St. Gallen steht auf grünen Strom

ST.GALLEN. Seit Anfang Jahr gilt in der Stadt ein neues Stromtarifmodell. Dieses kommt bei der Bevölkerung besser an, als die Stadtwerke erwartet haben. Nun soll noch in diesem Jahr ein ähnliches Modell für Gasbezüger eingeführt werden.

Malolo Kessler
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Atomstromärmer, aber teurer: Seit Anfang Jahr bekommen Städterinnen und Städter automatisch einen neuen Strommix. Hat das Grundangebot zuvor 50 Prozent Atomstrom enthalten, enthält es nun 30 Prozent. Entsprechend ist der «St. Galler Strom Basis» pro Kilowattstunde gut einen Rappen teurer als zuvor. Wer lieber den vorherigen Kernstrommix will, muss ihn bei den Stadtwerken explizit verlangen. Wer noch saubereren Strom möchte ebenfalls. Und die «ökologische Stromtarifrevision» kommt an: «Mit so guten Resultaten haben wir nicht gerechnet», sagte Stadtrat Fredy Brunner gestern, als er den Medien die ersten Zahlen präsentierte.

«Grosser Erfolg» bei Haushalten

Von den Haushalten und kleinen Unternehmen beziehen derzeit 90 Prozent den neuen Basis-Strom oder noch ökologischeren. «Lediglich 10 Prozent haben wieder zum Kernstrommix zurück- gewechselt. Das ist ein grosser Erfolg», sagte auch Peter Graf, Leiter Marketing und Kommunikation bei den Stadtwerken. Dass Personen aus Unwissenheit nicht wieder zum günstigsten Strom gewechselt haben, könne man nicht ausschliessen. «Aber wir haben viel in die Kommunikation investiert, deshalb dürfte dieser Anteil nicht sehr gross sein.» Zudem bestehe weiterhin die Möglichkeit, den Strommix zu wechseln.

Von den mittelgrossen Gewerbebetrieben haben 32 Prozent wieder Kernstrom verlangt, in der Industrie 67 Prozent. «Bei Unternehmen ist der Strompreis natürlich oft ein nicht unerheblicher Kostenfaktor», sagte Graf. Die Industrie bezieht auch die grösste Menge an Strom. Deshalb ist, schaut man alle Kundenkategorien gemeinsam an, der Kernstromverbrauch nach wie vor am höchsten, er liegt mit 43 Prozent ein Prozent vor dem Basisstrom.

Auch die finanziellen Auswirkungen auf die Stadtwerke waren gestern Thema: Durch die Tarifrevision generieren die Stadtwerke laut Stadtrat Brunner einen jährlichen Mehrertrag von 4,3 Millionen Franken. Das Geld soll unter anderem in eigene Produktionsanlagen investiert werden.

Die Tarifrevision sei ein Wagnis gewesen, sagte Brunner. Sie habe zahlreiche Reaktionen ausgelöst, positive wie auch negative. «Aber wir sind dankbar, dass die Bevölkerung mitmacht. Das ist nicht selbstverständlich.»

Vorlage in Vorbereitung

Die «sehr erfreulichen» Resultate seien Ansporn und Verpflichtung, noch mehr zu machen. Geplant ist laut Brunner, ein ähnliches Tarifmodell für Gasbezüger zu schaffen. Dafür ist allerdings ein Parlamentsentscheid nötig. Eine entsprechende Vorlage werde derzeit erarbeitet. Noch vor den Sommerferien sollen die Parlamentarierinnen und Parlamentarier darüber entscheiden. Stimmen sie zu, könnte das neue Gas-Modell ab Oktober gelten.