Spatenstich: Erst das Museum, jetzt der Park

Das Naturmuseum im St.Galler Neudorf ist schon seit einem halben Jahr offen, jetzt wird auch der zugehörige Park gebaut. Ab Dezember können die Besucher dort auf Entdeckungsreise gehen.

Roger Berhalter
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Nur kleine Bagger erlaubt: Die Wiese zwischen Kirche St. Maria Neudorf und Naturmuseum liegt über der Stadtautobahn. (Bild: Hanspeter Schiess)

Nur kleine Bagger erlaubt: Die Wiese zwischen Kirche St. Maria Neudorf und Naturmuseum liegt über der Stadtautobahn. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Gärtner sind schon an der Arbeit. Zwischen Naturmuseum und Kirche St. Maria Neudorf rammen sie Pfähle in den Boden, schneiden Sträucher zurück und richten die Baustelle ein. In den kommenden Monaten soll aus der simplen grünen Wiese ein sorgfältig gestalteter Park werden. Am gestrigen Spatenstich bezeichnete Stadträtin Maria Pappa den Park als «Scharnier» zwischen dem Museum und der Kirche: Hier der «Ort des Wissens», da der «Ort des Glaubens» und dazwischen der Park.

Der Museumsgarten soll kleine und grosse Besucher dazu verleiten, auf Entdeckungsreise zu gehen. Im ganzen Park werden Spuren ausgelegt: Fossilien, die in die Bodenplatten eingelassen sind. Oder Jahreszahlen, welche die Erdgeschichte veranschaulichen. Die Parkbesucher finden auch Zitate von berühmten Persönlichkeiten vor oder können in den zwei Vogelgehegen Sing- und Greifvögel beobachten.

Das Museumscafé erhält eine Terrasse, gleich daneben kommt ein Teich zu liegen, wo kleine Forscher Wasserproben entnehmen und anschliessend im Museum unter dem Mikroskop betrachten können. Im November werden die meisten Sträucher und Bäume gepflanzt; im Dezember soll der Park eröffnen.

Schwere Maschinen sind verboten

«Ich freue mich auf den neuen Park», sagte Maria Pappa gestern vor Vertretern aus Stadt- und Kantonsverwaltung, der Walter-und-Verena-Spühl-Stiftung, der katholischen Kirchgemeinde, des Bundesamtes für Strassen (Astra) sowie beteiligten Landschaftsarchitekten und Planern. Die Stadträtin liess auch die «besonderen Rahmenbedingungen» des Projekts nicht unerwähnt. Weil der Museumspark direkt über dem Tunnel der Stadtautobahn liegt, gelten nämlich besondere Vorschriften. Schwere Maschinen dürfen nicht auf die Wiese fahren, hohe Bäume mit tiefen Wurzeln dürfen hier nicht wachsen, und grössere Grabungsarbeiten kommen ebenso wenig in Frage wie der ursprünglich geplante Ententeich.

Das Astra als Eigentümerin des Grundstücks verschärfte während der Planungsphase die Auflagen, sodass die Stadt das ursprüngliche Parkprojekt noch einmal überarbeiten musste. Das führte zu Verzögerungen und zu Mehrkosten: Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner beziffert den zusätzlichen Planungsaufwand auf rund 50000 Franken. Man liege mit den Kosten aber dennoch im Rahmen und werde den Kredit nicht überschreiten. Insgesamt sind für den Park und die übrigen Umgebungsarbeiten rund um das Naturmuseum 3,2 Millionen Franken veranschlagt.

Ein Platz für Hochzeiten und Gottesdienste

Er sei froh, dass der Park nun «endlich» gebaut werde, ein halbes Jahr nach der Eröffnung des Naturmuseums, sagte gestern Museumsdirektor Toni Bürgin. «Man hat der Bevölkerung schliesslich ein Museum mit Park versprochen», sagte er mit Blick auf die vergangene Volksabstimmung zum neuen Naturmuseum.

Für die katholische Kirchgemeinde bietet der Park ebenfalls Vorteile. «Er kann ein Ort für spirituelle Erlebnisse sein», sagte beim Spatenstich Armin Bossart, Präsident des Kirchenverwaltungsrats der katholischen Kirchgemeinde. Diese hatte bisher das alleinige und unbefristete Nutzungsrecht an der Wiese, hat es inzwischen aber der Stadt abgetreten. Im Gegenzug konnten die Kirchenvertreter bei der Planung des Parks mitreden, und sie erhalten nun neben der Kirche St. Maria Neudorf einen attraktiveren Aussenraum: So ist ein neuer Platz mit Brunnen geplant, der sich beispielsweise für Taufen oder Hochzeiten eignet.

Laut Hansjörg Frick, Pfarreibeauftragter des katholischen Pfarramts Neudorf, werden künftig Gottesdienste unter freiem Himmel möglich sein. «Wir werden auch Brautpaare darauf hinweisen, dass sich der Park eignet, um Fotos zu schiessen.»