St. Gallen entscheidet Pendlerabzug

Die Stadt St. Gallen hatte massgeblichen Anteil am knappen Ja zur Reduktion des Pendlerabzugs für Autofahrer. Das Mehr von rund 6000 Ja-Stimmen machte den Unterschied aus. Innerhalb der Stadt pendeln die meisten mit dem öV.

David Gadze
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Wer mit dem Auto zur Arbeit pendelt, bezahlt ab dem kommenden Jahr mehr Steuern. Am Sonntag sprachen sich die Stimmberechtigten im Kanton für eine Reduktion des Pendlerabzugs für Autofahrer aus. Dieser wird künftig an den Preis für ein SBB-Generalabonnement 2. Klasse von derzeit 3655 Franken gekoppelt. Das Ergebnis war knapp: 51,3 Prozent der Stimmberechtigten sagten Ja zur Änderung des Steuergesetzes. In absoluten Zahlen heisst das: Rund 3000 Stimmen machten den Unterschied aus. 58 406 Ja-Stimmen standen 55 410 Nein gegenüber.

St. Gallen sagt am deutlichsten Ja

Einen wesentlichen Einfluss auf das Abstimmungsergebnis hatte die Stadt St. Gallen, die mit einem Mehr von 6000 Ja-Stimmen die Vorlage deutlich angenommen hat. 12 217 der 18 138 Stimmenden sprachen sich für die Beschränkung des Pendlerabzugs aus – also 67,3 Prozent. In keiner anderen Gemeinde war der Ja-Anteil so hoch.

Auch im Wahlkreis St. Gallen war die Zustimmung hoch: 62,8 Prozent (18 489 Ja- bei 10 973 Nein-Stimmen) sprachen sich für die Vorlage aus, so viele wie in keinem anderen Wahlkreis. Nur die Gemeinden Häggenschwil und Muolen waren dagegen. Die Wahlkreise Rorschach (54 Prozent) und Wil (52,6 Prozent) nahmen die Vorlage ebenfalls an, in den anderen Wahlkreisen wurde sie abgelehnt, am deutlichsten im Sarganserland (61,7 Prozent Nein-Stimmen).

Positiver Pendlersaldo

Doch wie sehen die Pendlerzahlen in der Stadt St. Gallen und in der Agglomeration eigentlich aus? Die Gallusstadt hat – wie alle grossen Städte in der Schweiz – einen positiven Pendlersaldo. Das heisst, es fahren mehr Menschen in die Ostschweizer Metropole mit ihren fast 80 000 Arbeitsplätzen als aus ihr heraus (siehe Zweittext). Gemäss Erhebungen der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen waren es von 2011 bis 2013 bei den Erwerbstätigen durchschnittlich 36 400 Personen, die täglich nach St. Gallen pendelten. Die Mehrheit (20 700) kommt mit dem motorisierten Individualverkehr, 15 000 nehmen die öffentlichen Verkehrsmittel.

Aus der Stadt heraus hingegen reisten in diesem Zeitraum täglich durchschnittlich 12 300 Personen an ihren Arbeitsort, 7000 davon waren mit dem Auto unterwegs, 4900 mit dem öV. Zum Vergleich: Luzern wies 39 500 Zu- und 19 500 Wegpendler auf.

Im sogenannten St. Galler Agglomerationsgürtel sieht es genau anders aus: 15 800 Zupendlern stehen 23 400 Wegpendler gegenüber.

«Stadtpendler» setzen auf öV

Innerhalb der Stadt pendeln insgesamt 22 100 Personen. Während der Langsamverkehr – also Fussgänger und Velofahrer – bei den Zu- und Wegpendlern naturgemäss eine marginale Rolle spielt, macht er bei den «Stadtpendlern» mit 7000 immerhin fast einen Drittel aus. 9000 Personen nehmen für den Arbeitsweg den öV, 6000 kommen mit dem Auto zur Arbeit.

Zu den Distanzen, welche Pendler von der und in die Stadt St. Gallen zurücklegen, macht die Fachstelle für Statistik keine Angaben. Gemäss der Publikation «Pendlermobilität in der Schweiz 2013» des Bundesamtes für Statistik (BFS) für die Jahre 2010 bis 2012 beträgt die durchschnittliche Länge des Arbeitswegs im Bezirk St. Gallen zwischen zehn und 12,9 Kilometer.

Arbeitsweg wird immer länger

Dieser Wert liegt unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Gemäss dem BFS hat in den vergangenen Jahren die Länge des Arbeitswegs in der Schweiz zugenommen. Von 2000 bis 2013 nahm sie um zwölf Prozent oder 1,5 Kilometer auf 14,4 Kilometer zu. Die Zahl der Personen, welche innerhalb der gleichen Gemeinde pendeln, hat sich im gleichen Zeitraum von 36 auf 30 Prozent verringert.

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