STADION-MISERE: Betriebs AG lässt Zahlen aus dem Sack

ST.GALLEN. Die Betriebs AG der AFG Arena hat erstmals ihre Zahlen offen gelegt: Die Last der Baukredite drückt schwer, der nächste Liquiditätsengpass ist absehbar. Um den Konkurs abzuwenden, braucht es Geld.

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Soll vom Staat gerettet werden: die AFG Arena. (Bild: Urs Bucher/ky)

Soll vom Staat gerettet werden: die AFG Arena. (Bild: Urs Bucher/ky)

Seit das Rettungspaket für die AFG-Arena-Gesellschaften in der öffentlichen Diskussion ist, gehen die Wogen rund um den Fussballtempel im Westen der Stadt St.Gallen hoch. Nun hat die Betriebs AG AFG Arena über den finanziellen Verlauf der Saison 2009/2010 informiert. «Wir haben kein Erfolgs-, sondern ein Liquiditätsproblem», sagte FCSG-Verwaltungsratspräsident Michael Hüppi an der Medienorientierung. Priorität habe, wieder Vertrauen zu gewinnen und aufzuzeigen, dass der Verein im Spitzenfussball nur überlebe, wenn das Stabilisierungskonzept «Futura» mit totalem Schuldenerlass unterstützt werde. Sonst drohe der Worst Case und der Lizenzentzug. Er versprach: «Es wird aber auch massive personelle Veränderungen geben. Personalien sind Gegenstand intensiver Gespräche. Ich verstehe, dass die Entscheidungsträger wissen wollen, wer in Zukunft unsere Geschäfte führt und wer investiert.»
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Zusätzliche Einnahmen dank mehr Spielen
«Der gemeinsam zwischen der FC St.Gallen AG und der Betriebs AG AFG Arena vereinbarte Saisonplan 2009/2010 wurde in allen wesentlichen Kennzahlen übertroffen», schreibt die BAG ihrerseits in einer Medienmitteilung zum Verlauf der Saison 2009/2010. Im Vergleich zum ersten operativen Geschäftsjahr habe sich der Umsatz um annähernd 30 Prozent auf rund 20,4 Millionen Franken erhöht. Die Erfolgsrechnung sei ausgeglichen, im Vorjahr habe sie noch einen Verlust von 791'000 Franken aufgewiesen. Die Dienstleistungsentschädigungen an die FC St.Gallen AG wurden laut Mitteilung um 60 Prozent erhöht: von 3,8 auf 6,1 Millionen Franken. Damit sei die im Juni 2009 geplante Entschädigung von 5,4 Millionen Franken übertroffen worden. «Rund 700'000 Franken konnten aus zusätzlichen Einnahmen und Cup- sowie Testspielen generiert werden», heisst es in der Mitteilung.

15 von 20 Logen dauervermietet
Von den Erträgen wurden laut Mitteilung 9,85 Millionen Franken durch Spieleinnahmen aus dem Fussball generiert. Drei Viertel seien an den Meisterschaftsspielen des FC St.Gallen erwirtschaftet worden, der Rest stamme aus Cup- und Testspielen. Die Einnahmen aus Werbung und Sponsoring konnten laut BAG im Vergleich zum ersten Betriebsjahr fast verdoppelt werden. «Zurzeit bestehen Verträge mit 99 aktiven Werbe- und Sponsoringpartnern, die Gesamteinnahmen belaufen sich auf 6,5 Millionen Franken. Das ist mehr als jemals zuvor in der Geschichte des FC St.Gallen», hält die BAG fest. Der Ertrag aus der Vermietung der Logen beträgt 2,2 Millionen Franken. In der vergangenen Saison seien auf Jahresbasis 15 von 20 Logen dauervermietet worden. Der Rest wurde laut BAG jeweils auf Tagesbasis angeboten und vermietet. Bei den übrigen Erträgen vermerkt die BAG jene aus dem Catering (730'000 Franken), Merchandising (600'000 Franken) und Conference Arena (530'000 Franken).

«Sehr niedriger Personalaufwand»
Neben den Dienstleistungsentschädigungen für die FC St.Gallen AG listet die BAG unter der Rubrik Aufwände diverse weitere Kostenposten auf. «Die Geschäftsaufwendungen für Sicherheit und öffentlichen Verkehr betragen 2,62 Millionen Franken» schreibt die BAG: Die Polizeikosten beliefen sich auf 1,06 Millionen Franken, für die interne Sicherheit seien 840'000 Franken und für den öffentlichen Verkehr 720'000 Franken aufgewendet worden. Der Personalaufwand sei mit 22 Mitarbeitern inklusive zwei Praktikanten und einem Lehrling im Wettbewerbsvergleich sehr niedrig, so die BAG: Er betrage rund 2 Millionen Franken. Für die Teilzeitangestellten während der Fussballspiele wurden insgesamt 330'000 Franken aufwendet (ohne den Bereich Sicherheit). Als weitere Posten führt die BAG direkte Kosten wie etwa VIP-Catering (1,5 Millionen), Werbung und Sponsoring (1,4 Millionen), Merchandising (0,47 Millionen) und Conference Arena (0,45 Millionen) auf. Der übrige Betriebsaufwand von 2,41 Millionen Franken setzt sich laut BAG aus dem Unterhalt fürs Stadion (258'000 Franken), Energiekosten (508'000 Franken), Verwaltungs- und Informatikaufwand (962'000 Franken), Werbeaufwand (323'000 Franken) und Finanzaufwand (423'000 Franken) zusammen.

Engpässe überbrückt
«Trotz positiver Erfolgsrechnung war eine ausreichende Liquidität für die drei AFG Arena-Gesellschaften (FC St.Gallen AG, Stadion St.Gallen AG und Betriebs AG AFG Arena) während der Saison 2009/2010 nicht gewährleistet», schreibt die BAG in ihrer Mitteilung weiter. Nur dank eines abgestimmten und gemeinsam festgelegten Cash-Managements zwischen den drei Gesellschaften und privater Geldgeber, die mehrmals Überbrückungskredite zur Verfügung gestellt hätten, hätten die Liquiditätsengpässe überbrückt werden können. Um die wiederkehrenden Liquiditätsprobleme zu lösen, sei das Stabilisierungskonzept «Futura» initiiert worden. (pd/dwa)

Mehr zur Offenlegung der Zahlen sowie Interviews mit Christian Peter, HRS-Projektleiter für den Bau der AFG Arena, und Michael Hüppi, Präsident des FC St.Gallen, in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper vom 29. September 2010.