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ST . GALLEN: Senioren helfen im Kindergarten

Rentnerinnen und Rentner unterstützen Lehrkräfte im Schulunterricht. Bezahlt werden sie dafür nicht, erhalten aber Wertschätzung. Das Schulamt sucht weitere Freiwillige.
Adrian Lemmenmeier
Nach der Pensionierung in der Schule aktiv: Die 70-jährige Esther Wehle hilft Erstklässlern bei einer Schreibübung. (Bild: Jil Lohse)

Nach der Pensionierung in der Schule aktiv: Die 70-jährige Esther Wehle hilft Erstklässlern bei einer Schreibübung. (Bild: Jil Lohse)

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

«Wenn ich um 9 Uhr in die Schule komme und nach drei Stunden wieder gehe – wie spät ist es dann?» Behutsam drehen die Erstklässler beide Zeiger auf ihren Kartonuhren auf zwölf. Dann halten sie die Uhren in die Höhe und zeigen das Resultat. Esther Wehle sitzt im Klassenzimmer 27 des Schulhauses Ger­halde auf dem Teppich und übt mit den Erstklässern, die Uhr zu lesen.Wehle ist 70 Jahre alt. Sie ist eine von 53 Pensionierten, die in St. Galler Schulen und Kindergärten Lehrkräfte im Unterricht unterstützen. «Seniorinnen und Senioren in Schule, Kindergarten und Betreuungsangeboten» heisst das Programm. Es wird vom städtischen Schulamt und von der Pro Senectute gemeinsam angeboten. «Seit sieben Jahren helfe ich mindestens vier Stunden die Woche im Unterricht», sagt Wehle. Einen typischen Arbeitsablauf gebe es nicht. «Ich mache, was gerade ansteht.» Den Kindern etwas vorlesen gehört ebenso dazu wie etwa die Teilnahme an Sonderwochen oder an einer Schulreise.

Den Kindern mehr Zeit widmen

Lehrerin Marianne Schmid ist froh um Wehles Unterstützung: «Zwei Leute können den Kindern mehr Zeit widmen als eine Lehrperson», sagt sie. Ältere Menschen seien oft geduldig und gelassen. Diese Qualitäten seien im Klassenzimmer gefragt. «Auch können sie den Schülerinnen und Schülern aus vergangenen Zeiten erzählen», sagt Schmid. «Das ist für die Kinder interessant.»

Zwischen den Schülern und den Freiwilligen entstehe oft eine herzliche Bindung, sagt Ruth Monstein. Sie koordiniert das Angebot «Seniorinnen und Senioren in Schule, Kindergarten und Betreuungsangeboten» für das Schulamt. Das bestätigt auch Esther Wehle. «Wenn ich länger nicht in der Schule bin, fragen die Kinder nach mir.» Sie erhalte viel Wertschätzung für ihre Arbeit, sagt Wehle – von den Kindern und von den Lehrkräften. Für sie ist dies der zentrale Grund, weshalb sie sich freiwillig engagiert. «Ich wollte nach der Pensionierung nicht vollständig von der Bildfläche verschwinden.» Als Freiwillige fühle sie sich im Schulhaus Gerhalde bestens integriert. Die ehemalige Kindergärtnerin kann auch ihre langjährige pädagogische Erfahrung einbringen.

Anreissertypen und seriöse Schaffer

«Dass Freiwillige pädagogisch ausgebildet sind, ist die Ausnahme», sagt Ruth Monstein. «Das ist auch keine Bedingung, um sich freiwillig zu betätigen.» Die Senioren in den Schulen und Kindergärten hätten einen ganz unterschiedlichen Hintergrund: Ein ehemaliger Polizist engagiert sich ebenso wie ein Informatiker oder eine einstige Autohändlerin. «Einige unterstützen mit neuen Ideen, andere sind eher seriöse, stete Schaffer», sagt Monstein. So habe ein Mann über Jahre in Anzug und Krawatte mit Primarschülern Französisch geübt.

Wird mit einem solchen Freiwilligendienst nicht die Schulbildung an unbezahlte Laien ausgelagert? «Nein», sagt Monstein. Denn die Rentner würden die Lehrkräfte nicht ersetzen. Es sei eben wirklich ein Programm, von dem alle profitierten: die Kinder, die Senioren und die Schulen. Allerdings ist die Gleichung nicht perfekt. Denn die Nachfrage der Schulen nach Senioren sei grösser als die Zahl der Anmeldungen, die bei der Pro Senectute eingingen. «Wir können immer Leute brauchen», sagt Monstein. Vorwissen brauche man keines. Interessenten müssten aber Offenheit mitbringen und die Freude, mit Kindern zu arbeiten.

Pro Senectute

Roberto Bertozzi: 071 227 60 25

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