ST. MARGRETHEN: «Das Brot ist hier am besten»

Warum kaufen jene Vorarlberger, die sich finden lassen, im Rheinpark ein? Die Frage amüsiert die meisten. Ja, ja – der starke Franken.

Gerd Bruderer
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Etwa jedes 20. oder 15. Auto auf dem Rheinpark-Gelände ist am Tag der Umfrage aus Österreich. Die Zahl der Autos mit Zürcher Kennzeichen ist an diesem Morgen etwa gleich hoch. (Bild: Gert Bruderer)

Etwa jedes 20. oder 15. Auto auf dem Rheinpark-Gelände ist am Tag der Umfrage aus Österreich. Die Zahl der Autos mit Zürcher Kennzeichen ist an diesem Morgen etwa gleich hoch. (Bild: Gert Bruderer)

Gerd Bruderer

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Früher kamen die Vorarlberger zahlreich, wegen der Nudeln. Noch immer, sagt Rheinpark-Zentrumsleiter Andreas Aepli, gehörten Nudeln zu den bevorzugten Produkten, die Vorarlberger kaufen. Zudem Schoggi und Kaffee. Der Umsatz, den die Kunden aus dem Vorarlberg dem Einkaufszentrum bescheren, sei aber ­markant zurückgegangen.

An diesem Samstagmittag hält die Redaktion nach ­Vorarlberger Nummernschildern Ausschau, vielleicht jedes 20. oder 15. Auto ist aus Österreich. Von den eher wenigen Vorarlbergern, die beim Rheinpark anzutreffen sind, kommt etwa die Hälfte aus Überzeugung, die anderen sind aus einem anderen Grund hier. Jemand hat eine Bekannte besucht und diesen Ausflug mit einem Einkauf verbunden. Eine Vorarlbergerin, die in St. Gallen war, hat auf dem Heimweg noch einen Zwischenhalt eingelegt.

Nina Buhri aus Gaissau ist gekommen, weil sie noch Schweizer Franken hat. Statt sie umzutauschen, kauft sie in der Migros ein. Hier könne ihre zweieinhalbjährige Tochter spielen. Zudem sei im Rheinpark, anders als in ihrem Wohnort, alles zu bekommen, was sie brauche, sagt sie. Elke Dobler aus Lustenau nennt sogleich das Brot als einen Grund, weshalb sie regelmässig nach St. Margrethen kommt. Maria Bilic, ihre Mutter, fügt hinzu: Kuchen und Milchprodukte würden ebenfalls im Rheinpark gekauft, sogar Kleider. Chicorée-Damenmode, die gebe es drüben nicht. Rund 130 Franken haben Mutter und Tochter diesmal gemeinsam ausgegeben, etwas mehr als sonst. Maria Bilic meint, sie sage öfter: «Die Österreicher kaufen in Österreich ein, wir aber gehen in den Rheinpark.» Hier sei alles weniger gedrängt, das schätze sie.

Der Werbeslogan kommt aus Bregenz

Thomas Gomboc aus Höchst, der mit seiner Gattin Tanja und Sohn Mattia hier ist, nennt das im Rheinpark angenehme Flair. Man sei auch oft im Messepark, aber «das Brot ist in der Schweiz am besten», sagt Tanja Gomboc, es sei auch nach zwei Tagen noch fein. Dreimal im Monat kauft die Familie im Rheinpark ein. Immer Joghurt – ausserdem Migros-Produkte, die in Vorarlberg nicht zu haben sind. «Und immer», sagt Thomas Gomboc, «essen wir im Migros-Restaurant.» Mit einem Lachen fügt er schnell hinzu: «Obschon der Franken stark ist.»

Von Bregenz kommt Norbert Bischof. Auch er kehrt im Rheinpark ein, kommt «auf ein Käfeli» und isst ein ­Gipfeli. Was er zu Protokoll gibt, dürfte im St. Margrether Einkaufszentrum besondere Freude auslösen. Norbert Bischof sagt: «Möchte ich Qualität, gehe ich in den Rheinpark.» Allerdings: Geht es um Quantität, kauft er in Vorarlberg ein.