Spurgruppe hält sich bedeckt

Politiker und Wirtschaftsleute haben zum zweiten Mal über die Stadtentwicklung Gossaus und die Entlastung der St. Gallerstrasse diskutiert. Die Interessen der Spurgruppe bleiben undurchsichtig. Ausnahme ist die IG Langfristverkehr.

Tim Wirth
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Die vielbefahrene St. Gallerstrasse soll entlastet, das Stadtzentrum attraktiver werden. Wie dies erreicht werden kann, ist noch immer unklar. (Archivbild: Benjamin Manser)

Die vielbefahrene St. Gallerstrasse soll entlastet, das Stadtzentrum attraktiver werden. Wie dies erreicht werden kann, ist noch immer unklar. (Archivbild: Benjamin Manser)

GOSSAU. Eine Spurgruppe, bestehend aus Vertretern von Politik, Gewerbe und Industrie bearbeitet momentan zwei für Gossau wichtige Fragen: Wie kann die St. Gallerstrasse entlastet werden und wo soll das zukünftige Gossauer Stadtzentrum sein? In der ersten Sitzung konnten alle Teilnehmer ihre Interessen äussern. Das Ingenieurunternehmen Basler und Partner, welches die Spurgruppe begleitet, erstellte ein Dossier. Urs Salzmann, Kommunikationsbeauftragter der Stadt Gossau, versicherte nach dem ersten Treffen, dass bereits bei der zweiten Sitzung konkrete Ziele definiert werden. Dies ist aber nicht der Fall. «Es gab eine Verzögerung», sagt Salzmann. Stadtpräsident Alex Brühwiler mahnt zu Gelassenheit: «Wir können nicht schon in den kommenden Wochen grosse Würfe erwarten. Zuerst muss die Basis gelegt werden.»

Von zu hoch bis tolerierbar

Anstatt über konkrete Projektziele zu diskutieren, wurde an der zweiten Sitzung die Basis für die Weiterarbeit gelegt. Im Jahr 2009 verabschiedete das Stadtparlament die Leitsätze der Stadtentwicklung. In den Leitsätzen ist beispielsweise verankert, dass der historisch gewachsene Stadtkern Gossaus sich durch seine hohe Aufenthaltsqualität und Identität auszeichnen soll. Die Spurgruppe ist sich laut Urs Salzmann grösstenteils einig, dass die Leitsätze der Stadtentwicklung eine angemessene Basis für die Weiterarbeit sind.

Die intensivste Diskussion sei jedoch über die Verkehrsbelastung geführt worden. Einige Beteiligte empfinden die Verkehrslage schon heute als prekär, andere denken, dass die heutige Lage vertretbar sei. So wird es möglich sein, dass die eine oder andere Anpassung der Leitsätze vorgenommen wird.

Nur die Stadt kommuniziert

Auf Anfrage wollten sowohl Patrick Ammann, Präsident der Fachgeschäfte Gossau, als auch Lorenz Raymann von Basler und Partner nichts zur Sitzung und ihren persönlichen Meinungen sagen. Es sei noch zu früh für konkrete Ideen. Zudem informiere ausschliesslich die Stadt über die Ergebnisse der Spurgruppe. In einer Strassenumfrage des Tagblatts vom 3. Oktober gab es einen Konsens: Das hohe Verkehrsaufkommen auf der St. Gallerstrasse nervt, das Zentrum der Stadt ist aber eindeutig dieser historisch gewachsene Stadtkern. Dieser Meinung ist auch Willi Braun, Sprecher der IG Langfristverkehr und Mitglied der Spurgruppe.

30 000 Autos pro Tag

«Die St. Gallerstrasse muss entlastet werden», sagt Braun. Momentan gebe es um die 20 000 Durchfahrten pro Tag. Wenn man mit einer Zunahme von zwei Prozent pro Jahr rechnet und es 20 Jahre braucht, bis eine Entlastung möglich ist, fahren dannzumal 30 000 Autos pro Tag durch die Strasse. «Alles wird stillstehen; die Geschäfte überleben nicht», ist Braun überzeugt. Der pensionierte Unternehmer beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Problematik. Willi Braun ist überzeugt, dass das Gossauer Stadtzentrum nicht verschoben werden kann: «Das funktionierte bisher in keiner anderen Stadt. Zudem fahren an der Poststrasse und auf dem Marktplatz – dem einzig möglichen zukünftigen Zentrum – fast 500 Busse pro Tag durch.»

Entlastungsstrasse als Lösung

Als Lösung des Problems sieht Willi Braun eine verfeinerte Version der Entlastungsstrasse Nord (Grafik). Die IG Langfristverkehr biss 2012 mit einer Volksmotion, welche diese Entlastungsstrasse forderte, auf Granit. Aufgrund eines Parlamentsbeschlusses wurde das Geschäft zu Planung und Bau einer Entlastungsstrasse dem Kanton weitergegeben. Zubringer zu Quartieren wurden ergänzt; auch für die Verteilung im Zentrum gibt es laut Braun eine gute Lösung. «Alle Durchfahrten würden über die Entlastungsstrasse führen», sagt er. Einzig Zulieferer, Besucher und Bewohner dürften die St. Gallerstrasse benützen. So würde das Zentrum und ganz Gossau wieder lebenswert.

Anfang Januar geht es weiter

Das nächste Treffen der Spurgruppe ist am 12. Januar. Bei einem Themenabend werden alle Teilnehmer auf den gleichen Stand gebracht, Anfang Februar findet eine weitere Sitzung statt. Willi Braun ist sehr optimistisch: «Wir sind noch nicht auf einer Spur; die Basis für die Weiterarbeit ist aber gelegt.»