«St. Georgen hat Schwein gehabt»

Unwetter haben die Schweiz heimgesucht. Altstätten wurde von seinem Stadtbach geflutet. Die Stadt St. Gallen blieb hingegen verschont. Die Massnahmen an der Steinach haben die Feuerprobe erlebt und bestanden. Allerdings mit etwas Glück.

Elisabeth Reisp
Drucken
Teilen
Gestern floss die Steinach wieder ganz ruhig in ihrem Bett. (Bild: Elisabeth Reisp)

Gestern floss die Steinach wieder ganz ruhig in ihrem Bett. (Bild: Elisabeth Reisp)

Harmlos fliesst die Steinach in ihrem Bett nach St.Georgen. Sie führt etwas mehr Wasser als gewöhnlich. Das platt gedrückte Gras am Ufer zeigt, dass der Wasserstand in den vergangenen Tagen noch etwas höher war. Vor Überschwemmungen blieb das Quartier St.Georgen allerdings verschont. «Aus zwei Gründen», sagt Rolf Kretzer, Leiter Wasserbau der Stadt St.Gallen. «Einer davon ist die Erweiterung des Bachbettes.»

Renaturierung zeigt Wirkung

Wo es möglich war, wurde der eingedolte Bach renaturiert. Dass heisst, die Betonwände wurden entfernt, das Ufer abgeflacht und somit verbreitert. Das Bächlein hat jetzt auch bei Hochwasser genügend Platz, sich seitwärts auszudehnen. Und schiesst nicht mehr wie ein Bob im Eiskanal runter nach St.Georgen. «Die Renaturierung kostete etwa 400'000 Franken», sagt Kretzer. Diese wurde nötig, weil die Steinach bei Hochwasser über die Ufer kam. 2002 war es so drastisch, dass es zu der einen oder anderen lebensgefährlichen Situation gekommen sei. «Eine Anwohnerin etwa wollte in ihrem gefluteten Keller noch etwas holen», erinnert sich Kretzer. «Das Wasser hat dann die Türe zugedrückt. Mit viel Glück wurde sie gerettet.»

Kein schlimmes Gewitter

Der zweite Grund, dass St.Georgen keine Unwetterschäden zu beklagen hat, ist gemäss Kretzer das Wetter. «So schlimme lokale Regenfälle wie in Altstätten gab es hier nicht.» Ansonsten wäre wohl auch die Steinach «gekommen». Denn die Renaturierungen seien zwar ein wichtiges Instrument, um das Wasser zu bremsen. Ganz aufgehalten werden kann das Wasser damit allerdings nicht. Dies soll bald der Rütiweier tun. Derzeit laufen die Bauarbeiten noch und werden wegen der starken Regenfälle immer weiter verzögert. Sind diese aber abgeschlossen, wird der Rütiweier als Auffangbecken dienen. Teilweise kann der Wenigerweier diese Aufgabe übernehmen. «Der ist jetzt aber voll», sagt Kretzer, der die Situation regelmässig überprüft.

Hätte es aber heftig geregnet wie im Emmental oder in Altstätten, hätten die derzeitigen Sicherheitsvorkehrungen nicht gereicht. «St.Georgen hat dieses Mal Schwein gehabt.»

Aktuelle Nachrichten