Stadt-Land-Graben, nicht Konfession

Zu Besuch bei den EU-Skeptikern Ausgabe vom 22. Februar 2014

Alexander Burkart, Kirchweg 2, 9312 Häggenschwil
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Auch mich treibt schon lange die Frage um, warum katholisch-konservative Landgebiete im Bereich der Öffnung unseres Landes zur EU eher ablehnend sind. Das Projekt Europa wurde ja wesentlich von christlichen und sozialdemokratischen Politikern forciert, mit einem katholischen Hintergrund. Die Katholische Kirche ist eine Weltkirche und supranational. Was könnten die Gründe dafür sein, warum es die EU in ländlichen, katholischen Gebieten schwerer hat? Ich versuche drei zu nennen: Erstens ist aus meiner Sicht die Grundidee der europäischen Einigung – Überwindung des Nationalismus, kein Krieg mehr wegen wirtschaftlicher Vernetzung und Wohlstand für die Bevölkerung – etwas aus dem Blickfeld gerückt. Es fehlt das innere Feuer, sich für ein, auch aus meiner Sicht, zu stark technokratisch-wirtschaftlich geprägtes Europa einzusetzen. Den zweiten Grund zeigt gerade das Beispiel von Waldkirch deutlich auf: In allen drei Sachvorlagen vom 9. Februar hat das Volk dort gegen die Parole der Mehrheitspartei CVP gestimmt. Die historische Rolle der CVP als verlängerter Arm der Katholischen Kirche ist vorbei. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Eingliederung der Katholiken in den liberal-protestantischen Bundesstaat beschleunigt. In allen Parteien sind heute bekennende Katholiken aktiv. Drittens verläuft heute der politische Graben in der Schweiz eher zwischen Stadt und Land. Die Katholische Kirche in unserem Land ist stark geprägt von der Migration. Katholiken in der Stadt haben ein anderes Lebensgefühl, sind mit anderen Problemen konfrontiert als auf dem Land. Die katholische Bevölkerung auf dem Land ist noch fast geschlossen unter sich. Es gibt kaum Ausländer. Während nach dem Zweiten Weltkrieg in anderen Ländern alles neu geordnet wurde, sind wir in der Schweiz politisch «konserviert» worden mit Strukturen aus dem vorletzten Jahrhundert (1848 – Gründung Bundesstaat) oder gar noch älteren. In den Städten sind die Katholiken multinational gemischt. Sie bringen daher auch andere Erfahrungshintergründe mit. So kann man dann als Katholik, geprägt von der Situation in der man lebt, zu unterschiedlichen Meinungen auch in bezug auf politische Vorlagen gelangen.

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