St. Gallen – eine selbstbewusste Stadt

Leserbrief: Eine Stadt ohne Selbstbewusstsein Ausgabe vom 3. September 2015

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SP-Kantonsrat Max Lemmenmeier ereifert sich über den von den bürgerlichen Fraktionen im Stadtparlament geplanten Vorstoss, einen Umzug des Parlaments in den Kantonsratssaal und Möglichkeiten für eine Neunutzung des Waaghauses zu prüfen. Das sei «die Aufgabe eines städtisch-demokratischen Selbstbewusstseins».

Herrje! Wenn unser Selbstbewusstsein am Waaghaus hängt, dann gute Nacht. Im Waaghaus finden zwar unzählige Veranstaltungen statt, das Haus ist aber alles andere als würdig und wird immer mehr zum Unort. Da darf es doch erlaubt sein, die Frage einer besseren Nutzung des altehrwürdigen Gebäudes zu stellen, einen Impuls für die Marktplatz-Diskussion zu geben (Marktstände im Waaghaus?) und die naheliegende Idee vorzubringen, das Stadtparlament in den sehr würdigen und grosszügig ausgestatteten Grossratssaal im Herzen St. Gallens zu zügeln.

Es grenzt an einen Schildbürgerstreich, wenn wir im sanierungsbedürftigen Waaghaus für 20 000 Franken eine neue und nur mässig ausgestattete Abstimmungsanlage installieren, während einige hundert Meter entfernt eine moderne Anlage in einem würdigen Saal zur Verfügung steht. Die Bevölkerung würde es – so vermute ich – durchaus begrüssen, wenn das Parlament den haushälterischen Umgang mit Steuergeldern vermehrt pflegt. Und überdies Platz macht für spannende(re) Nutzungen im Waaghaus. Wir werden uns dafür einsetzen.

An Max Lemmenmeier geht: Manchmal muss man Neues andenken. Das ist für mich Ausdruck von Selbstbewusstsein!

Roger Dornier Fliederstrasse 15, 9010 St. Gallen