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«Sparwut auf Kosten der Kunst»

ST.GALLEN. ie Streichung des Kunstkredits für Kunst am Klanghaus-Bau empört den Berufsverband Visarte. Nach Fachhochschule und Bundesverwaltungsgericht sei diese Kürzung längst kein Einzelfall mehr, sondern habe langsam System.
Marcel Elsener
Figur des Bildhauers Hans Josephsohn im Eingang der Fachhochschule - pikanterweise eine Leihgabe des Kunstmuseums, weil der Kredit für Kunst am Bau fehlte. (Bild: Coralie Wenger)

Figur des Bildhauers Hans Josephsohn im Eingang der Fachhochschule - pikanterweise eine Leihgabe des Kunstmuseums, weil der Kredit für Kunst am Bau fehlte. (Bild: Coralie Wenger)

Der Kantonsrat St.Gallen hat den umstrittenen 19-Millionen-Franken-Kredit für das Klanghaus Toggenburg gutgeheissen – minus die 300 000 Franken für Kunst am Bau. Spät, aber vehement protestiert nun der regionale Berufsverband visuelle Kunst (visarte.ost) gegen die Streichung des Kunstkredits: «Die gegenwärtige kulturlose Sparwut auf Kosten der Künstlerinnen und Künstler sowie zum Nachteil der kunstinteressierten Bevölkerung muss endlich gestoppt werden!»

Zunächst habe man sich über den Entscheid für das Klanghaus sehr gefreut und betrachte ihn «als gutes Signal an die Öffentlichkeit», heisst es im offenen Brief von visarte.ost-Präsident Stefan Rohner. Doch könne man die Streichung des Kredits für Kunst am Bau nicht nachvollziehen. «Die hierfür budgetierten 300 000 Franken scheinen uns gegenüber den gesamten 19 Millionen ein kleiner und verkraftbarer Betrag.»

«Der dritte Fall»

Die vorberatende Kommission hatte gegen den Vorschlag der Regierung die Kürzung des Kunstkredits empfohlen (9 Ja, 5 Nein, 1 Enthaltung). Dagegen wehrte sich die SP-Grünen-Fraktion jedoch chancenlos: Eine Zweidrittelmehrheit befürwortete die Streichung der 300 000 Franken. Auf die Diskussion im Rat und die Kritik, wonach das Kunstwerk verwirrlich zwischen Klanghaus und Klangweg plaziert worden wäre, geht Stefan Rohner nicht ein. Immerhin erwähnt er sein Staunen über einen SVP-Vertreter, der für den Kunstkredit votierte (Christian Spoerlé). Doch bliebe der Gesamteindruck des «Trötzelns» der Ratsmehrheit und einer «Angst vor Kunst, die man ja nicht verstehen könnte», wie Rohner sagt. «Je länger, je mehr haben wir das Gefühl, dass solche Kürzungen System haben.»

Der Protest der Kunstschaffenden geht deshalb über den Einzelfall hinaus: «Nach den Streichungen beim Bundesverwaltungsgericht und der Fachhochschule ist dies der dritte Fall, bei dem Kunst an einem öffentlichen Bau im Kanton St.Gallen von derartigen Kürzungen betroffen ist. Kunst soll erneut weggespart werden. Fortsetzung folgt?»

Diesen Eindruck hat auch der Präsident des nationalen Berufsverbands, Josef Felix Müller. Er spricht von einem «verheerenden Zeichen», wenn auf Kosten der Kultur und der Bildung gespart werde. «Der Staat darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen, sondern muss im Gegenteil Vorbild sein.» Kunst am Bau sei für Kunstschaffende die wichtigste Förder- und Erwerbsmöglichkeit ausserhalb des Kunstmarkts, sagt Müller. Um diese Bedeutung zu unterstreichen, vergebe sein Verband neuerdings den Prix Visarte.

Erwartungen bei Spitalbauten

Der Berufsverband macht sich für einen verbindlichen Kunstkredit von einem Prozent der Bausumme von öffentlichen Bauten stark. Was im Kanton Aargau gesetzlich festgeschrieben ist, wäre auch in St.Gallen wünschbar, sagt Müller. Visarte hat eine entsprechende Eingabe für das neue Baugesetz gemacht.

Der nächste grosse Testfall für Kunst am Bau im Kanton folgt bei den anstehenden Spitalbauten mit einer Gesamtbausumme von rund einer Milliarde Franken. Demnach stünden der Kunst gut zehn Millionen zu.

Dass dies nicht Wunschdenken bleibt, soll auch der Beizug des Künstlers Alex Hanimann bei der Bauplanung gewährleisten. Konkrete Angaben zur Kunst für die Spitalbauten gibt es noch nicht. Doch Jürg Kellenberger, stellvertretender Kantonsbaumeister, versichert, dass sich die Regierung stets für Kunst am Bau ausgesprochen habe und die Bauverwaltung dies «generell berücksichtige». Die kritisierten Fälle seien «nicht die Regel»

Dass es anders geht, zeigte der Kanton zuletzt beim Verwaltungszentrum am Oberen Graben St.Gallen und in der Kanti Heerbrugg – auch wenn der Kunst- und Architekturkritiker Gerhard Mack den Standort von Hanimanns Chromstahl-Skulptur «Vanessa» kritisiert. Kunst am Bau, so Mack, sei «wieder einmal eine ungeliebte Pflicht». Immerhin das, wie sich mit Blick aufs Klanghaus sagen lässt.

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