SPENDENAKTION: Späte Bescherung

21 Tonnen Spenden aus der Aktion «2× Weihnachten» werden derzeit in ­Gossau neu verpackt. Eine logistische Herausforderung für Organisatoren und Helfer.

Noemi Heule
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Studenten der Universität St. Gallen füllen die Gabentaschen mit Spenden. (Bild: Ralph Ribi)

Studenten der Universität St. Gallen füllen die Gabentaschen mit Spenden. (Bild: Ralph Ribi)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Vor kurzem lagen sie sorgsam verpackt unter dem Christbaum, nun stapeln sich unerwünschte Weihnachtsgeschenke kistenweise in der Zivilschutzanlage Gossau. Insgesamt 21 Tonnen Lebensmittel, Hygiene-Artikel, Spielsachen und Schreibwaren werden diese Woche hier umgeladen, ­bevor sie zum zweiten Mal verschenkt werden. An jene, für die Weihnachten kein Fest des Überflusses war.

Am Montag wurden die Spenden aus der Aktion «2× Weihnachten» aus Bern angeliefert, wo sie in der Zentrale des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) gesammelt und sortiert worden waren. Um die riesige Spendenmenge zu bewältigen, verwandelt sich die Zivilschutzanlage für eine Woche in einen kleinen Logistik-Betrieb. An den Wänden türmen sich Kartonschachteln, in der Mitte des Raumes wurde eine kleine Verpackungsstrasse eingerichtet und vor dem Eingang warten gefüllte Einkaufstaschen dar­auf, abgeholt zu werden. Per Lieferwagen werden sie schliesslich verteilt – 3521 Erwachsene und 2618 Kinder werden im Kanton St. Gallen unterstützt.

Flüchtlinge, Studenten, langjährige Helfer

Freiwillige Helfer bestücken Papiertüten mit Lebensmitteln, andere sortieren Spielsachen und Schreibwaren. Jeder Empfänger soll gleich beschenkt werden. Keine leichte Aufgabe, denn die Spenden sind ein bunter Mix verschiedenster Artikel: Von der Prix-Garantie-Schokolade, die vom Grossverteiler gespendet wurde, bis zur Familienpackung Pralinen, die jemand zu Weihnachten nicht wollte.

Auch die freiwilligen Helfer sind eine bunt gemischte Truppe: Am Dienstag halfen Flüchtlinge vom Zentrum für Psychotraumatologie Gravita mit. An diesem Mittwoch sind vor allem Studenten des Organisationskomitees fürs «St. Gallen Symposium» vertreten. Lasse Dabelstein ist einer von ihnen: «Trotz Kälte wird mir langsam warm», sagt er ob der körperlich anstrengenden Arbeit. Für die 25 anwesenden Studenten ist der heutige Tag auch ein interaktiver Team-Anlass. «Zusammen können wir hier viel bewirken», sagt Dabelstein.

Während der 24-Jährige zum ersten Mal dabei ist, hat Eleonora Gilly Horber die Anfänge von «2× Weihnachten» miterlebt. «Solange ich körperlich mag, helfe ich mit», sagt die 74-Jährige. Als einstige Geschäftsleiterin des SRK-Kantonalverbandes hat sie die Aktion vor 20 Jahren nach St. Gallen geholt. Schweizweit wurden damals rund 35700 Pakete abgegeben – heute sind es fast doppelt so viele. Zu Beginn sei es schwierig gewesen, an Bedürftige heranzukommen, da das SRK aus Datenschutzgründen keine Adressen erhielt. Heute arbeitet die Organisation kantonsweit mit rund 100 sozialen Institutionen zusammen. Diese verteilen die Gaben an ihre Klienten. «Ich bin jedes Jahr beeindruckt von der Fülle an Spenden und dem Engagement der Freiwilligen», sagt Horber.

Alberto Baumeler, Leiter Migration und Integration des SRK Kantonalverbandes, stimmt in das Lob ein. Auch wenn die Helfer einen tollen Job machten, sei die Aufgabe nicht leicht. «Wir müssen jeden Tag von vorne beginnen.» Für ihn ist die einwöchige Aktion denn auch eine «logistische Herausforderung», damit der «wilde Mix» aus Spenden gerecht an die rund 6000 Empfänger verteilt werden könne. Und alles muss zügig vorangehen, damit die Zivilschutzanlage bereits am Freitag wieder geräumt ist.