St. Gallen zwitschert meisterlich

Ob Twitter, Facebook, Instagram, Google+ oder YouTube: Die Stadt St. Gallen ist überall. Sie postet, teilt, liked und zwitschert fleissig.

Noemi Heule
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Die Verwaltung teilt ihren Ausblick auf Instagram. (Bild: Stadt St. Gallen)

Die Verwaltung teilt ihren Ausblick auf Instagram. (Bild: Stadt St. Gallen)

Ob Twitter, Facebook, Instagram, Google+ oder YouTube: Die Stadt St. Gallen ist überall. Sie postet, teilt, liked und zwitschert fleissig. Nicht nur Medienmitteilungen verbreitet die Verwaltung über Social Media: Dank Instagram kennen wir die Aussicht, die diese Verwaltung aus ihrem Glasturm am Bahnhofplatz auf ihre Bürger hat. Ein Regenbogen über der Altstadt oder die Sonne, die glutrot hinter der FHS verschwindet: Die Stadt teilt solche Momente mit ihren Bürgern. Diese erfahren auch, dass das OpenAir «rockt» oder wer am Dreikönigstag in der Verwaltung zur «queen of the day» gekrönt wurde (Gratulation an die Praktikantin!).

Damit ist die Gallusstadt selbst Spitzenreiterin: Von den 100 bevölkerungsreichsten Gemeinden der Schweiz nutzt sie Social Media am meisten. Als «Vorzeigedestination» bezeichnet das Onlinemagazin «Computerworld.ch» sie ob ihrer virtuellen Aktivitäten. 4649 Tweets zwitscherte die Kommunikationsabteilung schon vom Rathausturm. 3683 Follower erreichten die Kurznachrichten. Zum Vergleich: Die Stadt Zürich bediente ihre Bürger in der gleichen Zeit mit 105 Tweets, hat aber auch über 3000 Anhänger.

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St. Gallen punkte nicht mit der Zahl Follower oder Abonnenten, sagt Sabine Hosennen von der städtischen Fachstelle Kommunikation. Vielmehr war die breite Palette an Kanälen, welche die Verwaltung nutzt, ausschlaggebend für den Platz zuoberst auf dem Podest.

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«Wir wollen die News der Stadt breit streuen», sagt Hosennen. Ist es aber Aufgabe der Stadt, den Steuerzahler durch «Infotainment» zu unterhalten? Die Kosten für die unterhaltenden Elemente seien vernachlässigbar, sagt Hosennen. 40 Stellenprozente werden für die Präsenz auf Social Media aufgewendet. Dort finden sich auch aufwendige Produktionen: Unter dem Titel «Vadians Reise vom Sittertobel zum Marktplatz» wird der Zuschauer auf YouTube Zeuge, wie die bronzene Statue nach der Restaurierung zurück auf den Sockel gesetzt wird.

Apropos Vadian: Nicht nur die Kommunikationsabteilung vertritt die Gallusstadt auf Social Media. Auch Stadtlegenden melden sich über Twitter zu Wort. So zwitschert der Stadtvater vorwiegend zum Geschehen am Marktplatz (Tagblatt vom 17. Januar).

Unter dem Pseudonym Gallus meldet sich neuerdings ein zweiter Unbekannter zu Wort. Der Stadtheilige macht dem ehemaligen Bürgermeister die Anhänger streitig. Mit dem Missionar und dem Reformator teilt die Gallusstadt ein Ziel, das diese zu Lebzeiten hatten: mehr Follower für sich zu gewinnen.