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STADT ST.GALLEN: Frei am Frauentag: Drei St.Galler Politikerinnen fordern arbeitsfreien Tag für alle weiblichen Stadtangestellten

Am 8. März ist internationaler Frauentag. Geht es nach drei Stadtparlamentarierinnen, soll dieser Tag bald für alle weiblichen Angestellten der Stadtverwaltung arbeitsfrei sein. Der Stadtrat hält davon wenig – und warnt vor einer Polarisierung des Themas.
Luca Ghiselli
Am internationalen Frauentag werden am Bärenplatz jeweils Mimosen an Passantinnen verteilt. (Bild: Michel Canonica)

Am internationalen Frauentag werden am Bärenplatz jeweils Mimosen an Passantinnen verteilt. (Bild: Michel Canonica)

"Gleichstellung jetzt!", fordern Andrea Scheck (Juso), Alexandra Akeret (SP) und Andrea Hornstein (PFG) im Titel ihres parlamentarischen Vorstosses. Frauen, die in der Stadtverwaltung arbeiten, sollen am 8. März frei haben, so das Begehren. Der Grund: Frauen würden, auch im öffentlichen Sektor, immer noch weniger verdienen als Männer. Der Lohnunterschied bei Bund, Kantonen und Gemeinden beläuft sich auf 16,5 Prozent, 6,4 davon liessen sich nicht durch berufliche Stellung, Dienstalter oder anderes erklären.

Bis die Stadt beweisen könne, dass es keine unerklärbare Lohndifferenz zwischen Frauen und Männern in der Verwaltung gebe, solle das teilweise mit einem arbeitsfreien Frauentag für alle weiblichen Angestellten kompensiert werden, so die Forderung der Motionärinnen. Nun liegt die Stellungnahme des Stadtrats dazu vor. Er beantragt dem Parlament, die Motion nicht erheblich zu erklären.

Kein Beitrag zur Lohngleichheit

Es gebe bereits heute eine rechtliche Grundlage, nämlich das städtische Personalreglement, das eine geschlechtsneutrale Lohneinreihung und -anpassung vorschreibe. In den Personaldiensten stünden zudem für die Präsidentin der Kommission "Gleiche Chancen" und die Beauftragte für gleiche Chancen 20 Stellenprozente zur Verfügung, schreibt der Stadtrat. Darüber hinaus werde er auch in Zukunft sein Engagement für die Lohngleichheit weiterführen. So prüfe er derzeit einen Beitritt zur Lohncharta des Bundes. All diese Massnahmen seien "zielführender und sachgerechter als die Forderung der Motionärinnen", schreibt der Stadtrat. Ein zusätzlicher freier Arbeitstag trage nämlich "nichts zu Erreichung der Lohngleichheit bei". Eine allfällige Ungleichheit würde mit einem arbeitsfreien 8. März für alle weiblichen Angestellten der Stadt keinesfalls behoben, sondern bestenfalls kaschiert. Hinzu komme, dass die Einführung des freien Tags bestimmte Dienststellen vor in die Bredouille bringen würden. Lehrkräfte nicht mitgerechnet, sind 740 der insgesamt 2117 Beschäftigten weiblich. «Die Gewährung eines freien Tages für rund einen Drittel des Personals führt zu entsprechenden Leistungsausfällen», schreibt der Stadtrat weiter. Die Öffentlichkeit erwarte aber, dass die städtische Verwaltung wie immer funktioniere.

Freier Tag soll als Ansporn dienen

Die Motionärinnen sind von der Stellungnahme des Stadtrats nicht überrascht. "Es ist in etwa das, was ich erwartet habe", sagt Andrea Scheck. Was aus der Antwort aber hervorgehe, sei, dass wohl nicht einmal der Stadtrat wisse, wie gross die Lohnungleichheit in der Verwaltung sei. "Und das ist kein gutes Zeichen." Mit der Forderung nach einem freien Tag für Frauen wolle man deutlich machen, was Lohnungleichheit bedeute: nämlich Zeit und Geld. Das sei keine reine Symbolpolitik, sondern etwas Konkretes. Und auch den Vorwurf, man würde mit diesem zusätzlichen freien Tag die Verwaltung lahm legen, lässt Scheck nicht gelten. "Und wenn das wirklich der Fall wäre, sollte es der Stadt als Ansporn dienen, in dieser Frage endlich vorwärts zu machen." Denn sobald der Stadtrat nachweisen könne, dass es keine unerklärbaren Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau in der Verwaltung gebe, falle auch der arbeitsfreie Tag wieder weg.

Auch Andrea Hornstein ist überzeugt, dass ein freier 8. März für Frauen die Gleichstellung vorantreiben würde. "Es ist ein kreativer Vorschlag zur Teilkompensation", sagt sie. Doch auch der PFG-Parlamentarierin geht es um mehr als nur das Auslösen einer Debatte. "Wir sind mit dieser Forderung nicht auf weiter Flur. Auch in anderen Städten, zum Beispiel in Bern, wurden ähnliche Vorstösse eingereicht." Das Zögern der Stadt, der Lohncharta des Bundes beizutreten, zeige, dass Nachholbedarf in dieser Frage bestehe. "Und wir müssen mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, die Lohngleichheit anstreben." Dass der zusätzliche freie Tag die Verwaltung vor grosse Probleme stellen würde, bezweifelt Hornstein: "Am Kinderfest ist es ja auch möglich. Warum nicht am 8. März?"

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