Sparangriff aufs Theater

Konzert und Theater St. Gallen bleiben vom dritten kantonalen Entlastungsprogramm verschont. Die SVP ist gestern in der Spardebatte mit dem Antrag gescheitert, den Kantonsbeitrag an diese Kulturinstitution um eine Million zu kürzen.

Reto Voneschen
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Imageträger Theater: Über das Musical «Moses» beispielsweise berichteten die Medien schweizweit. (Archivbild: Urs Jaudas)

Imageträger Theater: Über das Musical «Moses» beispielsweise berichteten die Medien schweizweit. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die Genossenschaft Konzert und Theater St. Gallen (KTSG) erhält gemäss Rechnung der SVP jährlich rund 27,6 Millionen Franken von der öffentlichen Hand. 11,64 Millionen Franken fliessen dabei aus der St. Galler Staatskasse. Weitere rund acht Millionen kommen aus dem Lotteriefonds. Das ist nach Meinung der SVP in Zeiten knapper Finanzen zu viel Geld. Entsprechend reichte sie für die Sparsession vom Montag und Dienstag den Antrag ein, den Kantonsbeitrag um eine Million Franken jährlich zu kürzen.

In der Kommission chancenlos

Ein Antrag, bei Konzert und Theater zwei Millionen zu sparen, sei in der vorberatenden Kommission diskutiert und dann mit vier zu zehn Stimmen gescheitert, sagte Kommissionspräsident Michael Götte (SVP, Tübach) in der gestrigen Diskussion um den SVP-Sparantrag. Der Kürzungsantrag für eine Million hatte der Kommission nicht vorgelegen. Entsprechend sei er auch nicht diskutiert worden, hielt Götte fest.

2012 sei jeder der 451 KTSG-Anlässe im Schnitt mit 61 200 Franken, jedes der 151 112 Eintrittsbillette mit 183 Franken subventioniert worden. Angesichts dieser Zahlen könnten Konzert und Theater St. Gallen eine Reduktion des Kantonsbeitrags um eine Million Franken ab 2015 gut verkraften. Der Betrag entspreche der Subvention für 20 Anlässe, begründeten gestern Herbert Huser (Altstätten), Linus Thalmann (Kirchberg) und Karl Güntzel (St. Gallen) den SVP-Sparantrag.

Breite Unterstützung

Unterstützung für Konzert und Theater St. Gallen kam von Andreas Hartmann (FDP, Rorschach), Anita Blöchliger (SP, Gaiserwald), Etrit Hasler (SP, St. Gallen), Stadtrat Nino Cozzio (CVP, St. Gallen) und von der Regierungsbank. Mit der Streichung von einer Million Franken könne die Genossenschaft die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton nicht mehr erfüllen. Es sei derzeit auch schwierig, private Sponsoren als Ersatz für eine wegfallende Staatsmillion zu finden. Dazu komme, dass Konzert und Theater St. Gallen sich zu rund einem Drittel über Eigeneinnahmen finanzieren. Dies sei im Vergleich mit inländischen Bühnen ein absoluter Spitzenwert und verdiene Anerkennung.

Anita Blöchlinger geisselte die «Sparwut» der SVP im kulturellen Bereich: Da seien jetzt wohl «alle Dämme gebrochen» und man wolle die ganze St. Galler Kulturlandschaft «flachlegen». Gerade das Theater leiste einen wichtigen Bildungsbeitrag für den ganzen Kanton. Die Häuser von Konzert und Theater stünden zwar in der Stadt St. Gallen, die Angebote strahlten aber in die ganze Ostschweiz und das grenznahe Ausland aus. Dies betonte auch Nino Cozzio: Gerade im Muscial-Bereich geniesse das Theater St. Gallen schweizweit einen ausgezeichneten Ruf. Und so trage es den Namen von Kanton und Stadt immer wieder in die ganze Schweiz hinaus. Und viele Institutionen, die das fertig brächten, gebe es im Kanton nicht.

Kulturgeld umverteilen

Leise Kritik am Finanzgebaren von Konzert und Theater St. Gallen kam von SPler Etrit Hasler: Andere Akteure der Kulturszene hätten auch den Eindruck, dass es bei KTSG Sparpotenziale gebe. Genaues wisse man nicht, weil die Direktion Geheimniskrämerei um die Zahlen betreibe. Allerdings erteilte Hasler dem Sparen im kulturellen Bereich à la SVP eine Absage: Den Kulturschaffenden gehe es nicht darum, Konzert und Theater Geld zugunsten der Staatskasse wegzunehmen. Ziel müsse vielmehr sein, eingesparte Mittel für andere, vernachlässigte Kulturbereiche einzusetzen.

Das Volk hat entschieden

Das KTSG-Finanzierungskonzept basiere auf einer Abmachung zwischen Kanton und Stadt sowie einem Volksentscheid, erinnerte Regierungsrat Martin Klöti. Dabei sei entschieden worden, dass der Kanton für Konzert und Theater, die Stadt für die Museen zuständig seien. Der SVP-Sparantrag gefährde diese Übereinkunft. Zudem werde damit der falsche Weg eingeschlagen: Wenn man etwas ändern wolle, müsse dies über die Leistungsvereinbarung zwischen Kanton und KTSG geschehen. Konzert und Theater spielten – wie beispielsweise auch die Universität – in der ersten Liga. Kanton und Stadt hätten solche Player dringend nötig, um im Standortwettbewerb bestehen zu können, sagte Klöti. Schliesslich wurde der SVP-Sparantrag mit 33 Ja zu 78 Nein bei einer Enthaltung deutlich abgelehnt.