Speisen mit Blick auf fünf Länder

Darauf haben nicht nur die Eggersrieter und Gruber sehnlich gewartet: Gut fünf Jahre nach dem Brand wird ab morgen Freitag im «Rossbüchel» wieder gewirtet. Auf der Menukarte stehen, passend zum Fünfländerblick, Gerichte aus jenen Ländern, die man von hier aus sieht.

Corinne Allenspach
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GRUB SG. Es wäre wirklich ein Jammer gewesen, hätten Susanne und Martin Knechtli am 24. August 2012 das Tagblatt nicht gelesen. Aufgeschreckt worden war das Ehepaar aus St. Gallen durch den Artikel «Wohnen statt wirten». Nach dem Brand des «Rossbüchel» im Jahr 2009 konnte der damalige Besitzer niemanden finden, der aus der Brandruine wieder ein Restaurant machen wollte. Stattdessen waren hoch oben auf dem Fünfländerblick, mit wunderbarer Sicht auf See und Berge, Luxuswohnungen geplant. «Das wäre jammerschade, wenn hier nicht mehr gewirtet würde», sagten sich Knechtlis damals – und entschieden spontan, das Grundstück zu kaufen und zusammen mit Architekt Alex Buob aus Heiden einen neuen «Rossbüchel» zu erschaffen. Spatenstich war im März 2014.

Nur die Holzterrasse fehlt noch

Jetzt, kurz vor der Eröffnung, sind die Bauherren sichtlich zufrieden mit dem Resultat. Insgesamt «ä gfreuti Sach» nennt Martin Knechtli den Neubau. Einzig der Holzrost für die grosse Terrasse wurde nicht rechtzeitig fertig.

Restaurants sind wichtige Begegnungsorte und Treffpunkte. In Zeiten, in denen kaum ein Monat vergeht, in dem in der Region nicht irgendwo eine Beiz zum Verkauf steht, schliesst oder abgebrochen wird und einer Überbauung weicht, ist die Eröffnung eines neuen Gasthauses geradezu eine kleine Sensation. Knechtlis, die keine Nachkommen haben, sehen den «Rossbüchel» nicht als Renditeobjekt, sondern wollten den speziellen Ort einfach weiter für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Wie viel investiert wurde, will Martin Knechtli nicht genau sagen. Er spricht von einem «mittleren einstelligen Millionenbetrag».

Interieur aus der Region

Das neue Restaurant, das je nach Saison 10 bis 16 Mitarbeiter beschäftigen wird, zeichnet sich aus durch grosse Glasfronten, viel Holz und einen edlen Innenausbau. «Wir haben Freude daran, wenn das Ganze Stil hat», sagt Martin Knechtli, der vor der Pensionierung eine Industrie-Holding mit verschiedenen Fabriken besass. Der Boden ist Eichenparkett, die Inneneinrichtung von der Firma Domus in St. Gallen und die Lampen seien Extraanfertigungen von CH Design, ebenfalls aus St. Gallen. «Inhaber Charles Keller hat unter anderem auch das Lichtkonzept an der Zürcher Bahnhofstrasse gemacht», weiss Knechtli.

Trotz teurer Materialisierung versteht sich der «Rossbüchel» mit seinen 80 Plätzen im Innern, 40 im Biergarten, über 100 auf der Terrasse und rund 25 im Seminarraum als Restaurant für alle. «Bei uns sollen sich vom Wanderer mit Bergschuhen über Velofahrer bis zu Geschäftsleuten alle wohl fühlen.»

Das Wirten überlassen Knechtlis anderen. Der Betrieb wurde an Fritz Bader von der Bader Gastronomie & Consulting aus Cham delegiert. Bader hat von Knechtlis ein Mandat erhalten und wird den «Rossbüchel» in ihrem Sinne führen. Verpachten kommt für Martin Knechtli nicht in Frage, weil er so keinen Einfluss mehr nehmen könnte. «Dann steht plötzlich Aromat und Maggi auf dem Tisch.» Geschäftsführer ist der Aargauer Philipp Stalder, Küchenchef Roland Senn aus Waldkirch. Serviert wird ab morgen Freitag, passend zum Fünfländerblick, Fünfländerküche. Gerichte aus jenen «Ländern», die man bei klarer Sicht sehen kann: Vorarlberg, Bayern, Baden, Württemberg und unser Land.

Von Wurstsalat bis Kalbssteak

So finden sich auf der Karte nebst Wurst-Käse-Salat, Appenzeller Käsespätzli oder Bodenseefelchen auch Weisswürste, Tafelspitz, Badisches Kalbsrückensteak oder geschmorte Schweinshaxe. Alles zu moderaten Preisen, nur wenige Gerichte kosten über 30 Franken. Ab April kommt zusätzlich eine monatlich wechselnde Karte dazu.

www.rossbuechel-sg.ch