St. Gallen sucht die «Masters of Rap»

Ende Jahr geht die Reihe «Rap History» in St. Gallen zu Ende. Zum Abschluss laden die Veranstalter zu einer Hip-Hop-Prüfung und verteilen Diplome. Veranstalter Sascha Kieslinger alias DJ Paul Neumann blickt zurück auf 36 Jahre Hip-Hop.

Roger Berhalter
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Sascha Kieslinger Hip-Hop-DJ (Bild: pd)

Sascha Kieslinger Hip-Hop-DJ (Bild: pd)

Herr Kieslinger, warum lassen Sie Hip-Hop-Fans an einem Samstagnachmittag zur Prüfung antreten?

Sascha Kieslinger: Die «Rap History» ist mehr als nur eine Partyreihe. Man kann sie auch als Hip-Hop-Studiengang sehen. Deshalb ist es nur konsequent, wenn wir zu einer Abschlussprüfung einladen. Es ist natürlich viel Spass dabei, aber wir fragen ernsthaft Wissen ab.

Was denn?

Kieslinger: Zum einen Basiswissen aus den verschiedenen Bereichen des Hip-Hop von 1979 bis heute. Zum anderen kann man selber zwei Fachgebiete auswählen und dort seine Stärken ausspielen.

Handelt es sich um eine schriftliche Prüfung?

Kieslinger: Ja. Die Teilnehmer müssen aber auch Songs anhand von kurzen Einspielungen erkennen und lückenhafte Songtexte ergänzen.

Muss man alle 36 St. Galler Rap-History-Parties besucht haben, um die Prüfung zu bestehen?

Kieslinger: Das hilft natürlich, ist aber nicht unbedingt nötig. Wer mindestens die Note 4 erreicht, hat bestanden und kann den Titel «Master of Rap» tragen.

Was gibt es zu gewinnen?

Kieslinger: Wir verteilen keine Preise, aber man kann auch nichts verlieren – ausser vielleicht das Gesicht, wenn man im Vorfeld allzu sehr mit seinem Hip-Hop-Wissen geprahlt hat... Wir stellen aber Urkunden aus und verteilen sie an der Diplomfeier im Palace am 26. Dezember.

Danach ist in St. Gallen Schluss mit der «Rap History». Wie ist es, nach fünf Jahren aufzuhören?

Kieslinger: Es war eine schöne Zeit, klar. Aber sie ist ja nicht vorbei. Die «Rap History» gibt es auch andernorts. Gerade dieses Wochenende starten wir neu auch im Kraftfeld in Winterthur.

Und dort beginnen Sie wieder von vorn, mit Musik aus dem Jahr 1979?

Kieslinger: Zum Auftakt veranstalten wir einen Infoabend. Damit sich die Gäste informieren können, auf was für einen «Studiengang» sie sich bei uns einlassen. Danach aber beginnen wir wieder frisch mit 1979.

Welches ist Ihr Lieblingsjahr?

Kieslinger: Eine sehr schwierige Frage. Es gab ja kein Jahr ohne interessante Musik. Ich kam Ende der 80er-, Anfang der 90er-Jahre zum Hip-Hop, diese so genannte «Goldene Ära» gefällt mir bis heute. Müsste ich ein Jahr auswählen, wäre es wohl 1988.

Warum?

Kieslinger: Damals kamen gleich mehrere Alben heraus, die heute als Meilensteine gelten. Vom Rapper Biz Markie zum Beispiel oder den Ultra Magnetic MCs.

Wie geht es dem Hip-Hop heute?

Kieslinger: Die Rapmusik ist nach dem Zusammenbruch der alten Musikindustrie vor rund zehn Jahren vielfältiger denn je. Man hört viele unterschiedliche Stile gleichzeitig, und es kann sein, dass eine aktuelle Veröffentlichung klingt wie aus den 80ern oder 90ern. Die junge Rap-Generation ist in einer freien Musiklandschaft aufgewachsen und hat weniger Scheuklappen.

Abschlussprüfung: Morgen Samstag, 16.45 Uhr, Palace (Party und Konzert mit La Base & Tru Comers ab 22 Uhr)