Sprache ist entscheidend

Bildung ist und bleibt der wichtigste Faktor einer erfolgreichen Integration, sagt Luan Skenderi. Der Leiter des Zentrums für Asylsuchende Landegg und seine Mitarbeiter tun viel dafür, dass Flüchtlinge diese ausreichend erhalten.

Joye Geisselhardt
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Spielerisch wird den Kindern in der Schule Deutsch beigebracht. (Bild: Joye Geisselhardt)

Spielerisch wird den Kindern in der Schule Deutsch beigebracht. (Bild: Joye Geisselhardt)

EGGERSRIET. Unter den vielen Flüchtlingen, die in der Schweiz Schutz suchen, sind immer mehr Kinder und Jugendliche. Für die Heranwachsenden ist Bildung besonders wichtig. Doch genau an diesem Punkt stossen die Kantone an ihre Grenzen. Eine Herausforderung, die auch im Zentrum für Asylsuchende Landegg in Eggersriet zu spüren ist. «Hier tun alle ihr Bestes, um aus der schwierigen Situation das bestmögliche herauszuholen», sagt Luan Skenderi, Leiter des Zentrums.

Grosse Aufgabe für Lehrer

Das Asylzentrum Landegg ist überbelegt, wie viele Zentren im Moment. Eine Situation, die den täglichen Betrieb erschwert, wie Luan Skenderi erklärt. Aufgrund der hohen Zahl an Kindern musste die Klasse der «Kinderschule» in zwei Gruppen aufgeteilt werden. So bekommen die Kinder im Moment statt der eigentlich obligatorischen vier Lektionen Unterricht pro Tag nur zwei. Die Lehrerin der Klasse steht vor einer riesigen Aufgabe. Innerhalb weniger Monate soll sie die Kinder so weit bringen, dass sie nach dem Gemeindetransfer, also der Umteilung in die Gemeinden, in eine Regelklasse eingeschult werden können. Da die Kinder oftmals an völlig unterschiedlichen Punkten stehen, sei ein Kollektivunterricht nicht möglich. Jedes Kind muss einzeln gefördert werden.

Sozialisierung ist wichtig

In der «Kinderschule» wird neben dem Mathematik- und Deutschunterricht auch Wert auf die Sozialisierung der Kinder gelegt. Einige Kinder hätten nie zuvor eine Schule besucht, sagt Luan Skenderi. Diese müssen zuerst lernen, was es heisst, unterrichtet zu werden. Auch Dinge wie der Umgang mit Stift und Radiergummi seien nicht selbstverständlich. Bei solchen Kindern sei es aber besonders schön, wöchentlich die Fortschritte zu sehen. Einige Kinder würden das Wissen regelrecht aufsaugen und seien schnell an einem Punkt, wo eine Einschulung problemlos möglich sei.

Kein leichtes Ziel

Weil im Moment viele Kinder im Vorschulalter im Zentrum Landegg wohnen, wurde vorübergehend ein Kindergarten eingerichtet, um auch den Jüngeren eine angemessene Betreuung zu gewährleisten. Spielend beginnen die Kinder schon dort, die deutsche Sprache zu erlernen. «Das geschieht ganz natürlich, die Kinder suchen sich eine gemeinsame Sprache», sagt die Kindergärtnerin.

Für Jugendliche wurden spezielle Deutsch-Klassen eingerichtet. Sobald die Jugendlichen volljährig sind, unterstehen sie nicht mehr der Schulpflicht. Der Einstieg in ein geregeltes Leben sei für sie besonders schwer, sagt Luan Skenderi. Ihre einzige Chance ist es, einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Das sei aber sehr schwierig, denn dafür müssen sie die Deutschprüfung Niveau B2 bestehen. Um diesem Ziel näher zu kommen, wird in den Klassen intensiv Deutsch unterrichtet.

Handlungsbedarf besteht

Nachdem der Gemeindetransfer stattgefunden hat, liegt die Obhut für die Kinder und Jugendlichen bei den Gemeinden. Die Infrastruktur sei dort vielerorts nicht ausreichend, sagt Skenderi. Viele landen an Orten, wo sie als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, wie beispielsweise bei Gemüsebauern oder auf dem Bau. «Wenn wir jetzt nichts tun, werden wir später einen viel höheren Preis bezahlen. Wir haben Glück, dass die Situation bei uns noch nicht so aussieht wie beispielsweise in Frankreich.» Trotzdem weiss Luan Skenderi auch von einigen Erfolgsgeschichten zu erzählen. «Ich kenne einzelne ehemalige Flüchtlinge, die die Matura gemacht und studiert haben.»

Konzentriert arbeiten die Kinder an ihren Aufgaben. Mit alltagsnahen Beispielen lernen sie Deutsch und Mathematik. (Bild: Joye Geisselhardt)

Konzentriert arbeiten die Kinder an ihren Aufgaben. Mit alltagsnahen Beispielen lernen sie Deutsch und Mathematik. (Bild: Joye Geisselhardt)

Luan Skenderi Leiter Zentrum für Asylsuchende Landegg (Bild: Urs Bucher)

Luan Skenderi Leiter Zentrum für Asylsuchende Landegg (Bild: Urs Bucher)

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