«Stadt am See soll den See wieder nutzen»

Konrad Hummler zweifelt an Einsparungen mit einer Verwaltung für ein grösseres Gebiet. Die angestrebte Stadtfusion am See unterstützt er jedoch klar – weil er in anderen Bereichen Vorteile und Chancen sieht. Das erklärt er in einem Referat bei der IG Stadt.

Fritz Bichsel
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Die Idee einer Stadt am See erhält prominente Unterstützung. (Bild: ig)

Die Idee einer Stadt am See erhält prominente Unterstützung. (Bild: ig)

REGION RORSCHACH. Der frühere Chef der Bank Wegelin hat familiäre Wurzeln am Bodensee, am schweizerischen und am deutschen Ufer. Zu Beginn seines öffentlichen Referats «Bodensee – trennendes oder verbindendes Element?» beleuchtet er den einst intensiven Verkehr von Menschen und Gütern über den See und den Bruch durch Weltkriege und neue Technik.

Für neue politische Strukturen

Dann geht Konrad Hummler auf die Entwicklung an Land ein: «Erkennbare und den Einwohnern Identität stiftende Dörfer und Städte sind heute auch in der Region Rorschach Teil einer anonymen Agglomeration. Dieser Entwicklung hinken die politischen Strukturen hoffnungslos hinterher.» Es gelte, neue zu schaffen, «damit sich die Menschen in einer Gemeinde wieder daheim und damit wohl fühlen». Bei grossen Einheiten für vermeintlich günstigere Verwaltung – wie angedacht die Region Rorschach als Stadtteil St. Gallen Ost – sei er skeptisch (siehe Interview Tagblatt vom Donnerstag). Die angestrebte Stadt am See hingegen würde dem neuen Lebensraum der Bewohner entsprechen. Eine Fusion nütze aber nur, wenn sie Mittel für einen klaren Zweck sei. Dazu empfiehlt er der IG, Identität stiftende Projekte zu entwickeln. Für solche lenkt Hummler sein Referat wieder direkt an und auf den See. «Von ihm ziehen wir seit hundert Jahren nur noch wenig Nutzen. Es gibt aber Möglichkeiten, ihn wieder zu einem verbindenden Element zu machen.»

Visionen für die Seeregion

Die uns vom Wasser trennende Bahnlinie verlegen; mit neuer Technik schnelle Verbindungen über den See schaffen; eine Insel anlegen: Das nennt Konrad Hummler als Beispiele. Ein Besucher fragt ihn, ob er sich die Investitionen privat oder öffentlich vorstelle. Konrad Hummler antwortet mit seinem unternehmerischen Grundsatz: «Zuerst Visionen entwickeln, dann deren Machbarkeit prüfen, erst danach an die Finanzierung gehen.»

Initiative kommt zustande

An der vorgängigen Hauptversammlung ging Präsident Stefan Schneider auf das Hauptgeschäft der IG Stadt am See mit 200 Aktivmitgliedern ein: Die Plus-Minus-Initiative für eine Grundsatzabstimmung über eine allfällige Fusion von Goldach, Rorschach und Rorschacherberg laufe nach dem im Vorjahr ehrgeizig festgelegten Terminplan. Die Steuerungsgruppe informierte, die je Gemeinde mindestens nötige Anzahl Unterschriften sei zwei Wochen nach Beginn der Sammlung bereits erreicht oder überschritten.