Sperrzone Hühnerhof

Auf dem Naturahof in Sevelen übte die Tierseuchengruppe dreier Kantone und Liechtensteins gestern den Ernstfall. Die Aufgabe: Der gesamte Bestand an Legehennen musste wegen der Vogelgrippe eliminiert werden.

Armando Bianco
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Ein Mann im Schutzanzug trägt betäubte Legehühner aus dem Stall. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Ein Mann im Schutzanzug trägt betäubte Legehühner aus dem Stall. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Es hätte die ideale Kulisse für eine neue «Tatort»-Serie sein können. Oder ein Treffen zur Einstimmung auf die Zürcher Street Parade. In Tat und Wahrheit war es die internationale Tierseuchengruppe, welche gestern den Ernstfall auf dem Naturahof in Sevelen geübt hat. Die Übung ging davon aus, dass der gesamte Geflügelbestand des Hofs – rund 3000 Tiere – von H5N1, der Vogelgrippe, befallen ist.

Der Kantonstierarzt ordnet an, den erkrankten Tierbestand zu töten, die Stallungen zuerst grob und dann fein zu reinigen, zuletzt zu desinfizieren.

Vor fünf Jahren aufgebaut

Die Tierseuchengruppe wurde von den Kantonen St. Gallen und beider Appenzell vor fünf Jahren im Auftrag der Regierungen mit hoher Dringlichkeit aufgebaut. Anlass dazu war die damals im umliegenden Europa grassierende Vogelgrippe. Zu Beginn dieses Jahres ist auch Liechtenstein dazugestossen.

Die Einsatztruppe ist mit einer professionellen Führung, bestehend aus Bevölkerungsschutz und Veterinärdiensten, ausgestattet. Das Logistikzentrum mit Fahrzeugen, Maschinen, Material und Ausrüstung befindet sich in St. Gallen. Der Organisation gehören 60 Mann aus der ganzen Ostschweiz an. Sie absolvieren jährlich einen Wiederholungskurs. Der geprobte Ernstfall auf dem Naturahof in Sevelen war – zumindest teilweise – tatsächlich Ernst. Ein Teil des Legehennen-Bestandes wurde bei dieser Gelegenheit wirklich gekeult, also getötet.

Dies hätte für die Betreiber des Hofs ohnehin angestanden, da die Tiere «das Ende ihrer produktiven Zeit erreicht haben und demnächst in die Tiermehlfabrik gebracht werden», wie den Medien kommuniziert wurde. Das Federvieh wurde über die Futteraufnahme vorgängig betäubt und dann in speziellen, mit Kohlendioxid gefüllten Containern getötet.

«Der Naturahof hat sich als geeignetes Gelände für uns erwiesen», sagt Detlev Eberhard, Mediensprecher der Tierseuchengruppe. Natürlich darf der Ernstfall nicht nur mit Hühnern geprobt werden, von einer hoch ansteckenden Seuche können auch Kühe oder Schweine befallen werden. «Der Aufwand dazu ist aber ungleich höher. Ausserdem ist das rasche Töten von Grossvieh nicht jedermanns Sache, da setzen wir speziell geschulte Leute ein.»

Schleusen eingerichtet

Die Männer in weissen Schutzanzügen, Gummistiefeln und Handschuhen gaben der Szenerie auf dem Naturahof eine bedrohliche, leicht gespenstische Note. Im Rahmen ihrer Übung waren sie frühmorgens aus St. Gallen angereist, um die Bevölkerung vor den möglichen Folgen einer hoch ansteckenden Seuche zu retten. Eingesetzt wurde dabei nicht alltägliches Material (ein mobiles Chromstahl-Waschbecken beispielsweise) sowie modernste Dekontaminationsschleusen für Mensch und Fahrzeug.

Schweisstreibende Arbeit

Für die Mitglieder der Tierseuchengruppe war der gestrige Einsatz schweisstreibende Arbeit, die Knochen und Psyche zusetzte. Die Equipen werden im Ernstfall denn auch in regelmässigen Abständen ausgewechselt.

Nach getaner Arbeit mussten die Männer der Tierseuchentruppe aufwendig in einer speziellen Duschstrasse desinfiziert und aus der Sperrzone geschleust werden. Ein ähnliches Prozedere galt für Fahrzeuge, welche den Hof verlassen wollten.

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