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STABWECHSEL: Eine 30-jährige Ära geht zu Ende

Ende April geht Ernst Michel, Chef des Amtes für Baubewilligungen, nach dreissig Jahren in Pension. Rückblickend hat sich vieles geändert bei der Baubewilligung. Nicht selten geriet das Amt in Kritik.
René Hornung
Ernst Michel blickt dem Ruhestand entgegen. (Bild: Benjamin Manser)

Ernst Michel blickt dem Ruhestand entgegen. (Bild: Benjamin Manser)

René Hornung

stadtredaktion@tagblatt.ch

Als er seine Stelle antrat, war Ernst Michel Chef der «Baupolizei». Vor Jahren schon ist daraus das Amt für Baubewilligungen geworden. «Unsere Aufgaben haben sich im Laufe der Zeit stark verändert, weg von der reinen Baupolizei», sagt er. Heute versteht sich das Amt für Baubewilligungen als Partner in Bauprozessen, bietet Unterstützung bei der Lösung von Konflikten unter Baubeteiligten und büsst, wer gegen Bewilligungen verstösst. Im spektakulären Fall des «Baumhauses» mussten 2009, nach einem jahrelangen Rechtsstreit, die 38 Zentimeter Überhöhe des Neubaus am Rosenberg abgebrochen werden.

Das «Baumhaus» ist das wohl bekannteste Baupolizei-Beispiel während Michels Zeit. Doch das Amt hat unter anderem auch zu viel gebaute Parkplätze im Einkaufszentrum in der Webersbleiche sperren lassen oder unbewilligte Erotikbetriebe geschlossen. Dass die Behörde solche Tricksereien in der Regel in einer frühen Phase feststellt, war Ernst Michel wichtig. Noch wichtiger aber war ihm, «nie einfach nur Nein zu sagen», sondern aktiv an Alternativlösungen mitzuwirken.

Konfliktlösung war ihm wichtig

«Eine Baubewilligungsbehörde soll vor allem ganzheitlich beraten, koordinieren, rechtzeitig entscheiden und Konflikte lösen helfen», sagt Ernst Michel – von Haus aus Bauingenieur. Im Laufe seiner Karriere hat er ein Nachdiplomstudium als Mediator absolviert. Und auch wenn er nie klassische Mediationsverfahren durchgeführt hat, kam ihm sein Wissen um Konfliktlösungen zugut. Oft hat er zerstrittene Parteien an einen Tisch geholt, den Dialog gesucht und so Einigungen erzielt. Solche Verhandlungen wurden im Laufe der Jahre immer wichtiger und häufiger, denn Bauen wird – je mehr es um die innere Verdichtung geht – immer komplexer. Wichtig sei ihm dabei gewesen, «dass stets die Ausgangs- und Rechtslage allen bekannt war und dass unsere Behörde als unabhängig, unparteiisch und verlässlich wahrnimmt».

Im Rückblick auf die «grossen Kisten» seiner dreissig Amtsjahre erwähnt Ernst Michel zuerst die St. Galler Bewerbung als Standort für das Bundesverwaltungsgericht. Über die Sommerferien 2002 durfte die Stadt ein Dossier zusammenstellen, das zeigen sollte, dass die nötige Infrastruktur für den Standort des Bundesverwaltungsgerichtes vorhanden sei. Grossprojekte waren aber auch das Fussballstadion in Winkeln, eine Vielzahl grosser Wohnüberbauungen und Gewerbebauten und – eine ganz andere Aufgabe – die erste Überarbeitung der städtischen Bauordnung, eine Aufgabe, die nun wieder neu angepackt wird. Die Mehrheit aber waren Baugesuche für kleinere und grössere Projekte – insgesamt 27000 in Michels Amtszeit. Darunter waren 6800 neu bewilligte Wohnungen – verteilt über die ganze Stadt. Über viele Projekte kann in St. Gallen der Amtsleiter in eigener Kompetenz entscheiden. Das mache die Verfahren effizient und speditiv, vergleicht er die Abläufe zum Beispiel mit jenen in Winterthur oder Zürich, wo er die Kollegen und deren Amtsstellen kennt.

Ein Ur-St.-Galler mit Herzblut

Ernst Michel ist ein Ur-St.-Galler, einer «mit Herzblut», wie er betont. Er ist hier aufgewachsen, hat hier alle Schulen besucht, studiert und nach kurzen Abstechern immer hier gearbeitet. Die Bautätigkeit sah er immer im Interesse einer nachhaltigen Stadtentwicklung, «eben weil ich die Stadt liebe». Er findet es denn auch schade, dass St. Gallen im gesamtschweizerischen Vergleich öfter mal stiefmütterlich behandelt wird. Zwar seien hier Überbauungen weniger spektakulär als beispielsweise in Zürich oder Basel, «dafür ist der Lebensraum drum herum von sehr hoher Qualität». Damit diese hohe Wohn- und Arbeitsqualität gelinge, habe die Bewilligungsbehörde auch schon Investoren zu einem Marschhalt gezwungen, auf dass dann im zweiten Anlauf ein besseres Projekt umgesetzt wurde.

Insgesamt habe die architektonisch-städtebauliche Beurteilung der Baugesuche erheblich an Stellenwert gewonnen. Die aktuell gültige Bauordnung fordert dies flächendeckend. In ihrer aktuellen Zusammensetzung beurteilten die Baubewilligungskommission und die Verwaltung die Gesuche ganzheitlicher. Das sei aufwendiger, aber auch sehr interessant. Kommt dazu, dass es heute grünes Licht vieler weiterer Stellen braucht, bis gebaut werden darf. Dabei geht es unter anderem um den Umweltschutz, Energiefragen oder um das Alters- und behindertengerechte Bauen.

Auch in der Kritik gestanden

Ernst Michel war «die Zusammenarbeit unter den Baubeteiligten» ein Anliegen: «Es genügt nicht mehr, einfach nur anwendende Behörde zu sein. Auf Parteien zuzugehen, gute und tragfähige Lösungen zu finden und diese auch im Entscheidungsprozessen durchzusetzen, das sind die wichtigen Aufgaben einer zeitgemässen Behörde.» Deswegen gerät das Amt gelegentlich in die Kritik: «Gerade die Mitarbeitenden in der Bauberatung sind sehr exponiert.» Sie könnten es nie allen recht machen.

Nach dreissig Amtsjahren unter fünf verschiedenen Stadträten und -rätinnen schafft Ernst Michel nun zuerst etwas Distanz zu seinen bisherigen Aufgaben und genehmigt sich einen längeren Italienaufenthalt. Doch untätig wird er auch im Pensionsalter nicht sein.

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