SOZIALE INSTITUTION: Das etwas andere Hotel

Im Hotel Dom arbeiten über 50 Personen mit Unterstützungsbedarf. Bei der Eröffnung galt es schweizweit als Pionierprojekt. Nun feiert das Hotel Dom sein 20-Jahr-Jubiläum.

Nina Rudnicki
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Mitarbeitende in der hauseigenen Wäscherei des Hotels Dom. (Bild: Benjamin Manser)

Mitarbeitende in der hauseigenen Wäscherei des Hotels Dom. (Bild: Benjamin Manser)

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Die Zimmertüren sind geöffnet und kühle Morgenluft strömt durch den Hotelflur. Acht Mitarbeitende sind gerade mir der Zimmerreinigung beschäftigt: Sie wechseln die Bettwäsche, schütteln die Decken auf, wischen den Boden, putzen die Badezimmer und leeren die Papiereimer. Normalerweise würde auch die 39-jährige Fabienne Schwarz mithelfen. Sie ist die Etagenverantwortliche und arbeitet seit 20 Jahren im Hotel Dom. An diesem Tag hat sie allerdings frei und so bleibt ihr Zeit, während eines Rundgangs durch die verschiedenen Räumlichkeiten, von ihrem Arbeitsalltag zu berichten. Das Hotel Dom hat ein besonderes Konzept: Nebst den 30 Fachkräften sind 55 Personen mit Unterstützungsbedarf eingestellt, zu letzteren zählt auch Fa­bienne Schwarz. Als das Hotel Dom 1998 neu eröffnete, galt es schweizweit als Pionierprojekt. Nun feiert es sein 20-Jahr-Jubiläum.

Alltagsarbeiten brauchen hier mehr Zeit

Im Hotel Dom sind Personen beschäftigt, die entweder kognitiv oder körperlich beeinträchtigt sind oder die psychische Beeinträchtigungen haben. Beispielsweise auch Personen, die ein Burn-out erlitten haben und nicht mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten können. In Teams zusammen mit den Fachkräften arbeiten sie im Hotel Dom in den Abteilungen Rezeption, Service, Küche, Wäscherei oder Zimmerreinigung. «Für unsere Fachkräfte bedeutet das, dass sie einen guten Teamgeist haben müssen und flexibel, verständnisvoll und geduldig sein sollten», sagt Hoteldirektor Hans-Jakob Würsch. «Aber gerade Personen, die schon viele Jahre in der Hotelbranche gearbeitet haben, nehmen gerne solche neuen Herausforderungen an.» Als er selbst vor acht Jahren die Stelle im Hotel Dom angetreten habe, sei für ihn das langsamere Arbeitstempo eine der grössten Veränderungen gewesen. «In der klassischen Hotellerie haben die Mitarbeitenden für eine Zimmerreinigung 15 Minuten Zeit. Bei uns sind es hingegen 45 Minuten.»

Auf seiner Homepage wirbt das Hotel Dom nicht damit, dass es ein Sozialbetrieb ist. Der entsprechende Hinweis findet sich eher versteckt. Viel mehr tritt es als modernes Businesshotel auf, mit Tagungsraum, 41 Zimmern und einem Kunstkonzept. Jede Etage ist in einer anderen Farbe gestaltet, in den Gängen und Zimmern hängen Kunstdrucke. «Die Gäste merken oft gar nicht, dass das Hotel als sozialer Betrieb geführt wird», sagt Esther Wyss. Als Leiterin Agogik begleitet sie seit 17 Jahren die Mitarbeitenden mit Beeinträchtigung im Arbeitsalltag. «Wenn Gäste von unserem Konzept erfahren, sind die Rückmeldungen immer sehr positiv. Sie loben unser authentisches Hotel, dass unsere Mitarbeitenden immer fröhlich seien.»

Auch Fabienne Schwarz erzählt voller Freude von ihrem Arbeitsalltag. Sie fing direkt nach ihrem hauswirtschaftlichen Lehrjahr in Rorschach an, im Hotel Dom zu arbeiten. «An meiner Stelle gefällt mir am besten, dass sie abwechslungsreich ist und ich Eigenverantwortung habe.» Jeden morgen fängt sie um acht Uhr an. Zunächst erfolgen die Team- und Einsatzbesprechungen, anschliessend die Zuteilung zu einer der fünf Etagen im Hotel. Bei Bedarf springt Fabienne Schwarz auch in der Wäscherei und im Service ein. Sie sagt: «Ich kenne alle Abteilungen und bin längst eine Allrounderin.»