STADIONMISERE: Sie brauchen Geld, und zwar schnell

ST.GALLEN. Die Betriebs AG der AFG Arena (BAG) hat gestern erstmals ihre Zahlen offengelegt: Die Last der Baukredite drückt schwer, der nächste Liquiditätsengpass ist absehbar. Um den Konkurs abzuwenden, braucht es Millionen.

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Leere Kassen, betretene Gesichter: Bill Mistura, CEO Betriebs AG (BAG), Rainer Sigrist, BAG-Verwaltungsratspräsident, Michael Hüppi, FCSG-Präsident, und Urs Lenz, FCSG-Finanzchef (v. l.). (Bild: Ralph Ribi)

Leere Kassen, betretene Gesichter: Bill Mistura, CEO Betriebs AG (BAG), Rainer Sigrist, BAG-Verwaltungsratspräsident, Michael Hüppi, FCSG-Präsident, und Urs Lenz, FCSG-Finanzchef (v. l.). (Bild: Ralph Ribi)

Kaum einen Monat ist das Projekt Futura, das 16-Millionen-Rettungspaket von Stadt, Kanton und Privaten, mittlerweile bekannt, viel wurde seither darüber geredet und geschrieben. Allgemeiner Tenor: keine Chance ohne lückenlose Offenlegung der Zahlen. Einen wichtigen Schritt zur Transparenz machten gestern die Verantwortlichen der Betriebs AG der AFG Arena (BAG) und veröffentlichten die Erfolgsrechnung des Geschäftsjahres 2009/2010.

Kaum Flüssiges in der Kasse

Dennoch bleibt das Rettungspaket für die drei AFG-Gesellschaften gefährdet: Als hohe Hürden warten Stadt- und Kantonsparlament und allenfalls das Volk. Ein Referendum, ob nun aus den Räten oder dem Volk, scheint so gut wie sicher – doch wahrhaben will das Rainer Sigrist, Verwaltungsratspräsident der BAG, nicht: «Ein Referendum hätte für uns fatale Folgen. Ich appelliere deshalb an die Politik, Mut zu zeigen und die Vorlage gutzuheissen.»

Sigrist, der sich gestern bei den Journalisten über «Unwahrheiten, Attacken und Unterstellungen gegen uns» beklagte, wirkte während der zweistündigen Medienkonferenz streckenweise fahrig und offenbarte damit, unter welchem Druck die BAG-Verantwortlichen noch immer stehen – denn die «fatalen Folgen» haben es in sich: Spätestens im November kommt laut Bill Mistura, CEO der BAG, der nächste Liquiditätsengpass auf die Stadionbetreiber zu. Bereits jetzt sei die Situation «angespannt».

Bis im November wird das Futura-Geld aber, selbst wenn die Vorlagen ohne Referendum durchschlüpfen sollten, nie und nimmer geflossen sein.

Nicht so schlecht, aber…

Es bleiben zwei Möglichkeiten: Entweder bringen Private kurzfristig zur Sicherung der Liquidität «mindestens fünf Millionen Franken» (Sigrist) auf – oder die BAG muss Zahlungsunfähigkeit anmelden.

«Wenn eine Gesellschaft kippt, kippen alle» hatte FCSG-Präsident Michael Hüppi bei der Vorstellung des Futura-Pakets gesagt. In akute Gefahr würde eine konkursite BAG den FC St. Gallen spätestens im kommenden Februar bringen, wenn die Swiss Football League (SFL) über die Lizenzvergabe entscheidet.

Die Offenlegung der Erfolgsrechnungen der BAG und der FC St.Gallen AG für die Saison 2009/2010 (siehe Grafik) in der AFG Arena war deshalb vor allem eines: ein Hilferuf des BAG-Verwaltungsrates an Politik und Private – und eine Zahlenschlacht, die bisher Behauptetes bestätigte. Eigentlich hat die BAG in ihrer zweijährigen Amtszeit gar nicht so schlecht gewirtschaftet, doch wird sie von den kurzfristig aufgenommenen Krediten für den Ausbau der Arena (Logen, Sicherheitsmassnahmen etc.) bis heute massiv behindert. Für Rückzahlungen mussten in der Saison 2009/10 gut zwei Millionen Franken aufgewendet werden.

Das konnte auch der im Vergleich zur Saison 08/09 um 30 Prozent auf 20,43 Millionen gesteigerte Ertrag der BAG nicht abfedern. Ebenfalls erhöht wurden die Entschädigungen von der BAG an die FC St. Gallen AG um 60 Prozent auf 6,1 Millionen. Trotzdem ist auch der FCSG finanziell massiv angeschlagen. Weil man sich nicht für Spieler verschulden wolle, seien die Transferaktivitäten auf ein Minimum beschränkt worden, erklärte Hüppi. Die heutige sportliche Situation sei teilweise das Abbild davon.

Immer wieder Hooligans

Auf der BAG-Aufwandseite drücken weiter die Ausgaben für Sicherheit und öffentlichen Verkehr mit 2,62 Millionen. Sigrist verwendete gestern, wie schon bei der Futura-Vorstellung, das Argument des «Hooliganismus», der enorme Kosten verursache.

Spekuliert wurde im Vorfeld auch über den Lohnaufwand – dieser sei mit 2,33 Millionen für 24 Mitarbeiter inklusive zwei Praktikanten und einem Lehrling im Vergleich mit anderen Clubs «sehr niedrig», sagte Mistura.

Niedrig heisst in diesem Fall durchschnittlich 97 000 Franken pro Kopf, wobei Lehrlinge und Praktikanten sicher nicht in dieser Liga spielen. Die Löhne seien trotz Engpässen immer bezahlt worden, betonte Mistura. Das ist auch einem Zahlungsaufschub zu verdanken, den die Banken und die Stadt der BAG bis Ende Jahr gewährt haben. Ob die Rechnungen danach bezahlt werden können, hängt auch davon ab, wie sich die Stimmung gegenüber dem Sanierungspaket entwickelt. Es gehe darum, den Leuten zu erklären, dass die Sanierung «nachhaltig» sei, sagte Hüppi.

Auch die oft geforderten personellen Veränderungen werde es geben: «Personalia sind Gegenstand intensiver Gespräche.» Noch bevor das Stadtparlament Ende Oktober über die Sanierung berät, werde man bekanntgeben, wer bei den AFG-Gesellschaften dabei sei.

Urs-Peter Zwingli