St. Galler Sympathien

In der Krise nach dem Attentat von Sarajevo lagen die Sympathien der Mehrheit der St. Galler Stadtbevölkerung auf Seiten der Donaumonarchie und des deutschen Kaiserreichs.

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In der Krise nach dem Attentat von Sarajevo lagen die Sympathien der Mehrheit der St. Galler Stadtbevölkerung auf Seiten der Donaumonarchie und des deutschen Kaiserreichs. Man fühlte sich diesen Grossmächten durch Sprache und Kultur verbunden, während Serbien als «barbarischer Staat» beschrieben wurde, dem jedes Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele Recht sei.

Das St. Galler Tagblatt, «Die Ostschweiz» und der «Stadt-Anzeiger» verurteilten nach dem 28. Juni 1914 den Mord am österreichischen Thronfolger mit scharfen Formulierungen. Die «Volksstimme» lehnte den Mord als Tat «eines serbischen Chauvinisten» zwar ebenfalls ab, übte aber auch Kritik am Imperialismus von Österreich-Ungarn. Mit der Annexion von Gebieten und leichtfertiger Kriegspolitik habe es die Krise mit verschuldet.

Das Ultimatum von Österreich an Serbien vom 23. Juli 1914 wurde auch von bürgerlichen Tageszeitungen mit Zurückhaltung aufgenommen. Wien sei da auf einem gefährlichen Weg, urteilte etwa der «Stadt-Anzeiger». Die Ablehnung des Ultimatums durch Serbien und die österreichische Kriegserklärung wurden dann aber wieder mit Sympathiekundgebungen für Österreich quittiert. Nur die «Volksstimme» blieb bei ihrer kritischen Haltung Österreich gegenüber. (vre)

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