Stadt am See – wieso eigentlich nicht?

Auf die Frage eines Journalisten an Arnold Schwarzenegger wieso er Gouverneur von Kalifornien werden wolle, antwortete er: «Die Frage lautet nicht wieso, sondern wieso nicht.» Es ist an der Zeit, uns genau diese Umkehrfrage auch bezüglich einer politisch vereinten Stadt am See zu stellen.

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Auf die Frage eines Journalisten an Arnold Schwarzenegger wieso er Gouverneur von Kalifornien werden wolle, antwortete er: «Die Frage lautet nicht wieso, sondern wieso nicht.» Es ist an der Zeit, uns genau diese Umkehrfrage auch bezüglich einer politisch vereinten Stadt am See zu stellen. Viele Bürgerinnen und Bürger aus den betroffenen Gemeinden haben sich in den vergangenen Jahren für ein politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Zusammenrücken öffentlich stark gemacht. Auch die Vorteile einer vereinigten Stadt am See wurden mehrfach vorgetragen und sollen nochmals in Erinnerung gerufen werden:

Der Verkehr kennt keine Gemeindegrenzen: Die immer grösser werdende Mobilität findet in funktionalen Räumen und ohne Rücksicht auf politische Grenzen statt. Nachhaltige Lösungen lassen sich nur regional finden. Aktuelles Beispiel: der Autobahnanschluss «Stadt am See Süd».

Jedes Ding an seinen Ort: Eine städtebaulich sinnvolle Entwicklung unserer Region ist nur möglich, wenn sich die Raumplanung auf funktionale Räume konzentriert statt an Gemeindegrenzen orientiert, eine Ausgewogenheit angestrebt wird zwischen dezentral und teuer erschlossenen Hangsiedlungen und innerstädtisch verdichteten Wohnräumen.

Mitreden über das, was uns alle betrifft: Wenn einzelne Gemeinden Projekte realisieren, die alle Einwohner der Stadt am See betreffen, können die Nachbargemeinden nicht mitreden. In den regionalen Zweckverbänden fehlt es an demokratischer Mitsprache, siehe zum Beispiel gescheitertes Hotelprojekt in der Kellen, Seeuferweg oder die Schliessung der regionalen Entsorgungsfachstelle.

Grösse gibt uns Gewicht: Ihre Grösse und Vielfalt macht unsere Stadt am See attraktiv für Kultur, Freizeit, Gewerbe und Industrie. Das bringt ein vielfältigeres Angebot, neue Arbeitsplätze und Gäste. Chur ist zum Beispiel gemessen an der Einwohnerzahl nicht viel grösser als die Stadt am See, hat aber ein Hallenbad, ein Stadttheater, einen McDonald's, einen H+M und einen Esprit.

Gleiche Leistung für weniger Geld: Durch die Nutzung von Synergien und dank eines grösseren finanzpolitischen Handlungsspielraums können die Kosten mittelfristig gesenkt werden. Investitionen lassen sich günstiger finanzieren. Das Kornhaus, unsere Schlösser inklusive der Parks am Berg, diverse Bahnunterführungen, Tunnel- und Liftprojekte sollen hier nur stellvertretend genannt werden.

So viel zur Frage «Wieso?» Nun würde es mich aber sehr interessieren: Wieso eigentlich nicht?

Bei der nächsten Abstimmung stillschweigend ein Nein in die Urne legen, ist keine grosse Sache, sich aber Argumente zurechtlegen und diese in den öffentlichen Diskurs einbringen, ist was anderes. Daher bitte ich alle Gegner einer fusionierten Stadt am See aus dem Schatten der Anonymität zu treten und ihre Begründungen kundzutun. Vielleicht sind diese Argumente ja tatsächlich so überzeugend, dass selbst ich als Befürworter der ersten Stunde mich umstimmen liesse. An die städtischen Medienschaffenden richte ich den dringenden Aufruf, künftig nicht nur die Promotoren einer fusionierten Stadt am See zu porträtieren, sondern ebenso die (noch) stillen Gegner aufzuspüren und deren Argumente publik zu machen. Das Fest der (Nächsten-)Liebe steht vor der Tür. Nutzen wir die Gunst der Stunde und rücken auch im städtischen Diskurs etwas näher zusammen. Frohe Weihnachten.

Andreas Ziltener

Vizepräsident IG Stadt am See

Alte Wilenstrasse 3

9404 Rorschacherberg