Stadion AG ruft Fans zur Vernunft auf

Die Aktionäre der Stadion St. Gallen AG blicken auf ein flottes zweites Betriebsjahr der AFG Arena zurück. Wenn da nur die (Pyro-)Bussen nicht wären: Doch die Kritik von VR-Präsident Max R. Hungerbühler an den Fans bleibt ohne Diskussion.

Marcel Elsener
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St. Gallen. 560 Aktionäre (von 4449) hatten sich angemeldet, 329 erschienen an diesem heissen Mittwochabend in der AFG Arena. Sie vertraten an der zehnten Generalversammlung der Stadion St. Gallen AG 16 081 Aktienstimmen – etwa zwei Drittel aller Stimmen (38 000) bei einem Aktienkapital von 7,5 Millionen Franken.

Von Dividenden ist bei dieser AG noch keine Rede. Zwar durfte die Stadion AG erstmals den gesamten Mietertrag von 1,2 Mio. Fr. seitens der Betriebs AG verbuchen.

Doch solange der Abschreibungs- und Finanzaufwand nach dem Stadionneubau noch so hoch sind, stimmt schon eine kleine Rückstellung zufrieden – weitere 100 000 Fr. in den Erneuerungsfonds. Ansonsten fehlt weiterhin das Geld, etwa für Kunst am Bau.

49 Matches, 400 sonstige Anlässe

Weniger von den Finanzen als vielmehr vom erfolgreichen Betrieb sprach Verwaltungsratspräsident Max R. Hungerbühler, der erstmals als Nachfolger Hans Hurnis die GV leitete.

Das zweite Betriebsjahr der AFG Arena sei «im grossen und ganzen gut abgewickelt» worden, freute er sich. 49 Fussballspiele, von den FCSG-Heimspielen bis zu Nati-Partien, wurden ausgetragen, verfolgt von 620 000 Zuschauern, wovon 254 000 auf die FCSG-Ligaspiele entfallen. Damit liege die AFG Arena hinter dem St. Jakob-Park und dem Stade de Suisse in der Besucherfrequenz auf Rang 3.

«Aber nicht nur in Sachen Fussball haben wir St. Gallen wieder auf die Landkarte gesetzt», sagte Hungerbühler und strich die Nutzung des Stadions als Tagungsort für Anlässe aller Art heraus – knapp 400 waren es im 2009/10.

Verantwortlich für Gastfans?

Dann aber kam Hungerbühler auf das «weniger Erfreuliche» zu sprechen: das Verhalten der Fans. Er frage sich, ob es Sache des FC St. Gallen sei, den Anmarsch und Abzug der Gäste-Fans zu verantworten, sagte der VR-Präsident.

«Im Stadion ist die Verantwortung ganz klar beim gastgebenden Verein. Im öffentlichen Raum hingegen wäre dies nicht unbedingt Sache des Veranstalters. Oder wurden die Organisatoren von 1.-Mai-Demonstrationen jemals für die Niederschlagung anschliessender Ausschreitungen mit Beschädigungen finanziell zur Rechenschaft gezogen?»

Bei den eigenen Fans fehlt Hungerbühler «das Verständnis für die Einstellung, insbesondere auch des Dachverbandes». Das von der Liga aufgebrummte Bussgeld von über 100 000 Franken «könnte für Nützlicheres verwendet werden, wenn die sogenannten Fans nur endlich auf Pyros verzichten würden», meinte er. «Es wäre schön, wenn die wirklichen Anhänger im Espenblock die kleine Minderheit der Unbelehrbaren zur Vernunft bringen könnten oder sie sonst der Polizei anzeigen würden.»

Hungerbühler zeigte sich nach der GV überrascht, dass seine Worte zu den Fans diskussionslos blieben. Überhaupt gab es keine Voten oder Gegenstimmen zu den Anträgen des Verwaltungsrates. Die Aktionäre der Stadion AG sind offensichtlich rundum zufrieden.