St. Galler Chor singt in Chile

Beflügelt von einem gemeinsamen Singprojekt im Sommer 2013 reist der St. Galler Chor Gospel im Centrum mit deutschen Chören zu Auftritten nach Santiago de Chile. Man hofft auf einen einstigen Torschützenkönig im Publikum.

Olivia Hug
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Im letzten Konzert des Jahres 2014 und vor der Reise nach Südamerika sang Gospel im Centrum vor Weihnachten in der vollbesetzten Kirche St. Laurenzen. (Bild: Starshine Pictures/Stephan List und Dirk Weinert)

Im letzten Konzert des Jahres 2014 und vor der Reise nach Südamerika sang Gospel im Centrum vor Weihnachten in der vollbesetzten Kirche St. Laurenzen. (Bild: Starshine Pictures/Stephan List und Dirk Weinert)

Die Stuttgarter Liederhalle war bis auf den letzten der über 2000 Plätze besetzt, vielen Besucherinnen und Besuchern blieb der Eintritt verwehrt. Tags zuvor lief es in der Stadthalle Reutlingen nicht anders. Das internationale Projekt der Gospelchöre Gospel im Centrum aus St. Gallen, Gospel im Osten aus Stuttgart, Gospel in St. Veit aus Waldenbuch und Coro Santiago Gospel aus der chilenischen Hauptstadt war im Sommer 2013 ein Riesenerfolg.

Die über 500 Sängerinnen und Sänger der vier Chöre waren beglückt, im Publikum flossen zeitweise sogar die Tränen. Und «Time to Celebrate» hat nach jenen gemeinsamen Konzerten lange bei vielen Mitwirkenden nachgewirkt. So sehr, dass das nächste gemeinsame Projekt angegangen wurde. Dieses Mal führt die Reise nach Südamerika.

St. Galler ist musikalischer Leiter

Seit dem Neujahrstag weilen über 150 Mitglieder der beiden deutschen und des Schweizer Gospelchors in Santiago de Chile. Darunter sind gegen 50 Sängerinnen und Sänger aus St. Gallen. In diesen Tagen treffen sich die Mitglieder aller vier Chöre jeden Abend zur Probe. Es steht ihnen ein intensives Programm bevor, ehe diesen Freitag und Samstag Konzerte und am Sonntag ein Gottesdienst stattfinden.

«Nach dieser Woche sind wir sicher nudelfertig», sagte Andreas Hausammann einige Tage vor der Abreise. Der Pianist ist vor Ort mit Thomas Dillenhöfer, Dirigent des St. Galler und des Stuttgarter Chores, zuständig für die musikalische Leitung. Denn die Songauswahl ist zwar getroffen und die Arrangements sind massgeschneidert, doch das Songbook haben die Sängerinnen und Sänger erst kurz vor der Abreise erhalten.

Das Formen eines gemeinsamen Sounds mit den insgesamt über 250 Sängern und den chilenischen Mitmusikern hat erst begonnen. Auch der Berufsmusiker ist gefordert, «den Groove zu finden». Das Projekt wird massgeblich von den fröhlichen Liederwünschen der Chilenen geprägt. Es trägt deshalb den Titel «Joy».

Reisen vor dem Singen

Dass sich die Chöre aus drei Ländern regelmässig zum gemeinsamen Singen treffen, kommt nicht von ungefähr. Die Verbindung von Gospel im Centrum mit Gospel im Osten besteht durch den Dirigenten. Francisca Castro, einst Sängerin in Stuttgart, gründete nach ihrer Rückkehr in die Heimat Chile dort den Coro Santiago Gospel. Im südamerikanischen Land ist diese Art von Kirchenchor ein absolutes Unikum. Auch für viele Mitglieder der deutschen Chöre und des Schweizer Chors ist Südamerika Neuland. Etliche haben daher im Vorfeld der Projektwoche die Möglichkeit genutzt, an diversen Reiseprogrammen teilzunehmen.

Sie führten in die Anden, nach Argentinien oder in die Atacama-Wüste. Zusammengestellt hat das Rahmenprogramm, welches die Teilnehmer genauso selber berappen wie die Anreise und die Projektwoche, Erik Streller, ein Mitglied des Leitungsteams von Gospel im Centrum St. Gallen. Er hat eine Homepage eigens für die Gospelreise erstellt. Eine finanzielle Unterstützung erhält das Projekt von der evangelisch-reformierten Kantonalkirche.

Hoffen auf prominenten Gast

Einige St. Galler Chormitglieder, vor allem die fussballbegeisterten, hoffen, vor Ort an eine weitere Verbindung zwischen der Gallusstadt und Chile anknüpfen zu können. Leitungsmitglied Marcus Heeb hat die chilenischen Organisatoren nämlich «beauftragt», den ehemaligen Fussballnationalspieler Iván Zamorano zu den «Joy»-Konzerten einzuladen. Als «schöne Geste» sei die Einladung an den ehemaligen Star des FC St. Gallen gedacht «und um ihm Grüsse zu überbringen» aus der Stadt, in der er einst seine Profikarriere begonnen habe, erläuterte Marcus Heeb im Gespräch.

www.gospelimcentrum.ch www.gospel2015.com