Stadt lässt Bruggwald im Stich

Nachdem das Schulparlament im Schulstreit gegen die Anliegen der Bruggwalder entschieden hat, erhoffen sich die Quartierbewohner Hilfe aus St.Gallen. Die Stadt aber hält sich zurück.

Noemi Heule
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Ein Spickel der Gemeinde Wittenbach führt weit ins Quartier Heiligkreuz hinein. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Spickel der Gemeinde Wittenbach führt weit ins Quartier Heiligkreuz hinein. (Bild: Ralph Ribi)

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Die Bruggwald-Kinder müssen künftig statt nach St.Gallen nach Wittenbach in die Oberstufe. Das hat das Schulparlament der Oberstufe Grünau am Montag entschieden (Ausgabe vom 22. November). Damit wollen sich die Bruggwalder indes nicht ab­finden: «Wir kämpfen weiter», sagte Jens Wiesenhütter, Sprecher der IG Bruggwald, gegenüber dem «Tagblatt». Die Quartier­bewohner erhoffen sich nun die Unterstützung von St. Gallen. Ein Vertrag räumt den Schulkindern bis ­heute einen Sonderstatus ein: Obwohl sie auf Wittenbacher ­Boden wohnen, besuchen sie die Volksschule in der Stadt. Dieses Vorrecht gilt ab kommendem Schuljahr nur noch für Primarschulkinder.

Die IG Bruggwald hofft darauf, dass St. Gallen als Vertragspartner dessen Kündigung nicht akzeptieren wird. Mit einer Petition haben sich die Quartier­bewohner bereits vor zwei Wochen an den Stadtrat gewandt. Darin fordern sie ihn auf, sie in dieser Angelegenheit «kompromisslos zu unterstützen.» Diese Hoffnung wird sich wohl zerschlagen. Zwar liege noch keine spruchreife Antwort auf das Schreiben vor, wie Markus Buschor, St. Galler Bildungsdirektor, sagt. Dennoch sei klar: Die Stadt wird in diesem Streit nicht Partei ergreifen.

Stadt will sich nicht einmischen

«Die Eltern haben keinen Rechtsanspruch darauf, dass ihre Kinder nach St. Gallen zur Schule gehen können», stellt Buschor klar. Aufgrund der Ausgangslage handle es sich um eine Wittenbacher ­Angelegenheit. «Wir wollen uns nicht in das Tagwerk von Wittenbach einmischen.» Der Vertrag sei denn auch bewusst so ausgestaltet worden, dass eine ein­seitige Kündigung möglich sei. «Die Stadt ist selbst froh, wenn die angrenzenden Gemeinden geltendes Recht praktizieren.» Schliesslich sei sie ebenfalls auf derartige Verträge angewiesen, wenn Kinder an der Stadtgrenze aufwachsen – etwa entlang der Grenze zu Gaiserwald.

In Erinnerung bleibt der Fall eines Buben aus der Vögelins­egg: Er wohnt auf Stadtboden, ging aber in Speicher zur Schule. Der Entscheid der Stadt, diese Sonderbewilligung für die Oberstufe nicht weiter auszustellen, zog ­einen Rechtsstreit nach sich. Das Verwaltungsgericht entschied schliesslich Anfang Jahr zu ­Gunsten der Stadt.

Die Situation in Bruggwald mit seinem eigenwilligen Grenzverlauf sei zwar speziell. Da Wittenbach aber eine eigene Oberstufe unterhalte – anders etwa als Eggersriet, deren Oberstufenschüler ebenfalls in St. Gallen unterrichtet werden – sei die Frage der Beschulung klar.

Pro Jahrgang sind bis zehn Kinder betroffen

Im Gegensatz zu einigen Mit­gliedern des Schulparlamentes Grünau in Wittenbach und Vertretern der IG Bruggwald, die das Vorpreschen des Schulrates beklagten, kam der Entscheid zur Auflösung des Abkommens für Markus Buschor nicht aus heiterem Himmel. Er lobt die Wittenbacher Schulgemeinden als «verlässliche Partner», die ihn bereits frühzeitig informierten.

Für die beiden Jugendlichen, die derzeit die Oberstufe in St. Gallen besuchen, hat die Vertragskündigung keine Auswirkung. Eine Übergangslösung erlaubt es ihnen, die Schule wie gehabt abzuschliessen. Anders jene Kinder aus Bruggwald, die derzeit städtische Kindergärten oder Primarschulen besuchen. Sie werden in der Oberstufe nach Wittenbach versetzt. Pro Jahrgang sind in den kommenden Jahren bis zehn Kinder betroffen.