Spanisches Klubhaus wird verkauft

ST.GALLEN. Das Klubhaus hinter dem Hauptbahnhof soll einem Bürogebäude weichen. Nach langen und heftigen Diskussionen haben die Genossenschafter am Dienstagabend entschieden, die Liegenschaft doch zu verkaufen. Der bekannte Treffpunkt Hogar Español wird vorläufig weiterbetrieben.

Lea Müller
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Im Spanischen Klubhaus neben dem Fachhochschulzentrum führt der Verein Hogar Español seit 1981 ein Restaurant. (Archivbild: Coralie Wenger)

Im Spanischen Klubhaus neben dem Fachhochschulzentrum führt der Verein Hogar Español seit 1981 ein Restaurant. (Archivbild: Coralie Wenger)

Die Stimmung zwischen der Genossenschaft Spanisches Klubhaus und dem Spanierverein, der im Gebäude ein Restaurant betreibt, ist kühl, wenn nicht eiskalt. Hitzig waren aber die Diskussionen am Dienstagabend im Kirchgemeindehaus St. Mangen über die Zukunft des Klubhauses. Das Schicksal ihres «spanischen Zuhauses» in St. Gallen beschäftigte sogar in ihr Heimatland zurückgekehrte Genossenschafter. Einige reisten extra in die Schweiz, um an der ausserordentlichen Generalversammlung dabei zu sein.

Ausgleichskasse ist Käuferin

Diskutiert wurden drei Szenarien für das sanierungsbedürftige Klubhaus auf der Nordseite des Hauptbahnhofs: Renovation oder Abbruch und Neubau oder Verkauf. 152 Genossenschafter, darunter auch viele Vereinsmitglieder, entschieden sich nach heftigen Diskussionen für eine Statutenänderung und den Verkauf der Liegenschaft. Dies bedeutet voraussichtlich den Abbruch des letzten noch erhaltenen Stadtsanktgaller Gesellschafts-Saals aus der Zeit um 1900. Der Vorstand will die Liegenschaft per Mitte Jahr für 1,56 Millionen Franken an die Familienausgleichskasse St. Galler Arbeitgeber des Detailhandels verkaufen. Diese will ein Bürogebäude erstellen. Die Stadt St. Gallen habe ihr unlimitiertes Vorkaufsrecht bis jetzt nicht wahrgenommen, sagte Vorstandsmitglied Urs Weishaupt. Die Frist laufe noch bis Ende Monat.

Kulturgut im Inneren

Für die Rettung des Gebäudes setzte sich eine Gruppe rund um SP-Stadtparlamentarier Gallus Hufenus ein. Sie verlangte ein Jahr Zeit, um die nötigen 500 000 Franken für die eine Million Franken teure Renovation zu sammeln. «Ich will nicht jedes alte Haus retten», sagte Hufenus in seiner zweisprachig gehaltenen Rede. «Es geht um den Erhalt des Kulturguts, das im Innenleben zu finden ist.» Die Genossenschafter lehnten diesen ersten Antrag mit 92 Nein- zu 44 Ja-Stimmen ab.

Gallus Hufenus' Rettungsaktion komme zu spät, sagte Diego Gonzalez, Vizepräsident der Genossenschaft und ehemaliger Vizepräsident des Spaniervereins Hogar Español. Der Verein sei heillos zerstritten; zwei Lager würden gegeneinander arbeiten. «Ich befürworte einen Verkauf der Liegenschaft, weil ich weder in das Gebäude, noch in den Verein vertraue», sagte er. «Ein Neuanfang an einem neuen Standort wäre das Richtige».

Vereinspräsident Jose Vila aber versuchte, die Genossenschafter von der Idee eines gemeinsamen Neubaus am gleichen Standort zu überzeugen. Der Verein hatte ein Vorprojekt ausarbeiten lassen. Es sieht vor, dass das Klubhaus abgebrochen und ein 4,3 Millionen teurer Neubau erstellt wird.

Vorwurf zum Vorgehen

Im Anschluss an die Versammlung wurde im Saal der Vorwurf laut, dass die Abstimmung manipulativ gewesen sei. Genossenschaftspräsident Reto Antenen hatte die Anträge Verkauf und Neubau einander gegenübergestellt. 110 Genossenschafter sagten Ja zum Verkauf, 18 stimmten für den Neubau. Ein klarer Entscheid, der bei einigen auf ein Missverständnis zurückzuführen sein könnte: Sie hätten vor allem gegen die Neubaupläne des Vereins stimmen wollen, sagten zwei Spanierinnen. Dass dies den Abbruch des Klubhauses besiegelt habe, sei ihnen nicht bewusst gewesen. Der anwesende Rechtsberater Hubert Bühlmann schätzte das Vorgehen aus juristischer Sicht als nicht problematisch ein.

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