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SPURENSUCHE: Immer der Nase nach

Eigentlich ist Christian Gisler Quartierpolizist und kümmert sich um die Anliegen der Anwohner. Zusammen mit seiner Personenspürhündin Lyonnesse ist er aber ganz anderem auf der Spur.
Katharina Schatton
Christian Gisler und seine Hündin Lyonnesse sind ein eingespieltes Team. (Bild: Michel Canonica)

Christian Gisler und seine Hündin Lyonnesse sind ein eingespieltes Team. (Bild: Michel Canonica)

Katharina Schatton

katharina.schatton@tagblatt.ch

Trotz ihres massigen Körpers sieht die Hündin federleicht aus, als sie auf Kommando aus dem Polizeiauto springt und auf ihren grossen Pfoten landet. Sie hat kurzes, rötlich braunes Fell, Schlappohren und eine der feinsten Hundenasen, die es gibt: Lyonnesse ist ein Bloodhound. Sie nimmt Düfte und Geruchskomponenten wahr, die Menschen zu riechen gar nicht in der Lage sind – auch wenn sie schon mehrere Tage alt sind oder nur ganz schwach in der Luft liegen. Aufgrund dieser guten Voraussetzungen wurde Lyonnesse zum Personenspürhund ausgebildet und hat nun Einsätze bei der Polizei. Ihr Herrchen ist Christian Gisler von der Stadtpolizei. Zusammen retten die beiden manchmal Leben: Bei ihren Einsätzen suchen sie nach Vermissten oder Tätern auf der Flucht.

Sowohl im Schneesturm als auch im Quartier

Jeder Mensch hat seinen eigenen, für einen Hund wie Lyonnesse unverkennbaren Geruch. Als erstes zeigt Christian Gisler der Hündin deshalb anhand eines Referenzgeruchs, nach wem sie überhaupt suchen soll. Das kann zum Beispiel ein Gegenstand oder Kleidungsstück der betreffenden Person sein, oder aber ein steriles Wattestäbchen, womit man den Referenzgeruch aufgenommen hat. An dem Ort, wo man die gesuchte Person zuletzt gesehen hat, versucht Lyonnesse den Geruch dann wiederzuerkennen und die Fährte aufzunehmen. Die Suche beginnt.

Dabei hat das Gespann mit so manchen unsicheren Faktoren zu kämpfen. Bei langen Einsätzen kommt es beispielsweise vor, dass das Team mehrere Stunden oder sogar Tage unterwegs ist. Auch das Wetter spielt nicht immer mit: «Neulich waren wir in einem Schneesturm unterwegs», sagt Gisler. Dass man zu solch ungewöhnlichen Zeiten unterwegs ist, zum Teil mitten durch die Natur, gefalle ihm an seiner Arbeit mit Lyonnesse besonders gut. Trotzdem laste immer ein gewisser Druck auf dem Team, schliesslich geht es bei dieser Arbeit oft um Menschenleben. Aber auch wenn die beiden die gesuchte Person nicht immer finden, könne Lyonnesse manchmal entscheidende Hinweise und Indizien für die weitere Suche liefern. «Wenn sie zum Beispiel bis zu einer Bushaltestelle läuft, kommen wir an diesem Punkt zwar nicht weiter, können aber annehmen, dass die gesuchte Person dort in den Bus eingestiegen ist. Aus Personenschutzgründen darf Gisler zu den einzelnen Einsätzen leider nicht ins Detail gehen.

Seit rund acht Monaten ist Christian Gisler neben seiner Tätigkeit als Polizeihundeführer auch einer von acht Quartierpolizisten in St. Gallen. Er ist zuständig für den Bereich Dietli-Hölzli-Schoren, Lachen, Rosenberg und St. Otmar. Oft geht er, zusammen mit seiner Hündin, deshalb auch ganz simplen Anliegen aus dem Quartier nach. «Viele Leute schätzen es, in einem Quartierpolizisten einen direkten Ansprechpartner zu haben, beispielsweise bei akuten Verkehrsproblemen», sagt Christian Gisler.

Wenn er mit Lyonnesse zu Fuss auf Streife durchs Gebiet unterwegs ist, kann das Vor- und Nachteile auf seine Wirkung bei den Anwohnern haben. «Besonders für Kinder und ältere Menschen baut Lyonnesse eine Brücke. Sie kommen offener auf mich zu», sagt Gisler. Umgekehrt stelle die Hündin aber auch ein Hindernis für den Kontakt mit Leuten dar, die Angst vor Hunden hätten. Deshalb ist Gisler in seiner Funktion als Quartierpolizist die Hälfte der Zeit mit und die andere Hälfte ohne seine tierische Begleitung unterwegs.

Haustier, Kollegin und Einsatzmittel

Lyonnesse ist für Gisler aber nicht nur Berufskollegin, sondern auch Haustier: Sie lebt als Familienhund bei dem Polizisten zu Hause und wird auch dort bleiben, wenn sie in Rente geht. Mit ihren beinahe zehn Jahren ist Lyonnesse nämlich nicht mehr die Jüngste: «So langsam merke ich, dass sie nach den Einsätzen längere Verschnaufpausen braucht als früher», sagt Gisler. Dafür merke man ihr die jahrelange Routine an. «Sie kann jetzt fast alles. Lernen tue nur noch ich.»

Wegen der Überschneidungen von Berufs- und Privatleben haben die beiden eine besondere Beziehung. «Nüchtern betrachtet verbringe ich mehr Zeit mit Lyonnesse als mit meiner Familie», sagt Gisler verschmitzt. Trotzdem bleibt Lyonnesse bei der gemeinsamen Polizeiarbeit aber ganz klar ein Einsatzmittel wie jedes andere.

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