Spätzünderin und Gastgeberin

Büro-Tasse

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Erika Bigler ist 75 Jahre alt und arbeitet an zwei verschiedenen Orten. Ans Aufhören denkt sie nicht. «Ich arbeite, bis ich 80 Jahre alt bin.» Die Hälfte ihrer Arbeitszeit ist sie als Laufbahnberaterin für Frauen bei dem Unternehmen Balance-Netz tätig. Die restlichen 50 Prozent ist sie Gastgeberin im Café Denkbar an der Gallusstrasse; sie ist auch Copräsidentin der dazugehörigen Genossenschaft.

Aufgrund der zwei verschiedenen Arbeitsplätze hat sie auch zwei verschiedene Kaffeetassen. Die höhere der beiden sei ihr besonders wertvoll. Sie stammt von der bekannten Schweizer Porzellanfabrik in Langenthal. Bigler hat die Tasse vom Mutterhaus der Organisation Balance-Netz in Zürich geerbt. Die zweite Tasse stammt aus der Denkbar, wo Bigler am meisten Kaffee trinkt. Nach drei Tassen Filterkaffee zum Frühstück folgen je nach Tag und Stimmung vier bis sechs weitere Tassen Cappuccino. Der Abend ist hingegen kaffeefrei und wird mit einem Glas Rotwein abgerundet.

Erika Bigler bezeichnet sich als «junge Alte». In ihrem Leben habe sie viel Zeit in die Familie investiert, so sei sie erst wieder mit 47 Jahren in das Berufsleben eingestiegen. «Ich bin eine Spätzünderin und habe noch einiges nachzuholen.» Die Denkbar sieht sie als Altersprojekt. Sogar ihre Hausärztin sage, das sei wie ein Lebenselixier für Bigler. Sie ist schon lange begeisterte Gastgeberin. Bereits als Kind sei sie von schönen Beizen fasziniert gewesen. «Sie sind Treffpunkte für Menschen um sich auszutauschen und um über das Leben zu philosophieren.» Auch ins Café an der Gallusstrasse kämen immer wieder interessante Personen. Gerade heute Morgen sei ein Pilger auf dem Jakobsweg vorbei gekommen. «Zu solchen Menschen setze ich mich jeweils einfach an den Tisch.» Gastgeberin sein und der Austausch mit Menschen, das sei ihre grosse Leidenschaft.

Sommerferien nimmt sie dieses Jahr nicht wirklich. «Ich kann doch hier nicht weg», sagt sie lachend. Jedoch schaue sie schon, dass sie neben all dem Beruflichen noch zu Erholung komme. Das tut sie nach einem altbewährten Rezept: viel Schlaf, oft ins Grüne gehen und sich nicht stressen lassen. (egr)