St. Gallen – Amoahs «Sweet Home»

«Ich will nicht mehr dorthin», sagte Charles Amoah 2003 über seinen damaligen Arbeitgeber, den österreichischen Fussballverein SK Sturm Graz.

Drucken
Teilen
4:0 für St. Gallen: Charles Amoah beschäftigt am 19. August 2000 zwei Basler Abwehrspieler. Er trug ein Tor zum Kantersieg der St. Galler bei. (Archivbild: Trix Niederau)

4:0 für St. Gallen: Charles Amoah beschäftigt am 19. August 2000 zwei Basler Abwehrspieler. Er trug ein Tor zum Kantersieg der St. Galler bei. (Archivbild: Trix Niederau)

«Ich will nicht mehr dorthin», sagte Charles Amoah 2003 über seinen damaligen Arbeitgeber, den österreichischen Fussballverein SK Sturm Graz. Amoah war gerade für eine Saison an Salzburg ausgeliehen worden; bei den Grazern war es ihm gar nicht gelaufen, die Medien bezeichneten seinen Transfer für 6,5 Millionen Franken von St. Gallen als Fehlinvestition. Trotzdem – zehn Jahre und zwei Engagements bei Kottingbrunn und Linz später lebt der 38jährige Ghanaer immer noch in der zweitgrössten Stadt Österreichs. «Ich hatte eine sehr schwere Zeit beim FC Graz», sagt Amoah am Telefon. «Aber mir gefällt die Stadt. Es ist ruhig hier, und Sie wissen ja – ich bin ein ruhiger Typ.»

Immer wieder zu Besuch

Das stimmt. Die Stimme am anderen Ende der Leitung ist sanft, zurückhaltend. Höchstens sein herzliches, klares Lachen ist laut, aber nicht unangenehm. Etwa, wenn er sich an sein Engagement beim FC St. Gallen erinnert. «Es war die beste Zeit meiner Karriere.» Wenn er St. Gallen besuche, dann sei das wie nach Hause kommen – «Home Sweet Home».

Doch St. Gallen, das ist für Amoah nicht nur Erinnerung. Immer wieder besucht er die Ostschweiz. Etwa, als sich 2011 die damaligen Meisterteams des FC St. Gallen und des TSV St. Otmar in Fussball und Handball massen. Oder vor drei Wochen, als der FC Flawil für sein 100jähriges Bestehen das Meisterteam 2000 gegen Schwinger antreten liess. «Meine damaligen Teamkollegen wieder zu sehen hat mich sehr glücklich gemacht», sagt der einstige Ghanaische Nationalspieler, den seine Fussballkarriere vom ghanaischen Erstligisten Okwahu United über Winterthur, Frauenfeld und Wil 1999 nach St. Gallen führte.

2000 der unumstrittene Star

Dass Amoah gerne an seine Zeit in der Ostschweiz zurückdenkt, verwundert nicht. «Überflieger» wurde er genannt, «Fussballgott» oder «der unumstrittene Star auf dem Espenmoos». Und auch heute noch ist der schnellfüssige Stürmer, der in der Saison 1999/2000 als Schweizer Torschützenkönig (25 Tore) einen beträchtlichen Teil zum St. Galler Meistertitel beigetragen hatte, fest im kollektiven Gedächtnis der St. Galler Fans verankert. Im offiziellen Fan-Forum haben ihn die FC-St. Gallen-Anhänger auf Platz 1 der Stürmerliste gewählt – auf der allerdings Sturmlegende Iván Zamorano fehlt. Unter Amoahs Profil steht da: «Sein Verkauf vor der Finalrunde 2001 verhinderte wohl die Titelverteidigung.»

Diese Behauptung ist gar nicht so abwegig, schoss doch Amoah in eineinhalb Jahren und 56 Spielen für St. Gallen 37 Tore. Unvergessen auch seine zentrale Rolle im Uefa-Cup-Spiel gegen Chelsea am 28. September 2000. Zum 2:0-Sieg der St. Galler im Zürcher Hardturm trug Amoah mit einem Assist und einem Treffer bei.

Gerne weitergespielt

Die Begeisterung und Sympathie, die ihm die St. Galler Fans für seine herausragenden Leistungen entgegengebracht haben – die hat er in keinem anderen Verein mehr erlebt. Wohl auch, weil er wegen Knieproblemen nie mehr so stark spielen konnte und 2007 seine Karriere beenden musste. «Ich hätte gerne weitergespielt.» Man hört Amoah die Enttäuschung an, dass das nicht möglich war.

Heute spielt Amoah nur noch zum Spass Fussball. Meistens dann, wenn er bei seiner Familie in Ghana ist. «Ich besuche sie zwei-, dreimal pro Jahr für ein paar Wochen.» Irgendwann, sagt er, wolle er ganz in sein Heimatland zurückkehren. «Aber zuerst sollen meine Kinder in Österreich eine gute Ausbildung geniessen.» Und was sind seine beruflichen Pläne bis dahin? Dazu möchte Amoah nichts sagen. «Das ist eine zu private Frage», sagt er. Er verbringe momentan viel Zeit mit seiner Frau Mary und seinen drei Kindern. Der älteste, Winfred, spielt beim FC Graz in der U12-Auswahl. «Er möchte Profifussballer werden. Und er ist gut», sagt Amoah, der hofft, dass sein Sohn eines Tages bei einem grossen Verein spielen wird. Bei der Liebe des Vaters zu St. Gallen wäre es gut möglich, dass in ein paar Jahren erneut ein Fussballer namens Amoah in der Ostschweiz spielt.

Tobias Hänni

Amoahs Tip: St. Gallen – Lausanne 2:0 (heute 19.45 Uhr)

Charles Amoah FCSG-Stürmer von 1999 bis 2001 (Bild: Quelle)

Charles Amoah FCSG-Stürmer von 1999 bis 2001 (Bild: Quelle)

Aktuelle Nachrichten