Stadt will ein Wörtchen mitreden

ST.GALLEN. Die SBB verkaufen den Güterbahnhof an den Kanton: Ein Rückschlag für die Stadt. «Wesentlich ist aber, was auf dem Areal entsteht. Nicht, wem es gehört», sagt Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Und stellt klare Forderungen an den Kanton.

Malolo Kessler
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Attraktive Baulandreserve: Das Güterbahnhofareal wird voraussichtlich im Herbst von den SBB an den Kanton St. Gallen übergeben. (Bild: Hanspeter Schiess)

Attraktive Baulandreserve: Das Güterbahnhofareal wird voraussichtlich im Herbst von den SBB an den Kanton St. Gallen übergeben. (Bild: Hanspeter Schiess)

So verlassen das Gebiet aussieht, so begehrt war es: Das Güterbahnhofareal der SBB gilt im Richtplanentwurf als «eine der wichtigsten Baulandreserven auf Stadtgebiet». Stadt sowie Kanton haben schon seit längerem Interesse an einem Kauf des Landes bekundet. Am Montag wurde nun bekannt, dass der Kanton St. Gallen den Zuschlag bekommt (Ausgabe von gestern). Ein Rückschlag für die Stadt zwar – aber kein herber, wie der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin gestern auf Anfrage sagte. «Wir wissen schon seit Anfang Jahr davon.» Und zu konkreten Verkaufsverhandlungen sei es zwischen Stadt und SBB gar nie gekommen.

Wohnungen, Büros, Läden

Natürlich hätte man das Land lieber «in der eigenen Hand gehabt». Wesentlich sei allerdings, was dort entstehe, und nicht, wem es gehöre. Deshalb sei die Stadt auch nicht wirklich enttäuscht gewesen, als sie erfahren habe, dass der Kanton den Zuschlag erhalte. «Wir wären dann enttäuscht, wenn der Kanton die Verantwortung, welche dieses Bauland mit sich bringt, nicht wahrnehmen würde», sagt Scheitlin. Wenn er keine «Akzente» auf dem Areal setzte. «Es ist ein wesentliches Gebiet für die Stadtentwicklung, die einzige Baulandreserve dieser Art und Grösse in Zentrumsnähe», sagt Scheitlin. Ein Gebiet von überregionaler Bedeutung.

Das Bauland liegt in einer Wohn-Gewerbe-Zone. Der Stadtpräsident möchte nach wie vor, dass dort – wie im geltenden Zonenplan und im Richtplanentwurf vorgesehen – ein neues Quartier entsteht. Mit einer gemischten Nutzung mit Wohnungen, Gewerbeflächen, Büroräumen und Kulturangeboten. Die Nachfrage nach «urbanem Wohnen in Zentrumsnähe» sei derzeit gross.

Keine alleinige Nutzung für HSG

Was der Kanton mit der Fläche vorhat, ist noch offen. In Frage kommen könnte eine Nutzung für die Universität St. Gallen oder für die Polizei. Also nicht ganz, was die Stadt sich wünscht. «Wenn für die HSG ein Teilbereich genutzt würde, der grösste Teil aber für Wohn- und Gewerberaum diente, könnten wir sicher damit leben», sagt Scheitlin.

Geländeübergabe im Herbst

Laut Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB, sind die Verträge für den Verkauf unterschriftsreif. «Wir gehen davon aus, dass das Gelände im Herbst an den Kanton übergeben werden kann.» Stadtpräsident Scheitlin fordert nun vom Kanton, in bezug auf allfällige Nutzungen des Areals das Gespräch mit der Stadt zu suchen – und zwar rasch. «Wir möchten nicht, dass der Kanton das Land einfach hortet. Sondern, dass in den nächsten Jahren dort etwas passiert.» Sollte nichts passieren, werde man sich eben «auf die Hinterbeine stellen».

St. Fiden: In Verhandlungen

Bald etwas passieren könnte mit einem weiteren attraktiven Entwicklungsgebiet in der Stadt, das den SBB gehört: dem Areal des Bahnhofs St. Fiden. Die Stadt liebäugelt schon länger damit und steht in Verkaufsverhandlungen mit den SBB, die vor einigen Monaten dort ihre Interessenlinie gelegt haben (Ausgabe vom 2. Februar).

Ein konkretes Verhandlungsergebnis liege allerdings noch nicht vor, sagt Scheitlin. Aber er ist optimistisch: Ein Konkurrent – wie etwa der Kanton – sei seines Wissens nicht in Sicht.

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