Sperrstunde für Jonudennhalt

Das Lehrerkabarett Jonudennhalt verabschiedet sich mit dem Programm «Jetzt langät's» vom Publikum. Im Café Mühlegg persifliert es nochmals den St. Galler Alltag. Frech, liebevoll – und mit etwas Wehmut.

Beda Hanimann
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Nach fast 25 Jahren ist bald Schluss: Das Kabarett Jonudennhalt tritt noch bis Ende November im Café Mühlegg auf. (Bild: Urs Bucher)

Nach fast 25 Jahren ist bald Schluss: Das Kabarett Jonudennhalt tritt noch bis Ende November im Café Mühlegg auf. (Bild: Urs Bucher)

Der Mann am Klavier hat wieder einmal eine neue Rolle. Ruedi Hofmänner ist Chef-Patissier. Seine Kollegen Romana Büsch, Christina Alvarez, Bruno Broder und Oskar Sturzenegger geben Frollein (so hiess das früher mal ganz unverdächtig) und Kellner. Das Kabarett Jonudennhalt hat für sein neues und mutmasslich letztes Programm das Café Mühlegg übernommen. Es serviert Kaffee und Kuchen, Sauser und Wein. Und gibt gleich zu Beginn den Tarif durch: Jetzt ist Schluss mit Spezialwünschen, rufen die fünf ihren Gästen zu. Ohne Gürkli, zwei Rähmli und dergleichen Extrawürste mehr: Schluss damit.

Weniger Frust, mehr Lust

Schluss damit, «jetzt langät's»: Das ist ja der Titel dieses Abschiedsprogramms, und es zeigt sich bald, dass damit mehr gemeint ist als die Ankündigung in eigener Sache, man höre nach fast 25 Jahren Kabarett auf. Es gibt weiss Gott genug Dinge und Zeitgeistphänomene, wo man gern rufen würde, wo mal jemand rufen sollte: Jetzt reicht's! 30er-Zonen, Baustellen, volle Parkhäuser, Stecker in allen Ohren, Smartphones überall, «Switzerland zero points» am Eurovision-Songwettbewerb, zerrissene Hosen als letzter Schrei. Die fünf sind nicht verlegen an Dingen, über die man sich im Leben so richtig schön aufregen kann. Aber sie haben auch kabarettistische Lebenserfahrung genug, um über all das lachen zu können, sich nicht über alles zu enervieren. Und so verkünden sie die Botschaft: Weniger Stress und weniger Frust, und das Leben macht wieder mehr Lust. Wer auch mal sagen (oder singen) kann: «Dat it doch gliich», der hat's leichter im Leben.

Witzeleien im Lehrerzimmer

Das Café ist dafür der passende Rahmen. Die zwei Lehrerinnen und drei Lehrer bewegen sich zwischen den Tischen, mal wie gewöhnliche Bargäste plaudernd, mal als raumgreifendes Quintett singend, der ganze Raum ist Bühne, sogar «Mühlegg»-Geschäftsführer Martin Liechti mischt sich mit Zwischenrufen und einem Song über den Segen der Kundenkarte ein. Das ergibt eine Lockerheit, die zu dieser Kabaretttruppe passt. Denn das klassische Muster mit einer Abfolge von Sketches wird da immer wieder gebrochen, wenn sich die fünf unterhalten, als wär's eine Plauderei und Witzelei im Lehrerzimmer.

Dass die Schule ein Thema ist, liegt nahe. Ruedi Hofmänner serviert den Lehrplan 21 buchstäblich auf dem Silbertablett, doch die andern goutieren diese theoretischen Häppchen nicht und verschlucken sich beinahe am «integrativen Einheitsbrei».

Und dann wird es natürlich doch noch ein bisschen nostalgisch und wehmütig. Die Herren des Kabaretts, an der Schwelle zur Pensionierung oder schon drüber, erinnern sich, wie das früher war, als man im Zug noch rauchen durfte und freihändig Velo fuhr – während heute schon fürs Dreirad das Helmobligatorium gilt.

Ein Fest der St. Galler Mundart

Mit Songs aus früheren Programmen wird die Sperrstunde eingeläutet, und ob Broders und Sturzeneggers Tränen wird einem bewusst: Hier meldet sich eine Truppe ab, die frech und doch liebevoll den Alltag persiflierte. Deren Programme mit sprachlicher Subtilität überzeugten – und nicht zuletzt ein Fest der St. Galler Mundart waren.