Stadt erarbeitet Kulturkonzept

Die Stadt Rorschach legt einen Entwurf für ein Kulturkonzept auf. Darin definiert sie ihre Rolle in der Kulturpolitik, legt die Strategie für diese fest und formuliert Ziele. Noch bis am 30. April können Stellungnahmen eingereicht werden.

Andrea Sterchi
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Das Stadtfest kann auf die Unterstützung der Stadt Rorschach zählen. (Bild: TB-Archiv (kae))

Das Stadtfest kann auf die Unterstützung der Stadt Rorschach zählen. (Bild: TB-Archiv (kae))

Rorschach. Ob von Privaten oder von Vereinen organisiert, das kulturelle Angebot in der Stadt Rorschach und der Region ist umfangreich und vielfältig. Weil das kulturelle Leben ein wichtiger Teil ist für die Identität und die Entwicklung der Stadt, erarbeitet der Stadtrat derzeit ein Kulturkonzept. Es dient als Grundlage für die Kulturförderung und definiert die Aufgaben der Stadt diesbezüglich. Ein Entwurf, wie dieses aussehen könnte, hat der Stadtrat in die Vernehmlassung geschickt.

Eigene kulturelle Identität

Das Konzept ist Teil des sich in Arbeit befindenden Stadtentwicklungskonzepts und konzentriert sich auf kulturelle Aktivitäten in den Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst, der Musik aller Richtungen, der Literatur und Lokalgeschichte. Der Sport wird nicht berücksichtigt; die Gestaltung des öffentlichen Raumes ist Thema im Stadtentwicklungskonzept. Als erstes definiert es den Begriff Kultur (siehe Stichwort), nennt die Rahmenbedingungen und erläutert die räumliche Abgrenzung zur Stadt St. Gallen und zum Kanton, wobei die Stadt die Eigenständigkeit ihrer kulturellen Identität betone und regional eine Nischenpolitik verfolge.

Akteure und Vermittler

Im Anschluss folgt eine Bestandesaufnahme, gestützt auf die Verzeichnisse der bei der Stadt bekannten Vereine. Sie unterscheidet zwischen Akteuren, die Kultur produzieren, und Vermittlern, die Kultur und Publikum zusammenbringen. Zudem listet sie die öffentlich zugänglichen Kulturräume. Vermerkt ist dabei, welche Angebote oder Orte fehlen.

Unterstützen, nicht veranstalten

Mit dem neuen Kulturkonzept wird sich die Rolle der Stadt nicht wesentlich ändern. Sie wird weiterhin in erster Linie finanzielle und strukturelle Unterstützung leisten, in dem sie Beiträge spricht und Infrastruktur zur Verfügung stellt sowie Installationen vornimmt. Und weiterhin unterstützt sie Projekte ideell, in dem sie bei Bewilligungen eine «wohlwollende Haltung» einnimmt. Das Konzept sieht auch eine aktive Rolle vor. Die Stadt könne Projekte initiieren und dabei die Federführung, personell und finanziell, übernehmen, aber nur dann, «wenn die Ziele der Stadt erreicht werden können und eine Initiative Dritter fehlt». «Die Stadt ist keine Veranstalterin, das gehört nicht zu ihren Aufgaben», verdeutlicht Stadtschreiber Bruno Seelos.

Fünf Strategien für Kulturpolitik

Das Konzept legt fünf Strategien für die städtische Kulturpolitik fest. Erstens: Kulturelles Schaffen ist wichtig für die Identität und die Entwicklung der Stadt. Verwirklichen will die Stadt dies, in dem sie permanent Räume für unterschiedliche kulturelle Anlässe anbietet. Dazu gehört der Stadthofsaal genauso wie Probelokale in stadteigenen Räumen. Weiter sollen Kunstwerke zur Aufwertung des öffentlichen Raumes erworben und das Kornhaus für Kultur geöffnet werden. Bei geeigneter Liegenschaft soll ein Kulturzentrum geschaffen werden. Zweitens: Kultur leistet einen wichtigen Beitrag zur Integration und zum Dialog zwischen den Generationen. Die Stadt will entsprechende kulturelle Anlässe unterstützen. Und sie will eine zentrale Anlaufstelle für koordinierte Massnahmen stellen. Drittens und viertens: die kulturelle Eigenständigkeit Rorschachs fördern und Rorschacher Kultur und Geschichte lebendig und erlebbar machen. Bei letzterem setzt sich die Stadt als Ziel, Objekte von lokalgeschichtlicher Bedeutung zu sammeln und ein Archiv zu betreiben. Und fünftens: Kultur ist für die Stadt und Region eine öffentliche Kernaufgabe. Für die Umsetzung des Kulturkonzepts will die Stadt jährlich Mittel ins Budget aufnehmen.

Das Kulturkonzept liegt bis am 30. April öffentlich auf. Bisher ist eine Stellungnahme eingegangen. «Noch ist nichts in Stein gemeisselt», sagt Bruno Seelos. Der Stadtrat warte die Stellungnahmen ab und erarbeite dann die definitive Fassung. Danach geht es an die konkrete Umsetzung.