SPEZIALITÄT: Migros geht Partnerschaft mit St.Galler Metzgerei ein

Die Migros-Tochter Mérat hat die Lizenzrechte der originalen St.Galler Bratwurst von Schmid übernommen. In der Branche wird bereits von einer stillen Übernahme gesprochen.

Elisabeth Reisp
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In der Gerüchteküche brodelt es: Übernimmt die Migros bald die Metzgerei Schmid? (Bild: Urs Bucher)

In der Gerüchteküche brodelt es: Übernimmt die Migros bald die Metzgerei Schmid? (Bild: Urs Bucher)

Die Tochterfirma der Migros, die Gastrometzgerei Mérat, will das Ostschweizer Wursterzeugnis in Restaurants in der ganzen Schweiz auf die Karte bringen. Aus diesem Grund ist sie eine Partnerschaft mit der bekanntesten Metzgerei der Stadt St.Gallen eingegangen, der Metzgerei Schmid. Und prompt brodelt es in der Gerüchteküche.

Die Migros-Tochter habe den ersten Schritt zur einer schleichenden Übernahme gemacht, heisst es hinter vorgehaltener Hand. Und: Der Geschäftsführer der Metzgerei Schmid, Oscar Peter, komme langsam in das Alter, in dem er sich Gedanken über die Nachfolge machen müsse, gut möglich, dass die Traditionsmetzgerei bald ganz der Migros gehört. «Alles Unsinn», sagt Oscar Peter. «Die Metzgerei Schmid bleibt so, wie sie ist.» Tatsächlich gebe es aber seit kurzem eine Partnerschaft mit der Gastrometzgerei Mérat. Mérat habe ­Lizenzrechte erworben, um die originale Schmid-Bratwurst unter diesem Namen vertreiben zu können, sagt Peter. Die Migros-Tochter habe ihm ein entsprechendes Angebot gemacht und nach reiflicher Überlegung sei er zum Schluss gekommen, dass es sich dabei um eine Win-win-Situation handle. «Aber wir bleiben zu 100 Prozent selbstständig», betont er.

Die Schmid-Würste seien bereits jetzt an Gastrobetriebe ausserhalb der Region versandt worden. Per Post. Das war zwar machbar, sagt Peter, aber nicht die beste Lösung. Mit der Partnerschaft des Gastrozulieferers können die Würste einfacher und vor allem gekühlt ausgeliefert werden.

Würste nur für Gastrobetrieb

Auch die neue Lizenznehmerin Mérat hält den Ball flach. Sprecherin Deborah Rutz betont, dass lediglich das Lizenzrecht übernommen wurde. Eine eigene Produktion der Schmid-Würste sei kein Thema. «Die Mérat beliefert zudem nur Gastrobetriebe», sagt Rutz. In der Auslage einer Migros-Filiale werden die Kunden keine Schmid-Wurst finden.

Wie viele Würste nun zusätzlich hergestellt werden, ist auch für Oscar Peter noch ungewiss. Erst gestern Nachmittag ging die erste Bestellung der neuen Partnerin ein. Es waren «nur etwa 100 Stück». «Die Nachfrage wird nicht gleich explodieren», sagt Peter. Zuerst müsse Mérat ihre Kunden auf das neue Angebot aufmerksam machen.

Auch die Mérat war einst eine Traditionsmetzgerei

Entgegen anders lautender Gerüchte werden die Schmid-Würste für Mérat nicht in einem Produktionsstandort der Micarna, ebenfalls eine Tochtergesellschaft der Migros, produziert. «Alle Schmid-Würste werden in unserer Metzgerei hergestellt», betont Peter. Eine Auslagerung der Produktion sei nicht vorgesehen. Den Produktionsstandort zu vergrössern oder mehr Leute einzustellen, sei vorderhand nicht geplant, sagt Peter. «Alles bleibt so wie bisher.»

Auf sein Alter angesprochen, räumt Oscar Peter ein: «Ich werde bald 60, natürlich müssen wir uns irgendwann Gedanken über die Zukunft des Betriebs machen.» Das entscheide er aber, wenn es soweit sei.

Dass Migros sich zuerst an einer Firma beteiligt, bevor sie sie übernimmt, hat sie mehrfach bewiesen. So war das Grossunternehmen zuerst zwei Jahre lang an der Bäckerei des Luzerner Familienunternehmens Hug beteiligt, bevor sie es diesen Sommer ganz geschluckt hat. Ein weiteres von vielen Beispielen: Vor drei Jahren hat die Migros den Thaler Wurstverarbeiter Rudolf Schär AG übernommen. Auch dort bestand vor der Übernahme «seit vielen Jahren eine enge Lieferantenzusammenarbeit der beiden Unternehmen», wie aus der damaligen Medienmitteilung zu entnehmen war. Die Mérat selbst war übrigens einst ebenfalls eine Metzgerei in Familienhand. Sie gehörte der Familie Mérat und war in der Stadt Bern das, was die Metzgerei Schmid für St.Gallen ist. Im Jahr 2000 musste sich die Familie um die Nachfolge kümmern, 2004 wurde der Name und die Metzgerei von der Micarna übernommen.