St. Galler Bündnis gegen Depression

Ein im Kanton St. Gallen neugegründetes Netzwerk will die Krankheit Depression zu einem öffentlichen Thema machen. Es vernetzt Fachleute und bestehende Institutionen und informiert durch Veranstaltungen und Informationsmaterial.

Markus Löliger
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Fachleute aus Beratungsstellen und Institutionen im Gespräch. (Bild: Markus Löliger)

Fachleute aus Beratungsstellen und Institutionen im Gespräch. (Bild: Markus Löliger)

Mit einem Netzwerktreffen ist das Bündnis gegen Depression gestartet. Über 100 Fachleute haben daran teilgenommen und sich für eine künftige Zusammenarbeit besser vernetzt. Hinter dem Bündnis steht der Kanton St. Gallen mit dem Ziel, diese weitverbreitete Krankheit – jeder Zwanzigste leidet an einer Depression – zu einem öffentlichen Thema zu machen, Wege aus der Krankheit aufzuzeigen und damit langfristig ausgerichtete Gesundheitsförderung umzusetzen. Finanziell unterstützt wird das Bündnis von der Ebnet-Stiftung in Teufen.

Viele Gesichter und Ursachen

Regierungsrätin und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann betonte bei der Auftaktveranstaltung in St. Gallen, dass das Bündnis stark auf Vernetzung setze, «weil eine Depression viele Gesichter und viele Ursachen hat». Das bedinge eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, damit Betroffene die richtige Behandlung zum richtigen Zeitpunkt bekämen. Ein wichtiger Partner des Bündnisses ist die Ärztegesellschaft des Kantons St. Gallen, weil die Hausärzte häufig erste Anlaufstelle für Betroffene sind. Ebenso ortet sie ein grosses Potenzial bei Lehrkräften, Arbeitgebenden und Vorgesetzten.

Eine Depression wird oft weder von den Betroffenen noch von deren Angehörigen als solche erkannt. Das Bündnis hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Öffentlichkeit besser zu informieren und für diese Krankheit zu sensibilisieren. Es sind vor allem drei Botschaften, welche in der Bevölkerung verbreitet werden sollen: Depression kann jeden und jede treffen; Depression hat viele Gesichter; Depression ist behandelbar.

Erfolgreich behandeln

Zum Behandlungsangebot gehören insbesondere die Angebote der Psychiatrie und die Psychotherapie, bei der die Erkrankten lernen, einen Weg aus der Depression zu finden und mit ihren Problemen umzugehen sowie zu verstehen, wann Medikamente nötig sind, welche den bei einer Depression veränderten Gehirnstoffwechsel ausgleichen. Dazu sagt der Facharzt Thomas Meier vom Bündnis gegen Depression: «Diese Behandlungen sind sehr erfolgreich. Innerhalb von zwei bis vier Wochen ergibt sich bei bis zu 70 Prozent der Patienten eine markante Verbesserung. Bei bis zu 52 Prozent klingen die Symptome vollständig ab.» Eine rasche Behandlung helfe zudem verhindern, dass eine Depression chronisch werde. Es brauche aber nicht immer Medikamente, bei leichten Depressionen könnten auch andere Massnahmen Besserung bringen. Auch Selbsthilfegruppen sind wichtige Anlaufstellen für Betroffene und insbesondere auch für Angehörige.

Gegen Tabuisierung

Für Heidi Hanselmann ist die Enttabuisierung der psychischen Krankheiten entscheidend, damit die Erkrankten nicht aus dem gesellschaftlichen Leben oder aus dem beruflichen Umfeld herausfallen. Das verschlimmere die Krankheit und verschlechtere die Heilungsaussichten. Enttabuisierung und Entstigmatisierung stehen deshalb ganz oben auf der Aufgabenliste des St. Galler Bündnisses.

Wenn Menschen im Umfeld von Betroffenen die Depression als Krankheit verstehen, können sie durch ihre Unterstützung einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung leisten – durch Gespräche, Begleitung oder kleine Dienstleistungen, wie sie in der nachbarschaftlichen Hilfe üblich sind.

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