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St. Gallen und die Welt

Unter dem Titel «Welten sammeln» eröffnet das Historische und Völkerkundemuseum morgen den neugestalteten Afrika-, Südamerika- und Ozeaniensaal. Die Dauerausstellung verknüpft Völkerkunde mit St. Galler Stadtgeschichte.
Beda Hanimann
Die Weltkugel als Einstieg und Einladung: Blick in den neugestalteten Afrika-, Südamerika- und Ozeaniensaal. (Bild: Ralph Ribi)

Die Weltkugel als Einstieg und Einladung: Blick in den neugestalteten Afrika-, Südamerika- und Ozeaniensaal. (Bild: Ralph Ribi)

Caspar Stolz spricht Klartext. In einem Vortrag kritisiert der Leiter der Evangelischen Buchhandlung in St. Gallen im Jahr 1888 das arrogante Auftreten vieler Europäer in fremden Ländern. Und erteilt Ratschläge: Er legt dem reisenden Europäer nahe, «dass er die Schwarzen und Gelben, zu denen er kommt, erstens als Menschen und zweitens als geriebene und ihm an Scharfsinn vielleicht überlegene Menschen betrachten solle». Und nicht als «untergeordnete Geschöpfe, die eigentlich nur aus Versehen zu den Menschen gerechnet werden». Stolz ist ein verlässlicher Informant, bevor er sich in St. Gallen niederliess, hatte er von 1863 bis 1874 die Druckerei der Basler Mission im indischen Mangalore geleitet.

Als die Welt grösser wurde

Der Vortrag, abgedruckt in den «Mitteilungen der Ostschweizerischen Geographisch-Commerziellen Gesellschaft», ist eines von zahlreichen Schriftstücken, die Peter Müller in den letzten Jahren zusammengetragen hat. Denn ein Anliegen der Neugestaltung der völkerkundlichen Sammlung im Historischen und Völkerkundemuseum war es auch, die Vernetzung St. Gallens mit der Welt in früheren Epochen aufzuzeigen. «Durch den regen Austausch während der Stickereiblüte wurde die Welt auch für die St. Galler plötzlich viel grösser», sagt Müller. Der Historiker und Provenienzforscher des Museums spricht von einer «Vorform der Globalisierung», von einer «drastischen Horizonterweiterung». Aufzuzeigen, wie die Menschen damit umgingen, war eines von Müllers Anliegen.

Reisende Sammler

Menschen wie Caspar Stolz haben aber nicht nur von ihren Reisen und Aufenthalten in fernen Ländern erzählt, sie haben auch Kulturgegenstände in die Heimat zurückgebracht und dem Museum vermacht. «Das waren nicht nur Kaufleute und Missionare, wie es der gängigen Vorstellung entspricht, sondern auch Ingenieure, Ärzte, Politiker, Forscher oder reiche Witwen», sagt Müller. «Oft waren es hoch- interessante Leute mit spannenden Biographien und Schicksalen. Ohne diese Donatoren und die Stickereiblüte gäbe es die Sammlung nicht.» Ihre Leistung wird gewürdigt mit rund 25 Porträtfotos und biographischen Angaben. Die Völkerkundesammlung versteht sich so auch als Teil der Stadtgeschichte.

Der Raum als Teil des Museums

Die Eröffnung des Afrika-, Südamerika- und Ozeaniensaals von morgen Freitag ist die zweite Etappe in der Neugestaltung der Sammlung nach der Renovation des Museums. Eine grundlegend neue Präsentation ist es nicht. Bei der Frage, was zu verändern sei, sei man zum Schluss gekommen: «Wir wollen den Saal so erlebbar lassen, wie er sich am Ende des Stickereibooms präsentierte», sagt Projektleiter Achim Schäfer. Denn das Gebäude mit seiner Inneneinrichtung sei das Objekt Nummer 1 des Museums, ergänzt Müller. Die Vitrinen aus der Entstehungszeit des Museums sind geblieben, die Präsentation wurde jedoch luftiger, frischer, zeitgemässer. «Aber im Grunde ist das noch der Saal von 1921», sagt Müller.

Antworten und Fragen

Die ethnographische Sammlung des Museums umfasst rund 20 000 Exponate. Zu sehen sind im Afrika-, Südamerika- und Ozeaniensaal auf 220 Quadratmetern 250 Objekte. Darunter sind bekannte Top-Exponate, aber auch Kostbarkeiten, die bisher unbemerkt im Depot lagerten, wie Müller sagt. Der Bogen reicht von einer bedeutenden Federschmuck-Sammlung aus Amazonien über Keramik, Schmuck und Grabbeigaben aus den Anden und Masken, Figuren und Musikinstrumente aus Afrika bis zum Ägypten-Schwerpunkt mit Objekten zum Totenkult, aber auch zum Alltagsleben. «Diese Auswahl soll zum Ausdruck bringen, wie vielfältig die Welt ist», sagt Schäfer.

Im Gegensatz zu vielen Ausstellungen liefert das Historische und Völkerkundemuseum nicht nur Informationen. Es stellt auch Fragen. «Wir wissen nicht alles über unsere Exponate, oft sind ihre Hintergründe nur rudimentär dokumentiert», sagt Schäfer. Besucher sind deshalb zum Wissensaustausch aufgerufen. «Vielleicht gibt es Menschen in der Welt, die mehr wissen.»

Gleichzeitig aber wurde die Sammlung mit neuem Wissen angereichert, es wurden neue Zugänge erschlossen, etwa mit Querverweisen zur Kolonialisierung oder zum Imperialismus. «Die Objekte sind auch Botschafter solcher heikler Themen», sagt Müller.

Vernissage: Morgen Freitag, 18.30 Uhr

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