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Spardruck trifft auch die Polizei

ST.GALLEN. Bruno Zanga ist als Kommandant der Kantonspolizei St. Gallen rund neun Monate im Amt. Das enge Personalkorsett und neue Informatikmittel beschäftigen den ehemaligen Chef des kantonalen Migrationsamtes im Moment besonders.
Umberto W. Ferrari
Kommandant Bruno Zanga in der Kommandozentrale der St. Galler Kantonspolizei im Klosterhof. (Bild: Ralph Ribi)

Kommandant Bruno Zanga in der Kommandozentrale der St. Galler Kantonspolizei im Klosterhof. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Bruno Zanga ist Chef von rund 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – das sind fünfmal mehr Unterstellte, als er zuvor als Chef des kantonalen Migrationsamtes hatte. 750 Mitarbeitende sind viel – gemessen an den Aufgaben offensichtlich immer noch zu wenige. Das hatten die St. Galler Regierung und der Kantonsrat bereits im Bericht «Innere Sicherheit im Kanton St. Gallen» im Jahr 2009 festgestellt und einer Aufstockung des Korpsbestands um 75 Stellen zugestimmt. Die Vorgabe: In einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren sollten die Stellen geschaffen werden.

Erst 26 Polizisten in Ausbildung

Bisher sind erst 26 neue Polizisten in Ausbildung – wann die verbleibenden 49 rekrutiert und ausgebildet werden können, steht in den Sternen. Der St. Galler Kantonsrat hat für 2012 über das Budget kein weiteres Kontingent freigegeben, und angesichts der angespannten Finanzlage beim Kanton ist nicht damit zu rechnen, dass nächstens neue Polizisten hinzukommen. «Wir sind mit Sicherheit nicht überdotiert», sagt Zanga. Mit reduzierten Mitteln den Auftrag zu erfüllen, bedürfe besonderer Führungsarbeit. «Grundsätzlich bieten sich in einer solchen Situation zwei Möglichkeiten an: Entweder zusätzliche Überstunden leisten oder die polizeilichen Leistungen herunterfahren.»

Ordnungseinsätze belasten

Was versteht Bruno Zanga unter Leistungsabbau? «Wir müssen uns überlegen, was wir nicht mehr machen können. Ein konkretes Beispiel: Müssen wir wirklich zu jedem Nachbarstreit ausrücken? Müssen wir immer ausrücken, wenn sich jemand durch den Grill des Nachbarn belästigt fühlt?» Selbstverständlich, sagt Zanga weiter, werde die Polizei auch in Zukunft ausrücken, wenn sie gerufen werde. 19 000 Überstunden haben sich bei der Kantonspolizei angehäuft. Diese werden in erster Linie durch den Ordnungsdienst verursacht, also durch Polizeieinsätze bei Fussball- oder Eishockeyspielen und beim World Economic Forum. Ein Ende ist nicht absehbar. Zwar wird jeder Tag, den ein St. Galler Polizist am WEF im Einsatz ist, mit 600 Franken entschädigt. Dieses Geld fliesst nicht in die Kasse der Kantonspolizei, sondern in den St. Galler Staatshaushalt.

«Wir wollen die Überstunden nicht in erster Linie auszahlen, vielmehr brauchen wir ausgeruhte und erholte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Arbeitsplatz», sagt Zanga. Noch im Bericht Innere Sicherheit von 2009 stand, dass im administrativen Bereich Vereinfachungen erzielt werden konnten, die die Polizisten entlasten. Das gehört bereits der Vergangenheit an. Die seit Januar 2011 gültige neue Strafprozessordnung fordert von der Polizei mehr administrative Tätigkeit als zuvor.

«Kapo goes mobile»

Was in den USA schon gängige Praxis ist: Jeder Sheriff ist in seinem Fahrzeug mit Informatikmitteln ausgestattet, die es ihm erlauben, seine Arbeit an Ort und Stelle auch online zu erledigen, dies soll auch in St. Gallen bald Realität werden. «Unter dem Titel <Kapo goes mobile> streben wir die Einführung mobiler Endgeräte für unsere Polizistinnen und Polizisten an», erklärt Zanga. Allerdings nicht im Alleingang, sondern im Verbund mit anderen Polizeikorps, wo das Projekt «Harmonisierung Polizei Informatik» läuft: «<Kapo goes mobile> wird für uns eine wichtige Herausforderung in der kommenden Zeit werden.»

Ausbau im Mediendienst

Für Zanga ist Kommunikation und Information von zentraler Bedeutung – vor allem, wenn es darum geht, seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Hintergründe von Entscheiden zu kommunizieren. «Information muss zuerst im Innern gelebt werden. Alle müssen bestens informiert sein», sagt er.

Zugenommen haben die Ansprüche der Medien: «Die Anfragen nehmen zu, das Tempo der Information hat sich verschärft», sagt Zanga. Diesen Tatsachen will er trotz des faktischen personellen Ausbaustops Rechnung tragen. Der Mediendienst der Kantonspolizei wurde bisher von dessen Chef Hanspeter Krüsi und seinem Mitarbeiter Hans Peter Eugster sowie einigen Pikettleuten betreut. Im Vergleich mit anderen Polizeikorps ist das wenig. Die Kantonspolizei Thurgau beispielsweise verfügt bereits seit Jahren über fast vier Stellen. Deshalb wird der Mediendienst bei den St. Gallern jetzt auf vier Stellen verdoppelt, allerdings müssen diese Stellen an andern Orten bei der Polizei eingespart werden.

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