St. Gallen verstärkt Integration

ST.GALLEN. Das Integrationsprogramm 2014–2017 enthält Massnahmen in den Bereichen Information, Beratung, Bildung, Arbeit, Verständigung und soziale Integration. Die Kosten von 4,4 Millionen Franken teilen sich Kanton, Bund und Gemeinden.

Marcel Elsener
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Syrische Flüchtlingsfamilie in Goldach – keine typische, aber eine spezielle Herausforderung für die Integrationspolitik. (Bild: Ralph Ribi)

Syrische Flüchtlingsfamilie in Goldach – keine typische, aber eine spezielle Herausforderung für die Integrationspolitik. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. «Dicke Post» unterzeichnete gestern Regierungsrat Martin Klöti in den amtlichen Kulturräumen in der St. Galler Hauptpost; Mitunterzeichner ist das Bundesamt für Migration. Das kantonale Integrationsprogramm für die Jahre 2014 bis 2017 sei «inhaltlich, aber auch finanziell schwergewichtig», meinte der Vorsteher Departement des Innern. Wie alle anderen Kantone hat sich St. Gallen zusammen mit dem Bund verpflichtet, ab 2014 die Integration der ausländischen Bevölkerung spezifisch zu fördern. Jedoch ist St. Gallen vielen Kantonen einige Schritte voraus, weil sein Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung seit bereits über zehn Jahren beharrlich Strukturen aufgebaut hat. «Wir dürfen stolz sein, dass wir so weit gekommen sind», sagte Klöti.

Sozialen Frieden sichern

Bei der Integrationspolitik geht es laut dem FDP-Regierungsrat um nichts weniger als um Leitsätze der kantonalen Schwerpunktplanung, nämlich um die «Vielfalt als Stärke» und um die «Sicherung des sozialen Friedens». Ausgangspunkt für die jetzt verbindlich festgeschriebenen Massnahmen ist der 2011 vom Kantonsrat verabschiedete Bericht der Regierung zur weiteren Entwicklung der Integrationspolitik im Kanton. «Um das friedliche Zusammenleben auch in Zukunft nachhaltig zu gewährleisten», heisst es dort, müssten «seitens des Kantons und der Gemeinden weiterreichende Anstrengungen unternommen» und die «Verbindlichkeit in allen integrationsrelevanten Belangen erhöht» werden.

Nicht der Staat, sondern die Wirtschaft verlange nach Zuwanderung für den Arbeitsmarkt, betonte Klöti und stellte eine «Trendwende» hin zu qualifizierten Arbeitskräften fest – was wiederum Ängste in der Mittelschicht schüre. Um das vielfältige «Konfliktpotenzial» zu entschärfen, müsse der Staat «ein gutes gesellschaftliches Klima schaffen». Dafür stehe mit den Geldern von Bund (1,8 Mio.), Kanton (1,6 Mio.) und Gemeinden (1 Mio.) trotz Spardrucks der erfreuliche Betrag von 4,4 Millionen Franken zur Verfügung, sagte Klöti. Wobei der Kanton aufgrund einer Sparmassnahme seinen auf 1,8 Millionen geplanten Beitrag um 200 000 Franken kürzen musste.

Erster Kontakt in Gemeinden

Im bevölkerungsmässig fünftgrössten Kanton der Schweiz ist der Anteil der Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in den letzten zehn Jahren von 20 auf 22,5 Prozent gestiegen; damit liegt St. Gallen weiterhin im schweizerischen Schnitt. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Deutschland, Serbien-Montenegro-Kosovo (statistisch noch immer eine Einheit) und Italien.

Das Integrationsprogramm von Bund und Kantonen ergänzt die Regelstrukturen (wie Schule, Berufsbildung, Arbeitswelt) und basiert auf drei Säulen: Information und Beratung, Bildung und Arbeit, Verständigung und gesellschaftliche Integration. An erster Stelle steht der erste Kontakt in den Gemeinden, wie Ramona Giarraputo, Leiterin Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung, erklärte. Ein positiver Erstkontakt am Wohnort vermittle nicht nur die wichtigsten Informationen über die hiesigen Lebensbedingungen, sondern helfe auch der Identifikation mit der Gemeinde. Künftig sollen alle Zugezogenen individuell begrüsst werden und die sogenannte Erstinformation bis 2017 flächendeckend in allen Regionen angeboten werden. Zu den laufenden Pilotprojekten in Wil und St. Margrethen kommt ab 1.1.2014 Rapperswil-Jona hinzu. Wegweisend ist das St. Galler Modell von regionalen Fachstellen zur Beratung, das nach der Eröffnung des «Büros» Wattwil seit diesem Frühling ein lückenloses Netz bietet.

Mehr Geld für Sprachkurse

Allein 1,8 Millionen Franken fliessen in den Bereich Sprache – ein klares Bekenntnis zum Ausbau dieses «offensichtlichsten, bekanntesten und ältesten» Integrationsangebots, sagte Giarraputo. Neu können Migranten Unterstützung zur Mitfinanzierung beantragen: Dank Subventionen kostet sie eine Sprachstunde statt 15 Franken noch 4 bis 8 Franken. Massiv angestiegen sind die interkulturellen Übersetzungen bei komplexen Gesprächen in Schulen, Spitälern, RAV usw.: 10 000 Stunden bis September haben die Fachleute vom Dolmetscherdienst Verdi 2013 bereits verbucht. Auch dies ein Beleg, wie gefragt spezifische Integrationsmassnahmen sind.

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