Sprachlose Einkehr

Die aus Eggersriet stammenden Keramikerinnen Susi Stehle und Sylvia Dietrich haben mit ihren Figuren Gastrecht in der St. Galler Galerie Margrit Oertli.

Brigitte Schmid-Gugler
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Susi Stehle (l.) und Sylvia Dietrich in der Galerie Margrit Oertli. (Bild: Urs Bucher)

Susi Stehle (l.) und Sylvia Dietrich in der Galerie Margrit Oertli. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN/EGGERSRIET. Kunst ist ein weites Feld. Während für den einen das bildnerische Schaffen vergleichbar ist mit einer Sprache, betiteln andere ihre thematisch ausgerichtete Arbeit «sprachlos». Sprachlosigkeit soll bei den beiden Autodidaktinnen nicht als Ableitung eines Entsetzens verstanden werden. Sie wollen, wie sie sagen, mit ihrem «sprachlos»-Sein den Rückzug markieren, die Stille und dort die Quelle von Erneuerung und innerem Dialog.

Kunst versus Zitat

Seit zwanzig Jahren arbeiten die beiden Frauen in einem gemeinsamen Atelier; am Anfang standen die Leidenschaft des gestalterischen Werkens und das Anschaffen eines eigenen Brennofens. «sprachlos» vereint nun bei Margrit Oertli Figuren, Objekte in Keramik, Bronze und Zement. Die Arbeiten von Stehle/ Dietrich sind zwar technisch perfekt gearbeitet und schön anzuschauen, doch sie vermitteln eben auch den Unterschied zwischen Kunst und blossem Zitat.

Unnötige Texte

In ihrem Rückzug des Sich-Besinnens besannen sich die beiden Frauen des Weiblichen in allen Facetten. Dabei werden die Figuren und Objekte von vollkommen überflüssigen Aphorismen begleitet, die aus der Therapiestunde eines Selbstfindungsgrüppli stammen könnten. Im unteren Ausstellungsraum dominieren zwei Figuren in Lebensgrösse. An den Seitenwänden geht's in einer Neuner-Serie zur Erleuchtung: In kleinen, mit Rechaudkerzen bestückten Kästchen räkeln sich Menschlein, so wie in und auf fast allen Objekten Figürchen kleben. Das ist schade und lenkt ab von der Energie, die in manchen Objekten zu spüren ist. Zwei ineinander verschränkte Hände werden begleitet von den Worten: «Oft würden wir einander vielleicht besser verstehen, wenn wir gar nichts sagen.» Wie wahr!

Bis 2.11.: Galerie Margrit Oertli, offen Di bis So, 16.00 bis 19.00.

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