Soziale Dienste sollen zügeln

Die Sozialen Dienste der Stadt St. Gallen sollen von der Innenstadt an die Haggenstrasse 45 umziehen. Derzeit sind die Abteilungen auf drei Standorte verteilt. Der Stadtrat verspricht sich vom Umzug mehr Sicherheit und weniger Kosten.

Rafael Rohner
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Das ehemalige Industriegebäude an der Haggenstrasse 45 ist als neuer Standort für die Sozialen Dienste der Stadt St. Gallen vorgesehen. (Bild: Urs Bucher)

Das ehemalige Industriegebäude an der Haggenstrasse 45 ist als neuer Standort für die Sozialen Dienste der Stadt St. Gallen vorgesehen. (Bild: Urs Bucher)

Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) sowie die Sozialhilfe stehen unter Druck: Die Fallzahlen steigen, die Arbeitsbelastung ist hoch. Erschwerend kommt landesweite Kritik an zu hohen Kosten hinzu. «Die Situation ist nicht leicht», bestätigt Patrik Müller, Leiter der Sozialen Dienste St. Gallen.

Im Rahmen des Sparprogramms «Fit13plus» hat der Stadtrat einen Weg gefunden, die Kosten zu senken. Geplant ist ein Umzug der Sozialen Dienste aus dem Stadtzentrum ins Haggen-Quartier. Dort soll ein Industriegebäude für sie umgebaut werden. Der Stadtrat beantragt dafür beim Stadtparlament einen Projektierungskredit von 439 000 Franken.

Jährlich Geld sparen

Die Liegenschaft an der Haggenstrasse 45 hat die Stadt bereits 2013 für 5,2 Millionen Franken gekauft. Die Umbaukosten werden auf vier Millionen geschätzt. Dafür verspricht sich der Stadtrat am neuen Ort tiefere Raumkosten. Jährlich sollen so rund 250 000 Franken eingespart werden. Patrik Müller sieht noch weitere Vorteile eines Umzugs. Die einzelnen Abteilungen der Sozialen Dienste seien momentan auf drei Standorte verteilt: an der Brühlgasse, am Bohl und am Bahnhofplatz. Die Konzentration an einem Ort verkürze die Wege und verbessere die Zusammenarbeit. Zudem könnten die Kulturen der Abteilungen vereinheitlicht werden. Das Sozialamt und die Vormundschaftsbehörde wurden erst 2013 mit der Kesb zu den Sozialen Diensten zusammengeführt. 123 Personen werden derzeit beschäftigt.

Haggen ist «innerstädtisch»

Trotz dieser Argumente: Der Anfahrtsweg wird für Klienten, die im Zentrum oder im Osten der Stadt wohnen, künftig länger. Der Stadtrat wie auch Patrik Müller verweisen bei dieser Frage auf die gute Anbindung des neuen Standorts an den öV. «In drei Minuten ist man mit dem Zug am Hauptbahnhof», sagt Müller. Und der Stadtrat bezeichnet das Haggen-Quartier in der Vorlage ans Parlament «als innerstädtisches, recht zentrumsnahes Quartier in kurzer Gehdistanz zum Bahnhof Haggen». Ausserdem hält der Stadtrat fest, dass Fahrkosten für den öV mit den Sozialleistungen gedeckt seien. Als weiteren Vorteil sieht er, dass der Zugang am neuen Ort anonymer sei als an der Brühlgasse.

Sicherheit berücksichtigen

Betroffen vom Umzug wären Menschen, die häufig unter grossem finanziellen oder psychischem Druck stehen. An den heutigen Standorten in der Brühlgasse und am Bahnhofplatz sind daher ständige Sicherheitskontrollen installiert. Mit gutem Grund: Etwa einmal im Monat werde jemand erwischt, der mit einem gefährlichen Gegenstand an eine Besprechung wolle, sagt Patrik Müller. Vor einiger Zeit habe jemand sogar eine Schusswaffe mitgebracht. Am neuen Standort an der Haggenstrasse 45 könnten bereits beim Umbau sicherheitsrelevante Fragen berücksichtigt werden.

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