Sporthalle: «Eine bittere Pille»

Vor Friedensrichter haben die im Schadenfall Sporthalle involvierten Parteien keinen Vergleich gefunden. Jetzt hat das Gericht die Verantwortlichkeiten abzuklären. Laut Anwalt der Bauherrschaft führte eine Summe von Fehlern zum Desaster.

Max Eichenberger
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Garderoben: Neuaufbau angesagt. (Bild: Picasa)

Garderoben: Neuaufbau angesagt. (Bild: Picasa)

ARBON. In allen Details erläutern die Gutachter Fredi Merk und Franz Ramser ihren Bericht über den zweiten Schadenfall. Nüchtern und schonungslos. Die öffentliche Orientierung in der Stacherholz-Aula hat Züge einer Baukunde-Vorlesung. Klar wird dabei auch Laien: bei der Planung und der Bauausführung ist geschlampt worden. Verfahren sind nicht auf ihre Tauglichkeit bei den schwierigen Baugrundverhältnissen hinterfragt worden. Unternehmer haben Vorgaben und Normen nicht eingehalten – und nun das Pech, dass ihr Pfusch im Zuge der Untersuchung ans Tageslicht gekommen ist. Versagt hat offensichtlich auch die Bauleitung.

«Eine Summe von Fehlern»

«Es ist die bittere Pille, die wir präsentieren müssen», schliesst Bauphysik-Spezialist Franz Ramser seine Feststellungen. Anwalt Markus Wydler vertritt die Sekundarschulgemeinde (SSG) als Bauherrin. Er ist damit beschäftigt, die gegen fünf Unternehmer eingereichten Klagen dem Gericht gegenüber zu begründen. Am Dienstag sind die Schlichtungsverhandlungen vor dem Friedensrichter erfolglos verlaufen. Wydler sagt: «Eine Summe von Fehlern hat zu diesem Desaster geführt.» Es gebe vertragliche Haftungen. Die Unternehmen nehme man jetzt über den gerichtlichen Weg in die Pflicht. Beklagt würden die fünf Unternehmen auf den vollen Schadensbetrag von 2,8 Millionen Franken. Wydler zufolge sei teils bestritten worden, dass ein Schaden vorliegt. Andere Firmen wiederum hätten nicht mehr als ein Angebot «symbolischer Natur» unterbreitet oder hätten sich finanziell ausserstande erklärt, für den Schaden aufzukommen. Das lässt darauf schliessen, dass keine genügende Versicherungsdeckung gegeben ist.

17 Unternehmer hätten sich mit der SSG anfänglich auf das Vorgehen geeinigt, einen Gutachter einzusetzen. Sie hätten diesen auch mitbestimmen können. «Man kann jetzt, da die Ergebnisse vorliegen, nicht kommen und uns vorhalten, es sei ein Privatgutachten und nichts wert», sagt Wydler. Die Alternative wäre damals schon gewesen, eine vorsorgliche Beweissicherung beim Gericht zu verlangen. «Wir gehen davon aus, dass dafür dem Gericht der Bericht genügt.»

Beim ersten Schadenfall 2012 hatte sich der Boden gewölbt, weil die drei Meter im Grundwasser sich befindliche Wanne ungenügend im tragfähigen Baugrund verankert gewesen war. Nachdem Zugpfähle gebohrt wurden, halte jetzt nach erfolgter Sanierung (Kosten: 1,33 Mio.) der Boden, versichert Baukommissionspräsident Jürgen Schwarzbek. Im Sommer 2013 trat dann aber ein verstecktes Dichtungsproblem auf. Bei sechs Mikropfählen stieg Wasser hoch. Zudem stellte man eine undichte Bodenhülse und Risse fest, was den Neuaufbau des Bodens mit entsprechender Abdichtung nötig macht. Im Bereich der Duschen und Garderoben müssen die ungenügend dimensionierten Böden ebenfalls neu eingebracht werden.

Abbruch – dann Neuaufbau

Im Halleninnern sei dieses Jahr Abbruch angesagt, danach werde wieder aufgebaut, sagt der neu bestellte Bauleiter Heinz Giger. «Im Sommer 2015 sind wir dann wieder soweit wie heute. Und wenn alles optimal läuft, wird die Halle Ende 2015 fertig. Das ist aber Kaffeesatzlesen.»

Weil es bis zu einem rechtskräftigen Urteil mehrere Jahre dauern kann, geht die SSG in Vorleistung und nimmt Bankkredite auf. Geschockt über die Befunde zeigt sich Kurt Sonderegger, der mit der IG Sport eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt war und selber Architekt ist. Er spricht von «erschreckendem Dilettantismus» und Vernachlässigung von Kontrollaufgaben, möglicherweise unter Spardruck. Daher sei auch die Verantwortlichkeit der Planer gerichtlich zu klären, fordert er.

SSG-Präsident Robert Schwarzer bedauert, dass die Schule den Imageschaden habe, während die Stadt und der Kanton ebenso im Boot sässen. «Leider werden wir nur noch über das Sporthallen-Fiasko wahrgenommen» und gehe unter, was die Schule leiste. Je nach Gang des Verfahrens sei offen, was bei der SSG hängen bleibe. Deren Finanzlage ist derart angespannt, dass sie mit dem Budget 2015 beantragen muss, den Steuerfuss um 4 Prozentpunkte anzugehen. «Aber nicht wegen der Sporthalle. Wir hoffen, dass die Schule nun deswegen nicht abgestraft wird.»

Schadenfall 2: Undichter Boden. (Bild: Picasa)

Schadenfall 2: Undichter Boden. (Bild: Picasa)

Der Innenbereich der Sporthalle wird bis Ende Jahr grösstenteils abgebrochen und dann wieder neu erstellt. (Bilder: Max Eichenberger)

Der Innenbereich der Sporthalle wird bis Ende Jahr grösstenteils abgebrochen und dann wieder neu erstellt. (Bilder: Max Eichenberger)