezentrale Waldau will die Stadt umzonen, damit ein Näherbaurecht eingeräumt werden kann. (Bild: Urs Bucher)

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Der Stadtrat legt dem Stadtparlament in regelmässigen Abständen Zonenplanänderungen als Sammelvorlage vor; zuletzt in den Jahren 2010, 2012 und 2014 (siehe Zweittext). Am kommenden Dienstag muss sich das Stadtparlament gleich mit fünf beantragten Änderungen des Zonenplans auseinandersetzen. Es geht um Areale oder Teilgrundstücke in den folgenden Gebieten: Austrasse, Martinsbruggstrasse, Föhrenstrasse, Kesselhaldenstrasse, Sittertalstrasse.

Die fünf Revisionsbegehren seien stadtplanerisch begründet und rechtfertigten eine Zonenplanänderung, schreibt der Stadtrat in der Sammelvorlage. Da es sich bei den Begehren um Umzonungen und nicht um Neueinzonungen von Bauland handle, unterlägen die fünf Zonenplanänderungen nicht dem seit Mai 2014 geltenden Einzonungsmoratorium aufgrund der Anpassung des Raumplanungsgesetzes, das noch bis zur Genehmigung des angepassten kantonalen Richtplans fortbestehe. Bei vier von fünf beantragten Zonenplanänderungen handelt es sich um Areale, die sich in dicht besiedeltem Gebiet oder am Rande eines solchen befinden. Beispiel Föhrenstrasse: Eine Erbengemeinschaft ist Grundeigentümerin einer grossflächigen Parzelle in der Wohnzone W4a, auf der Häuser mit bis zu vier Etagen erlaubt sind. Heute stehen auf der Parzelle aneinandergebaute ältere Gewerbeliegenschaften. Gemäss Stadtrat ist das Areal im städtischen Richtplan als potenzielles Verdichtungsgebiet bezeichnet.

Mehrfamilienhaus und Tiefgarage geplant

Nun beabsichtigt die Grundeigentümerin dieser Parzelle an der Föhrenstrasse, sämtliche alten Liegenschaften abzubrechen und ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage hinzustellen. Damit in diesem Verdichtungsgebiet eine ausreichende Dichte erzielt werden könne, komme aufgrund der Form des Grundstückes nur eine stirnseitige Anordnung des Baukörpers zur Föhrenstrasse hin in Frage. «Diese Anordnung wird auch aus städtebaulichen Überlegungen begrüsst», schreibt der Stadtrat in der Sammelvorlage.

Umzonen wegen des Näherbaurechts

In nördlicher Richtung grenzt die Parzelle an ein Grundstück, das der Stadt gehört und der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen zugeschieden ist; auf dem Areal wird seit Anfang 2016 die Fernwärmezentrale Waldau errichtet, die kurz vor ihrer Fertigstellung steht. Die aktuelle Zonenplanbegrenzung zwischen den beiden Arealen verunmöglicht ein verdichtetes Bauen, weil der vorgeschriebene Grenzabstand lediglich eine Tiefe des geplanten Mehrfamilienhauses von sieben Metern zulässt. Damit der aus raumplanerischen und städtebaulichen Überlegungen erwünschte Neubau trotzdem realisiert werden könne, bedürfe es einer Verlagerung des Grenzabstandes, schreibt der Stadtrat. Darum müsse ein Teil des Areals, auf dem die Fernwärmezentrale stehe, in die Zone W4a zugeteilt werden; denn ein Näherbaurecht ist nur zwischen zwei Eigentümern möglich, deren Grundstück in der gleichen Zone liege.

Bei den anderen Zonenplanänderungen sind die Gründe für die Anträge gleich oder ähnlich gelagert. In einem Fall geht es um Alterswohnungen.