Stadt profitiert von Bahnprojekt

Die Stadt möchte sich mit knapp 2,4 Millionen Franken an der Durchmesserlinie Appenzell–St. Gallen–Trogen beteiligen. Dazu verpflichtet ist sie nicht, doch aus Sicht des Stadtrats profitiert St. Gallen in mehrfacher Hinsicht von dem Projekt.

Tobias Hänni
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Parkplätze statt Gleise beim Bahnhof der Appenzeller Bahnen: Einer der Vorteile, welche die Durchmesserlinie der Stadt bringen würde. (Bild: Ralph Ribi)

Parkplätze statt Gleise beim Bahnhof der Appenzeller Bahnen: Einer der Vorteile, welche die Durchmesserlinie der Stadt bringen würde. (Bild: Ralph Ribi)

Das Projekt Durchmesserlinie ist einen Schritt weiter im politischen Entscheidungsprozess: Vor kurzem haben die Regierungen von Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen die Kreditvorlagen für das 90 Millionen Franken teure Projekt zuhanden ihrer Parlamente verabschiedet (Ausgabe vom 10. August). Neben den kantonalen Legislativen hat auch das St. Galler Stadtparlament bei der Finanzierung ein – wenn auch kleines – Wörtchen mitzureden. So möchte sich die Stadt mit 2,4 Millionen Franken an der Durchmesserlinie beteiligen. Dies entspricht 2,2 Prozent der Projektkosten. Die entsprechende Vorlage kommt Ende August ins Parlament.

Aufwertung des Riethüsli

Mit dem Beitrag entlastet die Stadt den Kanton St. Gallen, der knapp 15,6 Millionen oder 17 Prozent der Gesamtkosten übernimmt. Die Stadt ist rechtlich nicht verpflichtet, das Projekt mitzufinanzieren. «Ein Beitrag ist aufgrund des besonderen Interesses der Stadt an der Realisierung aber gerechtfertigt», schreibt der Stadtrat in der Vorlage.

Vom Projekt, das die Verbindung der beiden Linien St. Gallen– Trogen und St. Gallen–Appenzell sowie den Bau eines Tunnels unter der Ruckhalde vorsieht, würde die Stadt gleich in mehrfacher Hinsicht profitieren. Für den Stadtrat stellt die Durchmesserlinie eine «sehr wesentliche Ergänzung und de facto ein Ausbau des lokalen öffentlichen Verkehrs in der Stadt dar». So erhöhe die Durchmesserlinie die Zahl der umsteigefreien regionalen und innerstädtischen Verbindungen, etwa von Appenzell in die Altstadt oder vom Marktplatz ins Riethüsli. Mit der geplanten Haltestelle auf dem Güterbahnhofareal werde ausserdem die westliche Innenstadt besser erschlossen.

Neben den Verbesserungen im städtischen öV entlastet das Projekt die Stadt finanziell und verkehrstechnisch. Auf der Teufener Strasse würden dank dem Ruckhaldetunnel «aufwendige bauliche Massnahmen» entfallen. Mit dem Wegfall des oberirdischen Trassees entlang der Teufener Strasse könnte zudem das ganze Riethüsli aufgewertet werden: Linksabbiegespuren zur Solitüden- und Hochwachtstrasse würden den Verkehr flüssiger machen, Velostreifen anstelle der heutigen Gleise und eine Ampelanlage beim Knotenpunkt Demutstrasse die Sicherheit für den Langsamverkehr erhöhen. «Mit dem Wegfall des Bahnbetriebs im Ruckhaldehang könnten Wohnungen an zentraler und aufgewerteter Lage erstellt werden», schreibt der Stadtrat weiter. Und: Mit dem Umbau des Bahnhofs der Appenzeller Bahnen werde auf der Südseite des Hauptbahnhofs Platz frei für zwanzig Parkplätze.

«Beitrag ist angemessen»

Stadträtin Elisabeth Beéry ist zufrieden mit dem Beitrag, den die Stadt an das Projekt zahlen soll: «Angesichts der Vorteile für die Stadt ist der Umfang angemessen.» Im Vergleich zur Gesamtsumme wirke der Betrag zwar relativ klein. «Die städtischen Steuerzahler finanzieren den Anteil des Kantons jedoch ebenfalls mit», sagt Elisabeth Beéry. Laut der Stadträtin ist der konkrete Betrag in mehreren Verhandlungen und durch ein Abwägen der Interessen zustande gekommen.